Große Unterschiede: 15 Länder und ihre Anleihesegmente im Überblick
Welche Anleihen derzeit besonders interessant sind, fragen sich viele institutionelle Anleger. Auch Anleiheexperten wie Jan Tachtler von HQ Trust beschäftigen sich regelmäßig mit diesem Thema. Seine Auswertung zeigt allerdings, dass es auf die Frage viele (gute) Antworten gibt.

Jan Tachtler, Fondsselektor von HQ Trust, vergleicht in seiner Analyse die Renditeaufschläge von Euro-Investment-Grade-Anleihen. Er analysiert verschiedene Sektoren der Top-15-Länder des Bloomberg Euro Aggregate Index. In die Auswertung fließen neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen aus den wichtigsten drei Sektoren ein: Finanzdienstleister, Versorger und Industrie. Dabei variiert das Angebot von Land zu Land: Die USA haben beispielsweise keine Staatsanleihen emittiert, die in Euro nominieren. Oder es gibt zwar Anleihen eines griechischen Versorgers – diese werden aber als spekulativ eingestuft und erfüllen das Qualitätsurteil „Investment Grade“ nicht.

Quellen: Bloomberg, HQ Trust
Erkenntnisse
„Deutsche Bundesanleihen sind der sogenannte Goldstandard für Euro-Investment-Grade-Papiere. Was gut klingt, heißt allerdings auch, dass die Renditen aus Investorensicht derzeit nicht besonders attraktiv sind“, sagt Tachtler. Und weiter: „Bei Unternehmensanleihen ist das Risiko eines Ausfalls größer. Daher ist der Renditeaufschlag auch deutlich höher – immerhin rund 70 bis 90 Basispunkte können risikobereite Investoren hier zusätzlich vereinnahmen. Schaut man auf den Risikoaufschlag, so liegen die Bonds von Versorgern und Industrieunternehmen sehr eng zusammen.“
Grundsätzlich gelten diese Aussagen auch für die 14 anderen Nationen
Allerdings gibt es hier zum Teil auch spürbare Unterschiede. Tachtler führt aus: „Für die Euro-Staatsanleihen aus Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Belgien bekommen Investoren im Schnitt gut 50 Basispunkte mehr als hierzulande. In acht der 15 Länder ist der Risikoaufschlag einer Anleihe aus dem Bereich der Finanzdienstleister derzeit im Schnitt am höchsten. Besonders hoch ist dieser Spread derzeit in Österreich. In den USA, Großbritannien und Schweden ist dagegen bei Euro-Bonds von Versorgern am meisten zu holen.“
Was Jan Tachtler Anlegern rät
„Abseits der sehr sicheren deutschen Staatsanleihen finden Investoren derzeit einige Bereiche, in denen sie für überschaubares zusätzliches Risiko einen gewissen Renditeaufschlag bekommen. Die Risikoaufschläge variieren stark zwischen Ländern und Sektoren. Wer breit streut – etwa über Staatsanleihen und Unternehmensanleihen aus verschiedenen Regionen – kann das Risiko besser kontrollieren und zugleich Chancen nutzen. Ein höherer Risikoaufschlag klingt verlockend, bedeutet aber auch ein größeres Ausfallrisiko. Besonders bei Unternehmensanleihen in Ländern mit schwächerer Bonität sollten Anleger genau prüfen, ob die zusätzliche Rendite das Risiko rechtfertigt.“ (kb)