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Goldman und andere spielen die Gefahr inverser Renditekurve herunter

Goldman Sachs schließt sich jenen an, die vor Panik wegen der Inversion der US-Renditekurve warnten, die sich in der Vergangenheit als Rezessionssignal erwiesen hat. Tatsächlich rentierten letzten Freitag Drei-Monats-Papiere höherer als zehnjährige US-Treasuries. Der Spread 10-2 ist aber positiv.

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© Fotolia

Der Anteil der Renditekurve, der eine Inversion aufweist, sei nicht so hoch wie in früheren Rezessionen, und der Renditerückgang bei zehnjährigen US-Treasuries könne teilweise auf Dynamiken außerhalb der USA zurückgeführt werden, schreiben Goldman-Strategen um Alessio Rizzi und Christian Mueller-Glissmann in einer Notiz, aus der Bloomberg News zitiert. Sie verwiesen zudem darauf, dass die Spreads von amerikanischen Unternehmensanleihen ebenfalls keinen Stress signalisieren.

Inversion nicht stark ausgeprägt
Während die zehnjährigen Renditen am Freitag erstmals seit 2007 unter die Drei-Monats-Sätze gefallen sind, liegen sie noch immer über der Verzinsung von zweijährigen US-Staatsanleihen. Inversion wird in den USA traditionell als Omen für eine Rezession in den nächsten 18 Monaten angesehen.

Goldman wittert nur geringes Rezessionsrisiko
Das Rezessionsrisiko sei immer noch gering trotz eines Umfelds niedrigerer Renditen und einer hohen Veränderungsrate der Volatilität, so die Goldman-Strategen. Zwar könnte das wirtschaftliche Umfeld in der Tat ungünstiger sein und das Gewinnwachstum beeinträchtigen. Jedoch „können Aktien und risikobehaftete Vermögenswerte im Allgemeinen eine positive Performance bei einer flachen Zinsstrukturkurve haben“, schrieben sie. Dies stimmt alles mit der vor einiger Zeit erfolgten Schlussfolgerung der Goldman-Strategen überein, dass Risikoanlagen "niedrige, aber positive Renditen" aufweisen werden.

Goldman steht nicht allein auf weiter Flur
Auch andere sind der Ansicht, dass die Lage nicht so schlimm sei. So erwartet unter anderem Fidelity International eine Wachstumsbelebung im weiteren Jahresverlauf. Andrea Iannelli, Investment Director in London bei dem Fondsmanager, schrieb: "Da der Pessimismus bereits stark in den Kursen eingepreist ist, bevorzugen wir eine Untergewichtung bei US-Papieren." Bei Morgan Stanleyist Stratege Matthew Hornbach der Meinung, dass die Inversion zwischen den 3-Monats-Sätzen und den zehnjährigen Renditen mindestens bis zur geldpolitischen Sitzung der Federal Reserve im Juni anhalten muss, bevor die geldpolitischen Entscheidungsträger anfangen, sich „unwohl zu fühlen. Wenn es darüber hinausgeht, könnte die Fed über notwendige Maßnahmen nachdenken, um die Dinge in Gang zu halten."

Signale der Vergangenheit waren oft falsch
Der Präsident der Chicago Fed, Charles Evans, sagte am Montag, die Renditekurven hätten in letzter Zeit „eine etwas höhere Rezessionswahrscheinlichkeit angezeigt, aber in der Vergangenheit hätten sie häufig falsche Signale ausgesendet. Und der Präsident der Boston Fed, Eric Rosengren, sagte am Dienstag, dass er "nicht annähernd so viele Informationen aus der Form der Renditekurve herausholt wie manche Leute". Jedoch sollte sie anziehen, wenn die Wirtschaft wächst, wie er erwartet. Die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen sagte am Montag in Hongkong, dass die Inversion sehr leicht passiere und als alleiniger Faktor nicht signalisiere, dass eine Rezession in den USA bevorsteht.

Eintrittswahrscheinlichkeit nicht sehr hoch
Ein einfaches Modell zeigt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA bei einem "relativ hohen Wert von 20 Prozent in den nächsten 12 Monaten", so der Devisen-Stratege der Westpac Banking Corporation, Richard Franulovich, im Bloomberg-Talk. "Ein breiteres Wahrscheinlichkeitsmodell für die Rezession, das Aktien, Unternehmensanleihe-Spreads und die ISM-Umfrage im verarbeitenden Gewerbe umfasst, weist jedoch auf ein sehr vernachlässigbares Rezessionsrisiko hin." Franulovich betonte, dass "die Dynamik an den Aktienmärkten nach wie vor viel stärker ist als in Rezessionen üblich" und "dasselbe gilt für den ISM-Index und die Unternehmensanleihe-Spreads". (kb)

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