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Für Peter E. Huber ist die Zeit der Value-Jäger und Sammler gekommen

Unterschiedlicher hätte die Kursentwicklung vieler Aktien in den letzten zehn Jahren nicht sein können. Während Wachstums- und Qualitätspapiere massiv an Wert gewannen, kamen Value-Aktien deutlich unter Druck. Nun ist es an der Zeit, Value-Titel zu Ausverkaufspreisen einzusammeln.

Peter E. Huber
Peter E. Huber
© José Poblete / FONDS professionell

Auf ein gutes Beispiel am Schweizer Aktienmarkt hat die Finanz & Wirtschaft am 15. Februar hingewiesen. Während Nestlé seit Anfang 2010 fast 200 Prozent zulegen konnte (inklusive  Dividenden), verbuchte Credit Suisse einen Verlust von 61 Prozent. Die Schlussfolgerung des Autors: „Aus unserer Sicht gibt es wenige Gründe dafür, warum sich diese Entwicklung in der laufenden Dekade umkehren sollte“.

Indexierte Wertentwicklung von Nestlé und Credit Suisse inkl. Dividenden in Franken

Vergessen oder verdrängt werde dabei offensichtlich, so der im Unruhestand befindliche Peter E. Huber, dass die Aktie von Credit Suisse bis zum Beginn der Finanzkrise 2007 zum Besten und Feinsten gehörte, was die Schweizer Börse zu bieten hatte. Und dass viele Bankiers die Aktien von UBS und Credit Suisse mit leuchtenden Augen wärmstens zur langfristigen Anlage empfohlen haben. Aber so ist es eben an der Börse. Was gestern noch Qualität war ist heute Ramsch – und umgekehrt. Apropos Ramsch: Credit Suisse wurde unter dem scheidenden CEO Tidjane Thiam umfassend restrukturiert und hat für 2019 einen Gewinn von 3,4 Milliarden Franken ausgewiesen. Die Bank steht also nicht kurz vor der Pleite, wie die Aktienkursentwicklung vermuten lassen würde.

Value-Comeback ante portas
"Wir haben im August letzten Jahres auf ein Comeback der Value-Aktien hingewiesen. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Vielmehr haben sich entsprechende Erholungsbewegungen als Fehlstart erwiesen. Gerade deshalb ist jetzt die Zeit für Jäger und Sammler gekommen. Die nochmalige Schwäche der Substanzwerte bietet eine wunderbare Gelegenheit, den einen oder anderen preiswerten Titel günstig ins Depot zu nehmen", sagt Peter E. Huber. Denn auf lange Sicht sei eine Value-Strategie allen anderen weit überlegen. Und dafür gebe es mit dem mean-reversion-Effekt auch eine fundierte wissenschaftliche Begründung. Huber: "Erfüllt ein hochbewerteter Börsenfavorit die in ihn gesetzten Wachstumserwartungen nicht mehr, zum Beispiel weil sich immer mehr Konkurrenten in diesem lukrativen Markt tummeln, wird er zweifach abgestraft. Es sinken nicht nur die Gewinnzuwächse sondern auch die Bewertung (Kurs/Gewinn-Verhältnis). Umgekehrtes gilt natürlich auch für solche Unternehmen, denen keine großen Wachstumschancen mehr eingeräumt werden."

Value-Aktien schlagen Growth-Aktien langfristig deutlich  

*HML Portfolio bezeichnet die relative Wertentwicklung von Value-Aktien zu Growth-Aktien in den USA 

Quelle: StarCapital Research

Mehr als zehnjährige Durststrecke für Value
Das ist ein ungewöhnlich langer Zeitraum, weswegen diese Anlageform von vielen Experten für tot erklärt wird. Die lange Underperformance hat auch durchaus ihre Gründe. Peter E. Huber dazu: "Nach zwei verheerenden Börsenkrisen seit der Jahrhundertwende sind die Anleger extrem sicherheitsorientiert. Sie lassen deshalb die Finger von den oft zyklischen und konjunktursensiblen Aktien. Auch die wirtschaftlichen Wachstumsraten haben sich deutlich abgeschwächt, weswegen man verstärkt auf Unternehmen konzentriert, die noch solide Gewinnzuwächse generieren. Und nicht zuletzt ist der Performancedruck in unserer schnelllebigen Zeit immer größer geworden. Kein Vermögensverwalter oder Fondsmanager kann es sich mehr erlauben, längere Zeit auf Nachzügler zu setzen. So konzentriert sich die Hammelherde immer stärker auf relativ wenige Hoffnungsträger wie die FAANG-Aktien, die in den Börsenindices ständig mehr Gewicht erhalten und in den ETFs entsprechend stark vertreten sind." 

Wann ein Favoritenwechsel einsetzen wird, ist nicht prognostizierbar
Vielmehr bedarf es für eine antizyklische Investitionsstrategie Geduld und Disziplin. Nach Börsenaltmeister Kostolany sind dies die zwei Haupttugenden eines erfolgreichen Investors. Und eine langfristige Perspektive, denn nur die ergibt Sinn. "Dass es aber einen solchen Favoritenwechsel geben wird, ist für mich so sicher wie das Amen in der Kirche. Und deshalb würde ich auf Sicht der nächsten zehn Jahre heute eher Credit Suisse als Nestlé kaufen", bilanziert Huber.

Corona bringt Chancen, günstig Value-Titel aufzustocken
So schmerzlich es für die Betroffenen auch ist: Der Corona-Virus bietet Anlegern, die angesichts der historischen Niedrigzinsen in Aktien unterinvestiert sind, nochmals die Chance, ihre Bestände an Dividendenpapieren zu guten Einstiegskursen schrittweise aufzustocken. "Entgegen der allgemeinen Gefühlslage sind Käufe in einer Panik weit weniger riskant als Käufe in einer Euphorie, saht Huber. Aus antizyklischer Sicht sollte man sich mal die Branchenvertreter aus den Bereichen Energie, Auto + Zulieferer, Banken und Chemie ansehen. Diese erfüllten die drei U’s für antizyklische Engagements in nahezu idealer Weise: Sie seien unbeliebt, untergewichtet und unterbewertet.

Lassen Sie sich nicht von Äußerungen ins Bockshorn jagen, Aktien seien hoch bewertet
Das Kursniveau deutscher Aktien (gemessen am KDAX als um Dividenden bereinigter Preisindex) liegt unter dem Niveau des Jahres 2000. Die Unternehmensgewinne der DAX-Vertreter haben sich dagegen in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. "Im Klartext: Deutsche Aktien sind heute weniger als halb so teuer. Und dies, obwohl die Zinsen deutlich niedriger sind", so Hubers Résumé. 

Gewinnentwicklung der DAX 30 Unternehmen seit 2000
Unternehmen konnten Gewinne mehr als verdoppeln, während der Kursindex stagnierte

Quelle: Thomson Reuters Datastream, IBES, StarCapital per 31.12.2019
 

 

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