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Grüne Aktien: Hinken sie dem Markt zu Recht hinterher?

Würde man sich nur die Entwicklung der Aktienmärkte in diesem und im letzten Jahr anschauen, könnte man auf die Idee kommen, bei der Geldanlage sei das „grüne“ Zeitalter schon vorbei, bevor es richtig angefangen hat...

Robin Beugels, Merck Finck
Robin Beugels, Leiter Investment Management bei Merck Finck 
© Merck Finck

Der Gedanke, grüne Aktien hätten ihre besten Zeiten hinter sich, kommt nicht von ungefähr. Schließlich waren es bislang die Unternehmen aus dem Bereich fossile Energie, die alle anderen Sektoren übertroffen haben. Nahezu 43,60 Prozent betrug der Vorsprung des MSCI ACWI Oil Gas & Consumable Fuels Index gegenüber dem breiten MSCI ACWI per Ende Juli, im gesamten Vorjahr waren es 15,9 Prozent.

Nachvollziehbare Gründe 
"Es war eine Reihe von Faktoren, die die Nachfrage nach den Aktien von klassischen Energieerzeugern zulasten von Erneuerbaren getrieben hat: die allgemeine Rotation am Markt, weg von Wachstums- hin zu Substanzaktien; der starke Verbrauch an fossilen Brennstoffen nach dem Ende der Lockdowns, der auf ein knappes Angebot traf; der Druck auf die Margen im Bereich saubere Technologien (CleanTech). Aus durchaus verständlichen Gründen konzentriert sich der Markt seit Februar diesen Jahres darauf, den durch den Angriff Russlands auf die Ukraine verstärkten Angebotsschocks zu verarbeiten und den akuten Bedarf an fossilen Brennstoffen zu sichern", weiß der Leiter des Investment Managements von Merck Finck, Robin Beugels.

Kurzfristige Betrachtung führt aber in die Irre
Vielmehr sollte uns gerade die durch den Krieg in der Ukraine verschärfte Energiekrise vor Augen führen, dass wir unabhängiger werden müssen von Russland im Besonderen – und fossilen Brennstoffen im Allgemeinen, so Beugels weiter. Übergeordnete Ziele wie die Bekämpfung des Klimawandels würden dauerhaft höhere Investitionen in den Bereichen saubere Energie und nachhaltige Lösungen erfordern. Ein langfristiges Wiedererstarken fossiler Brennstoffe halte man bei Merck Finck Asset Management  deshalb für sehr unwahrscheinlich. Beugels: "Im Gegenteil: Wenn die Nachwirkungen des Kriegs irgendwann abklingen, dürfte die Euphorie in Bezug auf fossile Brennstoffe wieder nachlassen."

Solide Investitionskurve in grüne Assets
Schon jetzt zeige sich bei einem Blick auf längere Zeiträume, dass die Investoren diese Botschaft verstanden hätten. Saubere Energie und nachhaltige Beugels: "Lösungen können sich über viele Jahre hinweg einer soliden Investitionskurve erfreuen. Sowohl Wasserstoff als auch saubere Energie erholen sich langsam von den Tiefstständen und gehören seit Beginn des Kriegs zu den Themen mit der besten Performance. Und auf das ganze letzte Jahrzehnt gesehen schnitten Aktien aus dem Bereich fossile Brennstoffe schlechter ab als die breiteren Märkte; CleanTech-Aktien hingegen besser. Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 hat zum Beispiel der iShares Global Clean Energy ETF um 17,5 Prozent besser als der breite Markt performt."

Zukunftsaussichten könnten noch positiver ausfallen
In diesem Jahrzehnt könnte die Divergenz zwischen fossilen Brennstoffen und CleanTech sogar noch deutlicher ausfallen. Die rasant fortschreitende Entwicklung bei erneuerbaren Energien, Elektrofahrzeugen, Batterien, Wasserstoff sowie Energieeffizienz und -transport könnten in Kombination eine enorme Wirkung entfalten. Langfristig orientierte Anleger sollten also in ein breites Spektrum von Technologien für die Energiewende investieren. Denn die Fokussierung auf einzelne Technologien wie etwa Grüner Wasserstoff, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden, setzt Investoren vermutlich – im Vergleich zu etablierteren Themen – vorerst hohen Schwankungen aus. Und fossile Brennstoffe mögen zwar kurzfristig resilient aussehen, seien langfristig jedoch weiterhin den Risiken großer struktureller Veränderungen ausgesetzt, vermutet Beugels. (kb)

 

 

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