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Goldman, Pimco sehen am Rentenmarkt irrationalen Inflationswahn

Anlagestrategen der beiden US-Häuser erläutern, warum Rentenanleger keine großen Sorgen vor zu hohen Inflationsraten haben müssen.

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© Aliaksandr Marko / stock.adobe.com

Goldman Sachs Group und Pacific Investment Management haben eine einfache Botschaft für Treasuries-Händler, die sich Sorgen machen über die Inflation: Entspannt euch. Die beiden Wall Street-Größen glauben, dass Anleihehändler, die eine jährliche Inflation von annähernd drei Prozent für die nächsten paar Jahre einpreisen, den tatsächlichen Inflationsdruck, der mit der Erholung der US-Wirtschaft von der Pandemie entsteht, überschätzen. Darüber berichtet Bloomberg.

Hinzu kommen einige technische Verzerrungen bei der Preissetzung der marktbasierten Inflationserwartungen. Goldman Sachs kommt zu dem Schluss, dass die so gepreiste Teuerung 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte zu hoch liegen könnte. Da die wichtigsten Marktindikatoren für die Inflationserwartungen für die kommenden Jahre Anfang letzter Woche auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gestiegen sind, ist dieser Unterschied bedeutsam.

Es gibt mindestens eine Marktkennzahl, die die Ansicht stützt, dass der Inflationsdruck gar nicht so sehr außer Kontrolle gerät und womöglich sogar nur vorübergehender Natur sein könnte. Ein Swap-Instrument, das die jährliche Inflationsrate für die zweite Hälfte des nächsten Jahrzehnts widerspiegelt, ist in den letzten Monaten relativ stabil geblieben, wie nachfolgende Grafik zeigt:

Genauer Blick auf die Inflation
Aus Sicht von Fed-Entscheidern und Investoren ist die Inflationsdebatte von entscheidender Bedeutung. Die Federal Reserve hat wiederholt verkündet, dass sie einen Anstieg des Preisdrucks als kurzlebig einschätzt und bereit ist, die Inflation für eine gewisse Zeit über dem Zielwert liegen zu lassen, während sich die Wirtschaft erholt. Jetzt kann sie sich bestätigt sehen - durch Branchengrößen wie Goldman und Pimco, die den Inflationsausblick als weniger dramatisch ansehen, aber auch durch Händler, die ihre Wetten auf Zinsanhebungen bis Ende 2023 inzwischen weniger aggressiv ausgestalten, trotz der zumeist robusten Wirtschaftsdaten.

“Wir sehen nicht die Art von Inflationsdruck, die die Märkte zu befürchten scheinen und hohe Wachstumsraten führen nicht zwangsläufig zu einer höheren Inflationsrate”, sagte Praveen Korapaty, Goldmans Chefzinsstratege.

Die als Breakeven-Raten bekannten Marktkennzahlen, die zum Teil von inflationsgeschützten Staatsanleihen abgeleitet werden und die Erwartungen für den jährlichen Anstieg der Verbraucherpreise darstellen, zogen in der ersten Hälfte der letzten Woche erneut an, da die Wiedereröffnung der wichtigsten Industrieländer voranschritt.

Steigende Rohstoffpreise sorgen für Unruhe
Die Inflationssorgen haben sich vor dem Hintergrund steigender Rohstoffpreise verstärkt - Kupfer zum Beispiel erreichte am Freitag ein Rekordhoch. In Washington wird derweil über ein weiteres massives Konjunkturpaket beraten.

Es ist jedoch erwähnenswert, das die zweijährigen Breakevens - die am Mittwoch bei knapp 2,9 Prozent lagen und damit so hoch wie seit zwölf Jahren nicht - deutlich über den Inflationserwartungen der Händler für die zweite Hälfte des kommenden Jahrzehnts liegen. Das zeigt, dass der Markt erwartet, dass der Preisdruck irgendwann nachlässt.

Korapatys Meinung nach sei der Markt mit seinen Inflationsannahmen zu optimistisch, wobei das größte Missverhältnis bei drei- und fünf Jahren liege. Mit rund 2,8 bzw. 2,7 Prozent liegen diese Raten seiner Schätzung nach um 20 bis 30 Basispunkte höher, als sie sein sollten, wie nachfolgende Grafik zeigt:

Zentralbank mit lockerer Geldpolitik
Die Fed hat signalisiert, dass sie mindestens bis 2023 eine extrem lockere Politik fahren will. Im August hatte sie einen neuen Ansatz gewählt, der es erlaubt, die Inflation länger über zwei Prozent zu belassen, bevor sie mit Zinsanhebungen gegenhält.

An der Wall Street sind dennoch einige besorgt wegen der Inflationsrisiken. Marko Kolanovic, Chefstratege für globale Märkte bei JPMorgan Chase & Co., warnte, dass einige Vermögensverwalter einen „Inflationsschock“ in ihren Portfolios erleben dürften.

Die Futures preisen nun den Start des Fed-Zinsanhebunszyklus für Mitte 2023 ein, früher als von offizieller Seite erwartet. Vor den enttäuschenden Arbeitsmarktzahlen vom Freitag lag dieser Zeitraum sogar noch einige Monate früher. Händler haben nun auch ihre Wetten auf weitere Zinserhöhungen bis zum Ende jenes Jahres reduziert. Sie sehen nun eine Straffung um insgesamt 65 Basispunkte bis Ende 2023, ein Rückgang um etwa einen Viertelpunkt seit dem 1. April. (aa)

 

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