Green Economy knackt 10-Billionen-Dollar-Marke
Totgesagte leben länger – ein Klischee, das auch fur den Sektor der Green Economy zutrifft. Stand der gesamte ESG-Sektor zunächst marginal mit Ausbruch der Pandemie-, spätestens aber nach Putins Angriff auf die Ukraine unter Druck, so zeigen sich Investments im nachhaltigen Bereich wieder robust.

ECKPUNKTE:
- Marktwert der globalen Green Economy erstmals bei 10 Billionen US-Dollar.
- Umsätze mit grünen Produkten und Diensten stiegen auf 5,5 Billionen US-Dollar.
- Unternehmen mit hohem Grünanteil schlagen den breiten Aktienmarkt deutlich.
Green Economy hat erstmals einen Marktwert von zehn Billionen US-Dollar erreicht. Als Treiber wirkten kräftig steigende Umsätze mit Umweltprodukten und -dienstleistungen, die im vergangenen Jahr auf 5,5 Billionen US-Dollar kletterten und damit so schnell wuchsen wie zuletzt 2022. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Report der London Stock Exchange Group (LSEG) hervor.
Unter Green Economy versteht LSEG jenen Anteil der Unternehmensumsätze, der auf Umweltlösungen entfällt – von erneuerbaren Energien und sauberem Wasser über Energieeffizienz bis zum Recycling. Für die Analyse hat das Haus die Umsatzexposition von mehr als 21.000 Unternehmen weltweit untersucht. Das Wachstum erwies sich als breit abgestützt: In 99 von 133 Kategorien grüner Produkte und Dienstleistungen legten die Umsätze zu. Als besonders dynamisch hebt LSEG Elektrofahrzeuge und fortschrittliche Batterietechnologien hervor, die zusammen 62 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Umsatz beisteuerten.
Abermals Performance-Vorteil durch ESG?
Die Anleger honorieren diese Entwicklung scheinbar. Unternehmen, die mehr als 20 Prozent ihrer Erträge aus grünen Aktivitäten erzielen, schnitten zuletzt besser ab als der breite Aktienmarkt. Der S&P Global Clean Energy Transition Index legte seit Ende 2024 um mehr als 80 Prozent zu und damit mehr als doppelt so stark wie der S&P 500. Trotz wachsender geopolitischer Spannungen und einer Abkehr von Klimaprioritäten in einigen großen Volkswirtschaften, allen voran den USA, zeigt sich die Branche bemerkenswert widerstandsfähig. Das liege auch daran, dass die Energiewende in eine neue Phase eintrete, die ebenso von Sicherheits- und Wettbewerbserwägungen wie von der Dekarbonisierung getrieben werde, so LSEG.
Für Investoren, die sich von grünen Aktien abgewandt haben, sei das jüngste Wachstum ein Anlass, ihre Positionierung zu überdenken – es bestehe, wie Jaakko Kooroshy, Global Head of Sustainable Investment Research bei LSEG, in einem Interview ausführt, eine gewisse Dringlichkeit, noch einmal genauer hinzusehen und die eigene Exposition neu zu bewerten.
Fusionen und Übernahmen als Treiber
Zunehmend an Bedeutung gewinnt dabei der Markt für Fusionen und Übernahmen, den LSEG als immer wichtigeren Mechanismus zur Beschleunigung des kohlenstoffarmen Umbaus beschreibt. Über das vergangene Jahrzehnt summierten sich grüne M&A-Transaktionen auf 4,1 Billionen US-Dollar, was knapp 13 Prozent des gesamten globalen Deal-Volumens entspricht. Auch im laufenden Jahr setzt sich diese Dynamik fort, angeführt von der geplanten Übernahme von Dominion Energy durch NextEra Energy für rund 67 Milliarden US-Dollar in Aktien. Entstehen würde laut Kooroshy einer der größten grünen Energiekonzerne Nordamerikas – kein reiner Green-Pure-Play, aber ein riesiges grünes Energieunternehmen. Gemeinsam kämen NextEra und Dominion auf mehr als 15,9 Milliarden US-Dollar an grünen Umsätzen aus Wind, Solar, Kernkraft und Batteriespeichern, was etwa 36 Prozent des Gesamtumsatzes der kombinierten Gesellschaft ausmachen würde.
USA: Besser als ihr ESG-Ruf
Wenngleich sich der politische Fokus in den USA hin zur heimischen Öl- und Gasförderung verschoben hat, bleiben die Vereinigten Staaten gemessen an der Marktkapitalisierung die größte Green Economy und stellen 57 Prozent des globalen Gesamtwerts. (hw/bloomberg)