Geht die Türkei zwecks Lira-Stützung an ihre Goldreserven?
Die türkische Zentralbank bereitet ein erweitertes Instrumentarium zur Stützung der Lira vor, um die Volatilität im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg zu bekämpfen. Dies schlösse laut informierten Kreisen auch den möglichen Zugriff auf ihre umfangreichen Goldreserven ein, berichtet Bloomberg News.

Eckpunkte:
- Iran-Krise legt die Verwundbarkeit der Türkei und ihrer Währung offen
- Zentralbank überlegt Gold-Währungs-Swap via London
- Bis dato wurden vor allem US-Staatsanleihen verkauft
Die Türkische Zentralbank habe Gespräche über Gold-Währungsswap-Transaktionen am Londoner Markt geführt, so die Bloomberg-Informanten, die aufgrund der Vertraulichkeit der Beratungen anonym bleiben möchten.
Gold-Währungsswap angedacht
Die Türkei gehörte im vergangenen Jahrzehnt zu den weltweit aktivsten Goldkäufern, da die Führung des Landes bestrebt war, ihr Engagement in US-Dollar-denominierten Vermögenswerten zu reduzieren. Die Währungsbehörde verfügte Anfang März über Goldreserven im Gegenwert von rund 135 Milliarden US-Dollar, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.
Üppige Goldreserven der türkischen Zentralbank
Der Wert der Goldreserven belief sich Anfang März auf 135 Milliarden US-Dollar

Laut einem Bericht des J.P. Morgan Chase & Co.-Ökonomen Fatih Akcelik vom Dienstag hält die Türkei schätzungsweise 30 Milliarden US-Dollar dieser Reserven bei der Bank of England. Die türkische Zentralbank könnte diese Reserven „ohne logistische Einschränkungen für Devisenmarktinterventionen nutzen“.
Die Türkei ist besonders anfällig für Inflationsschocks und Zahlungsbilanzprobleme
Sollte sich der Krieg im Iran verlängern, würde sich genau dieses Bild ergeben, da die Türkei fast ihr gesamtes Öl und Gas importieren muss. Die Behörden haben bereits Schwierigkeiten, die Inflationsrate einzudämmen, die im Februar zuletzt 31,5 Prozent erreichte – eine der höchsten weltweit.
Disinflationsstrategie der Zentralbank
Diese beruhte primär auf der Aufrechterhaltung einer sogenannten „realen“ Lira-Aufwertung – das heißt, die Währung darf nicht schneller abwerten als die monatliche Inflation. Starke Reservenabflüsse und steigende Importkosten in den Wochen seit Kriegsbeginn haben diese Politik der stabilen Lira deutlich verteuert.
Krisenreaktion
Die türkischen Entscheidungsträger haben bisher auf die Krise im Nahen Osten – die die Ölpreise von rund 70 auf über 100 US-Dollar pro Barrel getrieben hat – mit einer Verschärfung der Liquiditätspolitik, der Verteuerung von Lira-Finanzierungen und Interventionen staatlicher Kreditgeber am Devisenmarkt reagiert.
US-Treasuries massiv abgebaut
Die Zentralbank hat unterdessen ihre Bestände an Fremdwährungsanleihen, darunter US-Staatsanleihen, abgestoßen. Schätzungen von mit den Transaktionen vertrauten Personen zufolge verkauften die Entscheidungsträger in den vergangenen Wochen solche Anleihen im Wert von rund 16 Milliarden US-Dollar. Ende Januar hielt die Türkei weniger als 17 Milliarden US-Dollar an US-Staatsanleihen, verglichen mit einem Höchststand von 82 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015.
Ausländische Investoren wiederum haben ihre Bestände an türkischen Staatsanleihen abgestoßen und in der Woche bis zum 13. März so schnell wie nie zuvor verkauft, wie aus am Montag veröffentlichten Daten der Zentralbank hervorgeht.
Auch auf der Straße sind erste Anzeichen von Spannungen zu beobachten
Händler auf dem Großen Basar in Istanbul verkauften diese Woche Dollar mit einem Aufschlag auf den Interbankenkurs, was auf eine gestiegene lokale Nachfrage nach Devisen hindeutet.
Durcheinandergewirbelte Zinserwartungen
Die Turbulenzen haben die Zinserwartungen in der Türkei wie auch anderswo durcheinandergebracht. Händler rechnen nun mit einer Erhöhung um 100 Basispunkte für den nächsten Monat. Der türkische Leitzins liegt bei 37 Prozent, doch die Zentralbank setzte ihre Refinanzierung zu diesem Zinssatz Anfang März aus und nutzt stattdessen eine teurere Refinanzierungsfazilität mit einem Zinssatz von 40 Prozent.
Die Lira notierte am Dienstag um 13:30 Uhr in Istanbul 0,1 Prozent schwächer bei 44,35 Lira pro Dollar. Sie verzeichnete in diesem Jahr einen durchschnittlichen täglichen Rückgang von etwa 0,05 Prozent. (kb)