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Goldman Sachs AM: Sind Anleihen noch immer ein Portfolio-Stabilisator?

In wie weit sichere Rentenpapiere trotz nicht - oder nur mehr marginal - existierender Renditen ihre Berechtigung in institutionellen Portefeuilles haben, analysiert eine hochrangige Portfolio-Strategin von Goldman Sachs Asset Management.

Julia Rees, Goldman Sachs Asset Management
Julia Rees, Goldman Sachs Asset Management
© Goldman Sachs Asset Management

Nachdem zumindest vorläufig das Schlimmste an den Aktien und auch vielen Creditmärkten vorbei ist, fragen sich institutionelle Investoren, welche Rolle Anleihen als Kernanlage zukünftig spielen werden. Die Zinsen sind tief gefallen und die Staatshaushalte durch die Ankurbelung der Volkswirtschaften stark belastet. Wie sieht es im Vergleich mit vorherigen Phasen von akutem Marktstress aus? Ist es dieses Mal anders – oder genau wie bisher? Antworten auf diese Fragen gibt Julia Rees, Head of Portfolio Strategy, EMEA und AeJ, Strategic Advisory Solutions, bei Goldman Sachs Asset Management in einer aktuellen Analyse.

Der Covid-19-Schock ist in vielerlei Hinsicht beispiellos. Aber wenn Investoren das Verhalten von Anlageklassen während vergangener Phasen von Drawdowns an den Aktienmärkten analysieren, sei zu sehen, dass Anleihen als Kernanlage (zB. Staatsanleihen und IG-Corporate Bonds, IG-Kommunalanleihen)  über viele Jahrzehnte in Krisen auffallend ähnliche Merkmale gezeigt haben. „Wir sind überzeugt, dass es dieses Mal nicht anders ist“, erklärt Rees.

Lower for Longer
Die Leitzinsen werden aller Voraussicht nach länger niedriger bleiben. Laut Prognosen wird der Status quo noch bis weit ins Jahr 2022 anhalten. Selbst wenn die Zinsen in naher Zukunft wohl nicht mehr das Niveau erreichen, das wir vor zehn oder zwanzig Jahren zuletzt gesehen haben, sei Rees dennoch der Ansicht, dass „Core“-Anleihen ihre Rolle als wichtiges strategisches Risikomanagement-Instrument innerhalb von Portfolios behalten werden, um die Auswirkungen volatilerer Vermögenswerte in Krisen auszugleichen. „Wie wir zur Überraschung mancher zeigen werden, scheint diese Eigenschaft unabhängig vom Ausgangsniveau der Zinsen zu sein“, erklärt Rees und verweist auf die erste Grafik weiter unten

In der Grafik, die Daten ab 1989 enthält, untersucht GSAM das Verhältnis zwischen den Gesamtrenditen von Anleihen während Drawdowns bei Aktien, die als Bewegung von mindestens fünf Prozent zwischen dem oberen und dem unteren Wendepunkt des S&P 500 definiert sind. GSAM analysiert mehrere Kategorien von Investment-Grade-Anleihen, wie den Bloomberg Barclays US Aggregate Bond Index, US-Staatsanleihen mit verschiedenen Laufzeiten und Hypothekenanleihen (MBS), die alle typische Komponenten einer Allokation in Kernanleihen sind, aber auch US-Hochzinsanleihen, die in die Kategorie der Satelliten-Anleihen fallen.

Verhalten von Anleihen während Drawdowns am Aktienmarkt

Von links nach rechts in der Grafik entsprechen die ersten Gruppen von vertikalen Punkten den Gesamtrenditen von Anleihen während des schlimmsten Drawdowns für S&P-Aktien in der jüngsten Geschichte – der globalen Finanzkrise von 2008. Von September 2007 bis September 2009 verlor der S&P 500 mehr als die Hälfte seines Werts (-55 Prozent), während US-Hochzinsanleihen um etwa 29 Prozent fielen. Dennoch warfen alle „Core“-Anleihen, die GSAM untersuchtet, in diesen sehr unsicheren Zeiten eine positive Rendite ab und in manchen Fällen sogar einen „sehr beruhigenden Ertrag.

Die zweite Gruppe von vertikalen Punkten stellt den Drawdown von minus 49 Prozent des S&P dar, der mit dem Platzen der Dot-Com-Blase von März 2000 bis September 2002 einherging. Auch hier können ist dasselbe Muster bei den Anleiherenditen beobachten: eine negative Performance bei Hochzinsanleihen und eine positive Performance bei „Core“-Anleihen.

Je weiter man in der Grafik nach rechts geht, desto mehr drängen sich die Daten – denn es gab häufiger mäßige Drawdowns bei Aktien. Schaut man sich jedoch die Trendlinien an, erkennt man auch hier, dass es Kernanleihen ausgezeichnet gelungen ist, sich anders als riskantere renditegenerierende Vermögenswerte wie Aktien und Hochzinsanleihen zu entwickeln und in schwierigen Zeiten eine positive Performance zu erzielen.

Schlüsselrolle trotz Niedrigstzinsen
Da Investoren sich in einem Umfeld bewegen, in dem länger niedrigere Zinsen herrschen werden, könnte man davon ausgehen, dass Kernanleihen keinen so guten Ausgleich zu Aktien und anderen Risikoanlagen mehr bieten, weil die Anleiherenditen weniger Spielraum haben, wenn wir uns auf null zu bewegen.

„Wir verstehen zwar die Auffassung, dass höhere Renditen in Phasen einer steigenden Risikoaversion einen stärkeren Puffer bieten können – doch wir sind nicht der Ansicht, dass die niedrigen Renditen von „Core“-Anleihen nicht mehr in der Lage sind, das Portfoliorisiko insgesamt zu mindern“, erklärt Rees.

Korrelation zwischen den Renditen von Aktien und Anleihen ist über längere Zeiträume negativ geblieben

 

Trotz fallender Renditen blieben die Korrelationen zwischen den Aktienrenditen und den Renditen von Investment-Grade-Anleihen, wie aus der obigen Grafik hervorgeht, negativ und der Trend geht sogar noch nach unten.

„Selbst in einem schwierigeren Marktphasen spielen Anleihen als Kernanlage weiterhin eine Schlüsselrolle in Portfolios: Sie tragen zur nachhaltigen Unterstützung der Performance genau dann bei, wenn diese am meisten benötigt wird“, sagt Rees abschließend. (aa)

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