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Fisch-CIO Beat Thoma über die aktuelle Situation

Ein "günstiges Finanzmarkt-Umfeld konfrontiert mit einem unberechenbarem Spielverderber" ortet Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management, in seiner neuesten Markteinschätzung.

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management
Beat Thoma, Fisch Asset Management
© Axel Gaube / Institutional Money

Trotz aller derzeitigen Widrigkeiten sieht Fisch AM-CIO Beat Thoma noch immer etwas Positives. Er verweist darauf, dass die aktuelle Entwicklung der globalen Konjunktur und der Finanzmärkte durch eine zunehmende ‚Reflationierung’ des Systems geprägt sei. Dabei führt die äußerst lockere Geldpolitik der Zentralbanken zu einer Kombination von leicht höheren Inflationserwartungen, stärkerem Güterkonsum und Wirtschaftswachstum sowie tendenziell höheren langfristigen Zinsen. Diese Entwicklung verläuft aber sehr moderat und kontrolliert. "Wir erkennen derzeit keine Übertreibungen oder Ausreißbewegungen. Insgesamt ergibt dies ein günstiges Umfeld für Finanzmärkte, da sowohl die monetären als auch die konjunkturellen Triebkräfte in einem gesunden Gleichgewicht sind", kommentiert Thoma.

Covid: Zwischen Panik und Hoffnung
Ein unberechenbarer Spielverderber wird zunehmend die starke zweite Covid-19-Welle. Die Entwicklung ist laut Thoma sehr gefährlich und könnte außer Kontrolle geraten. Insbesondere in Europa und in den USA bestehen aktuell enorme Unsicherheiten, die sich negativ auf die Finanzmärkte auswirken.

Es gibt Thoma zufolge aber verschiedene Lichtblicke: Die Einführung von Impfstoffen schon im Dezember wird immer wahrscheinlicher. Die Phase-III-Tests sind abgeschlossen und die Zulassungen rücken näher.

Ein Vergleich mit der Spanischen Grippe von 1918/1919 zeigt, dass es damals auch zu einer starken zweiten Welle im Herbst 1918 kam, die aber Ende Oktober ihren Höhepunkt überschritt, obwohl keine Impfstoffe zu Verfügung standen. Auch bleiben die Todesfallraten in den meisten Ländern auf tiefem Niveau und zwei wirksame Medikamente sowie bessere Therapiemethoden sind bereits in der Anwendung. Zudem ist in absehbarer Zeit mit neuen, erfolgversprechenden Antikörpermedikamenten zu rechnen.

Niedrige Zinsen sprechen weiterhin für Aktien
Generell sind die Bewertungen der Finanzmärkte in Anbetracht der tiefen Zinsen in einem neutralen Bereich. Beispielsweise liegen die Dividendenrenditen noch immer rund 1,8 Prozentpunkte über den Geldmarktzinsen. Dies stellt im historischen Vergleich eine hohe Risikoprämie dar.

Auch an den Märkten für Unternehmensanleihen existieren derzeit keine größeren Übertreibungen. In verschiedenen Emerging Markets finden sich sogar interessante Anlagegelegenheiten.

Eine Ausnahme bilden die Staatsanleihenmärkte, die teuer bewertet sind und durch die leicht höheren Inflationserwartungen unter Druck stehen. Allerdings wirken im Moment noch positive Kräfte, die einen Zinsanstieg dämpfen.

"Trotz diesem insgesamt günstigen aktuellen Umfeld bleiben wir neutral positioniert, bis mehr Klarheit über die weitere Entwicklung der Covid-19-Pandemie und die US-Präsidentschaftswahlen herrscht", erklärt Thoma abschließend. (aa)

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