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Goldman Sachs AM über den Paradigmenwechsel an den Märkten

Während die Finanzkrise 2008/09 zu einem "New Normal" führte, leitete die Covid 19-Pandemie "die Große Beschleunigung" ein, meint der Co-CIO des Fixed Income- und Liquidity Solutions-Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Ashish Shah, Co-CIO des Fixed Income- und Liquidity Solutions-Team bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM)
Ashish Shah, Goldman Sachs Asset Management (GSAM)
© GSAM

Investoren müssen bei ihren Allokationsüberlegungen umdenken. Denn wie die Finanzkrise ist auch die Covid-19-Pandemie ein Katalysator für Veränderung. Es gibt aber einen großen Unterschied. "Während die globale Finanzkrise vor rund zehn Jahren eine „neue Normalität“ erschuf, hat der Coronavirus-Ausbruch eher eine Zeit des rapiden Wandels eingeläutet. Willkommen bei der „großen Beschleunigung“", hält Ashish Shah, Co-CIO des Fixed Income- und Liquidity Solutions-Team bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM) in einer aktuellen Markteinschätzung fest.

Auswirkungen waren sofort zu sehen
In manchen Bereichen hat sich laut Shah der Beschleunigungseffekt der Pandemie sofort gezeigt: der plötzliche Stillstand der gesamtwirtschaftlichen Aktivität, die hastigen politischen Reaktionen weltweit und die Geschwindigkeit der Kapitalmarktbewegungen im Angesicht dieser Ereignisse. Die Pandemie wirkt jedoch in vielerlei Hinsicht beschleunigend. "Egal wo wir hinschauen, fast überall – vom Gesundheitswesen und Immobilien über die Beziehungen zwischen den USA und China bis hin zu Trends wie Technologie und sozial verantwortlichem Investieren – hat das Coronavirus bestehende Entwicklungen beschleunigt und neue angestoßen. Anleger, die Renditen erzielen möchten, müssen ebenso schnell sein", erklärt Shah.

Investoren sollten sich auf Beschleunigung konzentrieren
Als Vermögensverwalter werde GSAM heute am häufigsten die Frage gestellt, ob die Erholung an den Finanzmärkten, gemessen an den Fundamentaldaten, zu weit und zu schnell gegangen ist. Beispielsweise befindet sich die US-Wirtschaft in einer Rezession, die Arbeitslosigkeit hat fast ein Rekordhoch erreicht – und Unternehmen sehen sich mit nie da gewesenen Herausforderungen und einem unsicheren Ausblick konfrontiert. "Das sind zwar ernste Probleme, doch aus einer Investmentperspektive gesehen, halten wir es für wichtiger, uns auf die längerfristige Dynamik der großen Beschleunigung zu konzentrieren", betont Shah.

Der wichtigste Antrieb sei nach Ansicht Shahs das Ausmaß und die Geschwindigkeit der geld- und fiskalpolitischen Reaktion rund um den Globus, die sich deutlich von früheren Krisen abhebt. Die US-Notenbank (Fed) beispielsweise hat ihre Bilanzsumme in nur drei Monaten um drei Billionen US-Dollar ausgeweitet – das ist mehr als das gesamte Bruttoinlandsprodukt von Großbritannien für 2019. Zum Vergleich: Nach der globalen Finanzkrise 2008/2009 brauchte die Fed fünf Jahre, um ihre Bilanz um einen ähnlichen Betrag zu vergrößern.

Wie nach der globalen Finanzkrise zu sehen war, kann eine aggressive Fed die Renditen von Staatsanleihen lange Zeit niedrig halten. Niedrige Renditen bei Staatsanleihen veranlassen Anleger eventuell, mit der Zeit höhere Risiken in Kauf zu nehmen, wodurch die Risikoprämien fallen und über die anfängliche Erholung hinaus attraktive Renditen entstehen.

Geschwindigkeit als Merkmal
In der aktuellen Krise wurde dieser Prozess durch die aggressive Reaktion der Politik vorangetrieben. Die Geschwindigkeit ist dabei jedoch kein Problem, sondern ein Merkmal. Die Fed und andere Zentralbanken müssen Unternehmen und Verbrauchern Liquidität als Überbrückung bereitstellen, bis die Pandemiekrise vorüber ist. Je schneller und billiger diese Liquidität bereitgestellt werden kann, desto schneller und stärker wird die Erholung voraussichtlich sein.

Shah erinnert: Die Märkte sind zukunftsorientiert – Anleger erwarten und unterstützen eine bessere Zukunft. Da die Renditen von Staatsanleihen nahe null verharren, konnten US-Emittenten von Investment-Grade-Unternehmensanleihen sich mehr als ein Billion US-Dollar an Liquidität von Anlegern beschaffen, die sich nach einem höheren Renditepotenzial umschauten. Diese Liquidität ermöglicht es Unternehmen, die Krise zu überbrücken. Der Spillover-Effekt auf riskantere Anlagen wurde ebenfalls beschleunigt – wobei Aktien, Hochzinsanleihen und Schwellenländeranleihen sich alle nach ihrem anfänglichen Ausverkauf schnell wieder erholten.

Diversifikation entschärft Volatilitätsproblem
Dieses Auf und Ab wird laut Einschätzung Shahs voraussichtlich anhalten. Das mussten Anleger jüngst wieder feststellen. Steigt die Angst vor einer zweiten Welle von Coronavirus-Infektionen, fokussieren sich die Märkte eher auf die kurzfristigen Entwicklungen.

"Wer investiert ist, sollte sich auf die langfristigen Auswirkungen der geld- und fiskalpolitischen Reaktion konzentrieren – und auf die Diversifikationsvorteile eines auf hochwertige Anleihen ausgerichteten Portfolios. Angesichts der reichlichen Liquidität wird der Ausverkauf in Sektoren jedoch vermutlich nicht lange anhalten. Während der großen Beschleunigung lassen sich die Folgen für Anleger unseres Erachtens ganz einfach zusammenfassen: Nicht blinzeln, sondern fokussieren!", erklärt Shah abschließend. (aa)

 

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