Logo von Institutional Money
| Märkte

Finvia: "Besser ein bisschen zu viel als ein bisschen zu wenig Gold"

Viele Portfolios sind auf kommende Umbrüche unzureichend vorbereitet. Vor allem wird die Rolle von Gold unterschätzt, und mit Blick auf KI setzen Investoren häufig auf die falschen Werte, sagen Christian Maschner und Benjamin Moritz von Finvia im Interview mit "Institutional Money".

Christian Maschner (li.) und Dr. Benjamin Moritz, Finvia
Christian Maschner (li.) und Dr. Benjamin Moritz, Finvia© Finvia

Kernpunkte:

  • Strategische Goldquote zur Absicherung gegen Stressphasen
  • Unternehmen mit Datenschatz profitieren von KI
  • Proprietärer US-Rezessionsindikator im moderat negativen Bereich

Der Indikator für die Rezessionswahrscheinlichkeit in den USA von Finvia liegt derzeit mit 18,2 Prozent im "moderat negativen Bereich", sagte Dr. Benjamin Moritz, Head of Investment Research bei dem Multi-Family-Office, in einem Interview in Frankfurt. Auch wenn Finvia "keinen Zusammenbruch der Börse auf Sicht der nächsten zwölf Monate" erwartet, müssen Investoren Moritz zufolge die Tail-Risiken im Auge behalten. "Das Hauptrisiko wären dauerhaft erhöhte Energiepreise", erklärt er. "Unser Basisszenario ist, dass der Iran-Krieg und die erhöhten Energiepreise nicht für längere Zeit andauern." Dauerhafte Energiepreisschocks würden allerdings sowohl die Inflation als auch die Margen unter Druck setzen und damit ein sogenanntes stagflationäres Umfeld begünstigen.

Acht bis zwölf Prozent Goldquote
Eine robuste Portfoliokonstruktion über verschiedene Assetklassen hinweg steht bei Finvia im Mittelpunkt, sagt Christian Maschner, Head of Investment Office. Gold spielt in vielen Portfolios nach seiner Erfahrung eine zu geringe Rolle. "Seit unserer Gründung empfehlen wir Gold als strategischen Baustein im Depot", erklärt er. "Je nach Risikokategorie hat Gold einen Anteil zwischen acht und zwölf Prozent."

Maschner sieht die Rolle des Edelmetalls im Portfolio wegen seiner historisch geringen Korrelation zu anderen Assetklassen primär als Diversifikator und damit als Absicherung gegen geldpolitische und geopolitische Stressphasen. "Aufgrund der Tatsache, dass wir geopolitische Risiken haben, ist es besser, ein bisschen zu viel Gold zu haben als ein bisschen zu wenig Gold", erklärt er.

Trotz der historisch hohen Notierungen hält Maschner Gold nicht für zu teuer. "Eine Blase beim Goldpreis sehen wir nicht, noch nicht", erklärt er und rechnet vor: "In den Achtzigerjahren hatte Gold einmal einen Anteil am Weltvermögen von rund 25 Prozent. Heute sind es, trotz des hohen Goldpreises, etwa fünf Prozent." Das liege vor allem an den hohen Aktienbewertungen und dem großen Volumen von Staatsanleihen.

US-Lastigkeit verringern
Benjamin Moritz bemängelt an vielen Portfolios eine "extrem starke US-Lastigkeit auf der Aktienseite". Viele Investoren sind demnach stark in klassischen amerikanischen Mega Caps allokiert, deren Bewertungen aus Sicht von Finvia sehr hohe Wachstumserwartungen reflektieren. "Wir haben auch Technologie, aber weniger. Wir haben vor allem weniger Technologie in den USA."

Finvia stellt infrage, dass die Hauptgewinner der KI-Revolution die sogenannten "Magnificient Seven" sein werden. "Unsere Analysen ergeben, dass vor allem die Unternehmen von KI profitieren werden, die in besonderem Maße eigene Daten besitzen", erklärt Moritz. "Das betrachten wir als entscheidenden Wettbewerbsvorteil." Als Sektor mit vielen Unternehmen, die solch einen Datenschatz besitzen und in dem Finvia deutlich übergewichtet ist, nennt Moritz Healthcare. "Da liegen nicht nur viele Daten vor, sondern vor allem haben diese auch eine hohe Qualität, sehr viele nützliche Informationen." (dv)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion