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GAM-Investoren steigen aus, Shorties ein: Wie schlimm kann es kommen?

Seit die Schweizer Investmentfirma vor sechs Wochen einen ihrer Top-Vermögensverwalter wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens suspendiert und mehr als sieben Milliarden US-Dollar an Geldern eingefroren hat, haben die Kunden drei Milliarden US-Dollar aus unverbundenen Portfolios abgezogen.

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Tim Haywood: Sein Verhalten war Stein des Anstoßes.
© GAM Group

Die Bemühungen um Schadensbegrenzung bei der GAM Holding haben dem Vermögensverwalter bisher nicht die erhoffte Wende gebracht, denn der Aktienkurs ist um 41 Prozent eingebrochen. Zwar haben CEO Alex Friedman und der Leiter Investments Matthew Beesley mit den größten Kunden telefoniert, um diese zu beruhigen. Aber sie geben privat nicht mehr preis, als öffentlich gesagt wurde, wie eine Person mit direkter Kenntnis des Unternehmens Bloomberg gegenüber berichtete.

Baldige Übernahme von GAM?
Es ist genau dieses Mysterium um die Ereignisse, die zur Suspendierung von Tim Haywood am 31. Juli 2018 geführt haben, das der Reputation von GAM ernsthaft schaden könnten, sagen sechs von Bloomberg befragte Investoren, Banker und Analysten. Investmentbanker sind bereits für den Fall eines möglichen Verkaufs von GAM auf der Suche nach möglichen Käufer, sagen vier der Personen. "GAM muss das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen", sagte David Hart, ein Analyst bei Kepler Cheuvreux in Zürich. "Dies ist keine kurzfristige Lösung - es kann Monate oder Jahre dauern. Es ist eine schwierige Situation."

Wie viele Assets könnten noch abgezogen werden?
Zwischen den Mittelabflüssen der Kunden und den geplanten Liquidationen einiger Haywood-Fonds wurden bereits rund zehn Milliarden US-Dollar von 165 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten des Fondsmanagers vernichtet. Die Abflüsse könnten im zweiten Halbjahr 15 Milliarden Schweizer Franken erreichen, nach Schätzungen von Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel Holding, der eine frühere Schätzung fast verdoppelte.

Investoren fliehen
Am Aktienmarkt wimmelt es auch von Skeptikern. Leerverkäufer, die gegen die Aktien wetten, weil sie weitere Rückgänge erwarten, hielten zum 10. September nach Angaben von IHS Markit 4,5 Prozent der ausstehenden GAM-Aktien. Zum Vergleich: Ende Juli waren es lediglich 0,3 Prozent. Die GAM-Aktie hat in diesem Jahr bereits mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Was wirft man Haywood konkret vor?
In einem 32-Punkte-umfassenden Q&A, die diese Woche auf der GAM-Website veröffentlicht wurde, gab es nur wenige Hinweise darauf, was Haywood falsch gemacht hat. Es hieß, dass er gegen die "Geschenk- und Unterhaltungrichtlinien" verstoßen habe und eine Regel umgangen habe, die zwei Unterschriften erfordert. GAM sagte, die Gesellschaft habe bereits im letzten November begonnen, bei Haywood nachzuforschen.

Verdächtige Käufe mit Gupta-Connection
Laut den mit dem Unternehmen vertrauten Personen hatte GAMs Untersuchung etwas mit Investments zu tun, die Haywood in nicht-notierten Wertpapieren getätigt hat, die mit dem britisch-indischem Geschäftsmann Sanjeev Gupta verbunden sind. Aber GAM hat nicht näher ausgeführt, was genau Haywood getan hat.

Ist nun Friedman auf der Abschussliste?
Einige Aktionäre, die enttäuscht darüber waren, wie das Managementteam in der Krise kommunizierte, haben durchblicken lassen, dass die Firma CEO Friedman ersetzen sollte, sagte ein Investor, der unter der Zusicherung von Anonymität sprach.

Banker umkreisen geierähnlich GAM
Während für GAM noch kein formeller Verkaufsprozess begonnen hat, testen Banker bereits den Appetit der Käufer bei amerikanischen und europäischen Vermögensverwaltern, falls sich GAM für eine Transaktion entscheidet, sagten vier Personen. Andere hingegen sagten, die Turbulenzen rund um Haywoods Gelder seien eingedämmt worden. Während einige Kunden aus eigenen Compliance-Gründen sofort aus anderen GAM-Fonds ausgestiegen sind, haben die Abflüsse inzwischen aufgehört, sagte eine Person, die hinzufügte, dass Friedman immer noch viel Unterstützung bei den Mitarbeitern genießt.

Liquidation der Haywood-Fonds macht Fortschritte
GAM hat die Abflüsse auch heruntergespielt und zuvor gesagt, dass sie die schwierigen Marktbedingungen widerspiegelten, die viele Vermögensverwalter betrafen, die in diesem Jahr mit Abflüssen konfrontiert waren. In der Q&A der Website, die ebenfalls per E-Mail an die Mitarbeiter versandt wurde, erläuterte GAM ausführlich, wie sie Haywood-Fonds auflösen will und wie sie interne Prozeduren gestärkt habe. GAM erwartet, einen internen Disziplinarprozess "schnell" abzuschließen, und geht davon aus, den Anlegern in Haywoods Fonds eine Bartranche zu zahlen, die ihnen bis Ende September zusteht. (kb)

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