Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Gibt der Brexit den Investmentbanken den Todesstoß?

Der Ausstieg von UK und damit Londons aus der EU könnte insbesondere den dort domizilierten Investmentbanken nach Jahren mauer Geschäfte den endgültigen Todesstoß versetzen. Nicht umsonst rasseln deren Aktienkurse in den Keller. Vor allem Barclays stehen schwere Zeiten bevor.

Investmentbanken, die aus London heraus operieren, stehen mehr als schwierige Zeiten bevor. Während einige Handelsabteilungen die anfänglichen Turbulenzen für Gewinne nutzen konnte, würde eine über Monate anhaltende Volatilität an den Märkten die Handelsgewinne der Institute bedrohen. Zudem drohen den Unternehmen, die Banken mit der Beratung bei Übernahmen und Kapitalmaßnahmen beauftragen, Jahre der Unsicherheit, während Großbritannien seine neue Beziehung mit der EU aushandelt. Über diese Entwicklung berichtet Bloomberg.

Einnahmen vor Absturz?
Zahlreiche Analysten auf beiden Seiten des Atlantiks haben ihre Prognosen für die Gewinne bei den größten Investmentbanken gesenkt. Sie gehen davon aus, dass die wirtschaftliche und politische Unsicherheit sowie starke Schwankungen an den Devisenmärkten Aktien- und Anleiheplatzierungen sowie größere Übernahmen bremsen werden. Die Einnahmen aus diesem Geschäft dürften "abstürzen" und in diesem Jahr bei europäischen Banken um 30 Prozent niedriger ausfallen, schrieb Analyst Chirantan Barua von Sanford C. Bernstein. Analysten bei Citigroup und JPMorgan Chase & Co. rechnen mit geringeren Volumina im Konsortialgeschäft in Großbritannien und Europa.

"Angesichts dieser Unsicherheit werden eine Reihe von Platzierungen im Aktien- und Anleihebereich auf Eis gelegt werden", sagte Analyst Joseph Dickerson von Jefferies International in London.

Aktionäre nehmen Reißaus, Shortseller wittern eine gute Gelegenheit
Bankaktien weiteten am Montag ihre Verluste aus, belastet von der Aussicht auf niedrigere Gewinne. Barclays, deren Investmentbank sich bereits seit knapp einem Jahrzehnt in der Umstrukturierung befindet, sackte in London bis zu 11,5 Prozent ab, nach einem Kurseinbruch um 18 Prozent am Freitag. Die Aktie wurde bei mindestens vier Brokern herabgestuft, Citigroup bewertet die Titel jetzt mit "Verkaufen". Für die Deutsche Bank ging es in Frankfurt um die acht Prozent abwärts. Am Freitag war der Kurs um 14 Prozent eingebrochen. Auch US-Banken wurden in Mitleidenschaft gezogen, so büßten Morgan Stanley am Freitag zehn Prozent ein.

Hohe Kosten voraus
"Die künftige Struktur, Profitabilität und sogar die Existenz der Investmentbank bei Barclays steht in Frage", schrieb Dickerson am Montag in einer Mitteilung an Kunden. "Wir erwarten teure Auswirkungen des Abstimmungsergebnisses auf die Investmentbank, nicht nur aufgrund geringerer Erträge an den Anleihekapitalmärkten, sondern auch durch die Verstärkung von Tochtergesellschaften in EU-Städten wie Frankfurt und Dublin."

Schon vor dem Brexit-Votum sah es für die Investmentbanken nicht besonders gut aus. Weltweit haben Banken Personal abgebaut und sich aus manchen Bereichen im Investmentbanking zurückgezogen, nachdem die Erträge einbrachen und neue Vorschriften höhere Kapitalpflichten für die Bereiche brachten. Die Erträge aus dem Handel mit Festverzinslichen bei den größten Banken weltweit sind über die vergangenen fünf Jahre um 36 Prozent eingebrochen, wie Daten von Coalition Development zeigen. 

Volatile Märkte machen es den Banken schwerer, Anleihe- und Aktienplatzierungen zu arrangieren. Das betrifft nicht nur die Märkte in Europa: Der japanische Internetdienstleister Line verschob am Montag die Festlegung der Zeichnungsspanne für seinen Börsengang in Tokio und New York um einen Tag, nachdem die britische Abstimmung für einen EU-Ausstieg die Märkte weltweit erschüttert hatte.

Ohne Marktzugang zur EU verliert London an Bedeutung
Besonders betroffen sein könnten Banken, die aus dem Londoner Finanzbezirk heraus operieren, falls Großbritannien das Recht auf eine EU-weite Zulassung verliert, mit der Banken mit Sitz in Großbritannien ihre Produkte und Dienstleistungen in der gesamten EU anbieten können. Einige internationale Banken, darunter Morgan Stanley und JPMorgan, haben bereits signalisiert, dass sie Tausende von Stellen an andere Standorte in Europa verlagern würden, um die Unsicherheit zu vermeiden.

Das könnte die Position Londons als dem wichtigsten Handelszentrum für Devisen in Europa in Frage stellen, warnen Analysten der UBS. Banken wie Barclays und Deutsche Bank, deren Betriebsstätten in London "übergroß" seien und die eine Rolle beim Handel mit Euro spielten, dürften am stärksten getroffen werden, so die Analysten. (aa)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren