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Gold und Silber: Mit der Herde ins Chaos

Die Schwäche der Edelmetalle seit Beginn des Iran-Kriegs zeigt, wie stark sie zuvor von einer überfüllten Handelsposition geprägt waren. Das Fehlen von Investoren, die in den Goldmarkt als sicheren Hafen flüchten, ist zwar besorgniserregend, doch solide Käufe der Zentralbanken wirken beruhigend.

Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär
Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär© Julius Bär

Eckpunkte:

  • Gründe für die Schwäche am Gold- und Silbermarkt: Liquidationen, überkaufte Situation, Befürchtung steigender US-Zinsen
  • Erwartungen niedrigerer US-Zinsen und eines schwächeren US-Dollars revidiert
  • Julius Bär bei Silber neutral, aber long in der Gold-Silver-Ratio

Zu Beginn der Woche herrschte Chaos auf den Gold- und Silbermärkten. Am Montagmorgen fielen die Preise um bis zu zehn Prozent. Zwar gab es keinen besonderen Grund für diese Bewegung, doch die Schwäche der Märkte seit Beginn des Iran-Kriegs lässt drei Rückschlüsse zu, findet Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär: "Erstens zeigt sie, wie überlaufen der Handel mit Gold und Silber zu Beginn des Krieges war. Zweitens scheinen Edelmetallhändler eine sehr harte Reaktion der Zentralbanken auf steigende Inflationsrisiken zu befürchten. Und drittens kam es vermutlich zu Zwangsverkäufen von gehebelten Positionen, ähnlich wie in früheren Phasen starker Risikoscheu."

Gemeinsamer Nenner
Dies sind Erwartungen niedrigerer US-Zinsen und eines schwächeren US-Dollars, die nun revidiert werden und zu Herdenverhalten führen. Die relative Schwäche von Silber gegenüber Gold untermauert dies ebenfalls, da Silber wesentlich empfindlicher auf Schwankungen der US-Zinsen und des US-Dollars reagiert.

Bislang keine Anzeichen für eine Schnäppchenjagd auf den physischen Märkten
Carsten Menke führt aus: "Unser bevorzugter Indikator – physisch gedeckte Produkte – verzeichnet seit Kriegsbeginn anhaltende Abflüsse. Diese fehlende Nachfrage nach sicheren Häfen ist besorgniserregend und erschwert die Beantwortung der Frage nach einer möglichen Preisstützung. Die physische Goldnachfrage erreichte im vierten Quartal des vergangenen Jahres ein Rekordniveau, als die Preise im Durchschnitt bei 4.150 US-Dollar pro Unze lagen. Dies entspricht in etwa dem 200-Tage-Durchschnitt, der ein wichtiges technisches Unterstützungsniveau darstellt."

Beruhigende Notenbankkäufe
Angesichts der Dominanz der Kapitalströme gegenüber den Fundamentaldaten sei es sehr wichtig, solche technischen Niveaus im Auge zu behalten, so Menke weiter. Solide Käufe durch die Zentralbanken seien nach wie vor beruhigend und untermauern die langfristig konstruktive Einschätzung von Gold des Hauses. Dennoch dürfte die kurzfristige Volatilität hoch bleiben, da der Markt Zeit brauche, um wieder Fuß zu fassen.

Bei Silber ist die Lage komplizierter
Es wird nicht so sehr als sicherer Hafen angesehen wie Gold, und der Einfluss von Spekulanten auf den Markt war bisher viel größer. Menke dazu: "Wir bleiben daher bei Silber neutral und bekräftigen zudem unsere Long-Position im Gold-Silber-Verhältnis." (kb)

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