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Globale Konjunktur startet durch und sorgt für neue Probleme

Laut Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management, ist eine zunehmende Verschiebung der Finanzmarktliquidität in Richtung Realwirtschaft die aktuell bedeutsamste Entwicklung für das globale Finanzsystem.

Beat Thoma, Fisch Asset Management
Beat Thoma, Fisch Asset Management© Fisch Asset Management
  • Verschiebungen der Liquiditätsversorgung, vor allem in den USA, haben Folgen
  • Weniger Gelder für die Börsen könnten Kurse belasten
  • Höheres BIP-Wachstum könnte zu höherer Inflation führen

Für die Finanzmärkte bleibt entscheidend, wohin die globale Liquidität fließt. „Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend in den USA. Dort verlagern sich die monetären Impulse zunehmend von der Federal Reserve hin zum US-Schatzamt. Durch die Finanzierung der stark steigenden Staatsausgaben über kurzlaufende T-Bills statt langfristiger T-Bonds werden Staatsschulden faktisch monetarisiert. T-Bills gelten als geldähnlich und ermöglichen es, die Konjunktur zu stützen, ohne das Zinsniveau deutlich nach oben zu treiben. Damit übernimmt das Treasury zunehmend geldpolitische Funktionen der Fed", hält Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management, in einer aktuellen Einschätzung fest.

Auch China dreht den Geldhahn auf
Auch China erhöht die Liquidität seit längerem massiv, um die Binnenwirtschaft und die Immobilienmärkte zu stabilisieren. Diese Mittel fließen primär in die Realwirtschaft und nur indirekt in die Finanzmärkte. Die zuletzt stark steigenden Preise für Kupfer, Gold und Silber bestätigen diese Entwicklung.

Entzieht eine boomende Realwirtschaft der Börse einen Teil der Liquidität?
Ein robustes Wirtschaftswachstum ist Thoma zufolge allerdings nicht automatisch positiv für Aktienkurse – im Gegenteil: Eine sich beschleunigende Konjunktur benötigt zusätzliche Liquidität und verstärkt damit den Abfluss aus den Finanzmärkten weiter. Es droht eine selbstverstärkende Rückkoppelung.

"In der Folge nimmt das Momentum der Finanzmarktliquidität global ab. Dies kann mittelfristig zu Gegenwind für Aktien führen. Schwächelnde Magnificient7- und auch Bitcoin-Kurse bestätigen aktuell diesen Liquiditätsabfluss", glaubt Thoma zu beobachten.

Erneut höhere Inflationsraten voraus?
Für die Positionierung bedeutet dies Thoma zufolge: Steigendes Wachstum und höhere Rohstoffpreise erhöhen den Inflationsdruck und sorgen für Aufwärtsdruck bei langfristigen Staatsanleihenrenditen.

Corporate und Convertible Bonds empfehlenswert
"Eine neutrale bis leicht tiefere Duration erscheint daher sinnvoll. Unternehmensanleihen profitieren weiterhin von der soliden globalen Konjunktur, während hohe Bewertungen und Liquiditätsabflüsse das direkte Aktien-Exposure anfälliger machen. Hier bieten sich Wandelanleihen als Alternative an", empfiehlt Thoma abschließen. (aa)

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