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Floater haben attraktives Risk/Rendite-Profil an der Zinsuntergrenze

Im Zuge der COVID-19-Pandemie haben die Zentralbanken weltweit schnell reagiert, um den Druck aus den Finanzmärkten zu nehmen, indem sie – wenn möglich – Zinsen gesenkt und große Mengen an Liquidität in das Finanzsystem gepumpt haben.

Christel Rendu de Lint, Head of Global Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP)
Christel Rendu de Lint, Head of Global Fixed Income bei Union Bancaire  Privée (UBP)
© Union Bancaire Privée (UBP)

Mit dem Rückgang der kurzfristigen Zinsen sanken auch die Mittel- und Langfristzinsen. Heute bleiben die Zinsen über alle Laufzeiten hinweg weiterhin außergewöhnlich niedrig und in einigen Ländern sind sie sogar negativ.

Klassische IG-Anleihen mit zwei Renditekomponenten
Standard-Anleihen des Investment-Grade-Segments, also solche mit festem Kupon, haben zwei Renditekomponenten. Zum einen ist es die Prämie für das Zinsänderungsrisiko, die sich nach der aktuellen Verzinsung von Staatsanleihen richtet. Dabei hat das anleihebegebende Unternehmen keinerlei Einfluss auf dieses Zinsniveau, da es von der lokalen Geldpolitik der Zentralbank, der Fiskalpolitik, den Inflationserwartungen u.a.m. abhängt. Die zweite Renditekomponente ist die Prämie für das Bonitätsrisiko, das sich nach dem Credit Spread des jeweiligen Unternehmens richtet. Auf diesen Credit Spread hat das Unternehmen insofern Einfluss, als dieser in der Regel umso geringer ausfällt, je solider die Bilanz, die Ertragslage und das Wachstumspotenzial des Unternehmens sind. Da aktuell die effektive Zinsuntergrenze erreicht ist, erhalten Anleger in Standard-Unternehmensanleihen nur eine geringe oder gar negative Vergütung für das eingegangene Zinsrisiko, sodass als alleinige Renditekomponente der Anleihe praktisch nur die Bonitätsrisikoprämie bleibt.

Zinsänderungsrisiko bei Floatern praktisch null
Floating Rate Notes (FRNs) sind Anleihen mit variabler Verzinsung. Der Zins wird regelmäßig, in der Regel vierteljährlich, auf der Grundlage eines vorab bestimmten Referenzzinssatzes, aktuell des Libor, neu festgelegt. Die Verzinsung der FRNs steigt, wenn der Referenzzins steigt, und umgekehrt. Angesichts der regelmäßigen Zinsanpassung ist das Zinsänderungsrisiko bei diesen Anleihen praktisch null. FRNs werden von Staaten, Behörden und auch Unternehmen begeben.

Warum sind FRNs gerade heute attraktiv?
Christel Rendu de Lint, Head of Global Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP), führt aus: "Zum einen liegt das Zinsniveau derzeit an der effektiven Zinsuntergrenze, und die Zentralbanken haben klar zu verstehen gegeben, dass sie keine weiteren Senkungen vornehmen möchten, sondern lieber mit anderen geldpolitischen Maßnahmen wie quantitativer Lockerung Impulse setzen wollen, um die Märkte anzukurbeln und Verwerfungen zu verhindern. Zum anderen könnte der nächste signifikante Zinsschritt sogar eine Anhebung sein, wofür viele Gründe denkbar sind, z. B. ein Überangebot an Anleihen, bedingt durch die aktuellen Konjunkturprogramme oder ein Ende der seit einigen Monaten beobachteten umfangreichen Käufe sicherer Staatsanleihen zum Zweck der Marktstabilisierung, besonders wenn ein wirksamer COVID-Impfstoff gefunden wird. Die Zinsanhebungen würden zu Kapitalverlusten bei Anleihen mit festem Kupon führen, hätten jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf FRNs."

Inflation als mögliches Tail Risk für klassische Anleihebesitzer
Wenngleich es diese Situation seit längerer Zeit nicht mehr gab, würde ein Anstieg der Inflation über das tolerierte Niveau die Zentralbanken wahrscheinlich dazu zwingen, die Zinsen früher als erwartet wieder anzuheben. "Tatsächlich eingepreist hat der Markt derzeit beispielsweise die Erwartung, dass die Fed die Zinszügel nicht vor Mitte 2024 und die EZB erst Ende 2025 wieder anzieht. Sollten sich die Währungshüter zu einer Zinserhöhung gezwungen sehen, um starken inflationären Tendenzen gegenzusteuern, würde auch der variable Kupon von FRNs steigen, wovon Anleger in diese Anlageklasse profitieren würden", weiß Christel Rendu de Lint.

Mittelfristig attraktive Floater
Aus Sicht von Union Bancaire Privée sind FRNs mittelfristig für viele Anlegertypen attraktiv. Anleger, die ihre Risiken bei Anleihen-Investitionen nur auf das Bonitätsrisiko beschränken möchten, können dies am effizientesten über FRNs erreichen. Anleger mit bestehendem Investment Grade-Engagement können durch Ergänzung ihres Portfolios um Investment Grade-FRNs das Zinsrisiko des Portfolios insgesamt senken, aber weiterhin von der Bonitätsrisikoprämie profitieren. Sie würden damit also ihr Risiko/Rendite-Profil optimieren, da das Zinsniveau an der effektiven Untergrenze liegt und voraussichtlich nicht mehr weiter sinken wird, die Zentralbanken jedoch weiterhin die Anleihemärkte unterstützten werden.

Viele Vorteile im gegenwärtigen Umfeld
Rendu de Lint fasst zusammen: "Für Investoren, die befürchten, dass ein unerwarteter und anhaltender Inflationsanstieg früher als derzeit erwartet zu Zinserhöhungen durch die Währungshüter führen könnte, sind FRNs insofern eine attraktive Lösung, als Leitzinserhöhungen mit der nächsten Kuponanpassung der FRN ausgeglichen würden. Zum Schluss sind FRNs auch für risikoaverse Anleger attraktiv, da die FRNs angesichts der derzeit weltweit extrem niedrigen Zinsen eine etwas höhere Rendite als Cash-Instrumente bieten, und dies bei begrenztem Bonitätsrisiko und ohne Zinsrisiko." (kb)

 

 

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