Fünf Gründe, warum die aktuelle Marktkorrektur gesund ist
Die Lage in den USA ist angespannter, als es der moderate Rückgang des S&P 500 vermuten lässt. Hinter diesem kleinen Minus verbergen sich seit Jahresbeginn deutliche Verluste in beliebten Marktsegmenten wie Software-Giganten und den Magnificent Seven, aber auch Gewinne bei Small Caps und Value.

Eckpunkte:
- Rotation weg von Tech, dafür hin zu Small Caps und Value
- Steigende Marktbreite, unterstützt von besseren Fundamentals
- Beim S&P 500 ist mit erhöhter Volatilität zu rechnen
"Wir betrachten die Korrektur im Technologiesektor als gesund, aber noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig erwarten wir, dass Small-Cap- und Value-Aktien weiterhin an Bedeutung für Anleger gewinnen. Fünf Faktoren unterstreichen, warum diese Positionierung nach wie vor überzeugend ist", sagen Stephen Auth, CIO Equities, Steven Chiavarone, Head of Multi-Asset Group, sowie Damian McIntyre, Head of Multi-Asset Solutions Team, alle Federated Hermes, unisono.
Hyperscaler unter Druck: KI-Investitionen verschlingen den Free Cashflow
Die einst so attraktiven Asset-Light-Modelle der Hyperscaler geraten ins Wanken: Hohe Margen, moderate Kapitalintensität und starker Free Cashflow gehören zunehmend der Vergangenheit an. Allein 2025 flossen 400 Milliarden US-Dollar der „Magnificent Seven“ in den Aufbau von KI-Infrastruktur – fast ihr gesamter freier Cashflow – und für 2026 steigen die Investitionsprognosen auf über 600 Milliarden US-Dollar. Angesichts dieser Dynamik schichten Investoren ihr Kapital zunehmend in aufstrebende Bereiche mit KI-Engpässen, etwa Speicher- und Halbleiterunternehmen.
Software im Spannungsfeld: Anpassung unter Unsicherheit
Der Software-Sektor sieht sich erheblichem Gegenwind ausgesetzt. Viele Unternehmen müssen noch überschüssige Lizenzen aus der Pandemie abbauen, während KI zunehmend das traditionelle lizenzbasierte Modell infrage stellt und bisherige Softwarefunktionen automatisiert. Die größten SaaS-Plattformen verfügen weiterhin über Vorteile wie eine breite installierte Basis, tief eingebettete Workflows und hohe Wechselkosten, dennoch wird der Übergang chaotisch verlaufen. Anleger reagieren vorsichtig, Wertbildung setzt nur langsam ein, und klare Anzeichen für eine Stabilisierung sind noch nicht erkennbar.
Breitere Marktbasis durch verbesserte Fundamentaldaten
Der Markt gewinnt an Breite, da sich die Fundamentaldaten außerhalb des Technologiesektors verbessern. Die Rotation vom Jahresanfang wird nicht nur durch Unsicherheit um die Mag 7 angetrieben, sondern spiegelt auch eine echte wirtschaftliche Verbesserung wider. Das BIP-Wachstum lag in den letzten drei Quartalen bei durchschnittlich vier Prozent, und die Prognosen steigen weiter dank Steuersenkungen, höher als erwarteter Steuerrückzahlungen und einer lockeren Geldpolitik der Fed. Erste Ergebnisse der Berichtssaison zeigen ein Umsatzwachstum von 8,5 Prozent und einen Gewinnanstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr im Laufe der Saison steigen. Das sei ein positives Signal für den Marktausblick, ist man sich bei Federated Hermes sicher.
Value-Aktien: Fundamentaldaten und Bewertung
Viele zuvor vernachlässigte Value-Aktien weisen verbesserte Fundamentaldaten auf und sind günstig bewertet. Dieser Sektor umfasst zyklische Werte wie Banken, Energie, Industrie und Rohstoffe sowie defensive Dividendenzahler wie Versorger, Basiskonsumgüter und Pharma. Zyklische Segmente profitieren vom BIP-Wachstum, zusätzlichen Konjunkturmaßnahmen und dem Ausbau der KI-Infrastruktur, während defensive Bereiche durch niedrigere Zinsen und höhere Volatilität gestärkt werden. Angesichts attraktiver Bewertungen bieten beide Anlageklassen Chancen auf Outperformance und stellen eine willkommene Alternative zur Volatilität im Technologiesektor dar.
“Goldilocks“ am Horizont
Es zeichnet sich ein ungewöhnliches makroökonomisches Umfeld ab, in dem eine lockere Geldpolitik mit steigenden Unternehmensgewinnen einhergeht – historisch eine günstige Kombination für Aktien. KI-getriebene Produktivitätsgewinne sorgen für eine Abschwächung des Arbeitsmarktes, wodurch der Lohndruck sinkt, ohne die Konjunktur zu belasten. Die Leitzinsen liegen deutlich über der Kerninflation, was der Fed Spielraum für Lockerungen gibt; im Laufe des Jahres 2026 werden voraussichtlich zwei bis drei Zinssenkungen erwartet. Gleichzeitig steigen die Gewinnschätzungen für 2026 bis 2028 weiter. Dieses Szenario könnte 2026 eine seltene „Goldilocks“-Konstellation bieten – genau die Bedingungen, die historisch Small Caps, zyklische Werte, Schwellenländer und Value-Aktien begünstigen.
Angesichts dieser Faktoren sei davon auszugehen, so Auth, dass der S&P 500 in eine Phase erhöhter Volatilität eintreten werde. Anleger zögen weiterhin Kapital aus den Mega-Cap-Titeln, die 34 Prozent des Index ausmachten, ab und investierten stattdessen in den übrigen Markt, der nach wie vor weitgehend unterbewertet sei.
Ein wichtiges Risiko, das man bei Federated Hermes beobachtet
Ein Risiko für die positive Einschätzung der laufenden Korrektur liege in den Märkten für Unternehmensanleihen, vor allem im Technologiesektor. Die Verluste von Bitcoin und die deutlichen Einbrüche bei Software-Titeln könnten ein Kreditereignis mit gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen auslösen, meinen die drei Experten.
Die Unternehmensanleihenmärkte bleiben bislang liquide
Trotz steigender Risikokennzahlen gibt es keine Anzeichen dafür, dass ein zentraler Akteur in ernsthafte Schwierigkeiten geraten ist. Auth dazu: "Wir beobachten Kreditspreads und CDS-Märkte sorgfältig, um Anzeichen von Stress oder Ansteckung frühzeitig zu erkennen. Derzeit ist der Druck eher lokalisiert, doch angesichts der starken Spekulationswelle 2025 bleibt das Risiko relevant." (kb)