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Fisch AM: Aufwärtspotenzial ist intakt, aber limitiert

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management, sieht an den Finanzmärkten nur beschränkte Upside. Das liegt an mehreren Faktoren. So könnte von vielen Marktteilnehmern relativ unbemerkt eine Blase in einem Segment entstehen, das schon 2008 zu veritablen Problemen führte.

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management
Beat Thoma, Fisch Asset Management
© Axel Gaube / Institutional Money

Die Kombination aus verminderter Geldnachfrage aufgrund eines tieferen Wachstums bei gleichzeitig zunehmender Liquiditätsversorgung führt zu hoher Überschussliquidität an den Finanzmärkten. Ein Teil dieser Gelder fließt an die Aktien- und Kreditmärkte und sorgt dort für solide Unterstützung und für eine Kompensation der hohen Bewertungen. Ein anderer Teil der Liquidität wird weiterhin an den Repo- und Geldmärkten geparkt und stellt eine Reserve für den Fall einer höheren Geldnachfrage dar. Insgesamt wird das Finanzsystem damit stabilisiert und ausgeglichen, erläutert Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management, die derzeitige Situation an den Finanzmärkten.

Inflation nur temporär?
Die Inflationsraten steigen derzeit weltweit stark an. Allerdings wird ein Teil davon durch Basiseffekte erklärt, die in den kommenden Monaten wieder auslaufen werden. Gleichzeitig sorgt das tiefere Wirtschaftswachstum in nächster Zeit für eine Dämpfung der Inflationsproblematik. In den USA schwächt sich die Steigerungsrate der Inflation bereits wieder ab, auch wenn das absolute Niveau noch hoch ist.

Die Finanzmärkte vertrauen deshalb weiterhin den Aussagen der Notenbanken, dass es sich aktuell nur um einen temporären Anstieg der Teuerung handelt. "Das erhöht auch das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Geldpolitik, die derzeit sehr geschickt und marktschonend kommuniziert wird. Das Tapering der Wertpapierkäufe wird bereits jetzt diskutiert und sollte bei der Umsetzung keine großen Überraschungen auslösen", sagt Thoma.

Enorme Divergenz
In diesem Umfeld besteht kurzfristig wenig Druck für steigende langfristige Zinsen. Allerdings müsste das Zinsniveau aufgrund der mittelfristig erwarteten Wachstumsraten der Konjunktur und der Inflation wesentlich höher liegen. Es besteht damit Thoma zufolge eine enorme Divergenz zwischen dem aktuellen Zinsniveau und den fundamentalen Erwartungswerten. Dies kann jederzeit zu einer überraschenden Zinsanpassung führen.

Auch an den Aktien- und Kreditmärkten dominiert vorerst noch die positive Wirkung der lockeren Geldpolitik. Diese rechtfertigt teilweise die hohen Bewertungsniveaus. "Mittelfristig rechnen wir aber aufgrund der konjunkturellen Abkühlung mit tieferen Unternehmensgewinnen. Dementsprechend schätzen wir das Aufwärtspotenzial an den Finanzmärkten als intakt, aber limitiert ein", prognostiziert Thoma.

Neue Immobilienblase ante portas?
Ein möglicher künftiger Störfaktor könnten die weltweit weiter stark steigenden Immobilienpreise sein, die eine anhaltend lockere Geldpolitik erschweren. Insbesondere in den USA steigen die Immobilienpreise derzeit massiv und beschleunigt an. Die aktuelle Bewegung ist sogar stärker als in den Jahren 2004 bis 2006 im Vorfeld der Finanzkrise.

Steigende Immobilienpreise zusammen mit den aktuell hohen Konsumausgaben sind starke potenzielle Treiber künftiger Inflation. Die US-Zentralbank beobachtet die Entwicklung genau und wird in absehbarer Zeit erste Maßnahmen ergreifen müssen, meint Thoma.

"Es wird eine Reduktion (Tapering) der Käufe (QE) von MBS-Papieren diskutiert. Diese Maßnahme hätte allerdings nur mäßige Wirkung auf die Immobilienpreisentwicklung. Solange aber der US-Arbeitsmarkt nicht deutlicher anzieht, ist kurzfristig nicht mit großen Problemen für die Geldpolitik zu rechnen. Trotzdem baut sich hier mittelfristig ein ernstzunehmendes Gefahrenpotenzial für die Finanzmärkte und die Zinsentwicklung auf", warnt Thoma. (aa)

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