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Fidelity über den Zusammenhang von ESG und Dividendenwachstum

Der US-amerikanische Vermögensverwalter hat einen positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und langfristigem Dividendenwachstum ermittelt. In Kombination lassen sich damit günstig bewertete Qualitätsunternehmen identifizieren.

Matthew Jennings, Fidelity International
Matthew Jennings, Fidelity International
© Fidelity International

Institutionelle Dividendenanleger achten in der Regel vor allem auf zwei Dinge: eine attraktive Rendite und Potenzial für Dividendenwachstum. "Nach unseren Analysen gibt es einen Zusammenhang zwischen den Nachhaltigkeitsmerkmalen eines Unternehmens und seinem langjährigen Dividendenwachstum. Natürlich ist die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft. Aber unsere Ergebnisse legen nahe: ESG-Spitzenreiter bieten mit größerer Wahrscheinlichkeit als ESG-Nachzügler die Art von Dividendenwachstum, mit der sich in der nun abebbenden Pandemie und der Konjunkturerholung die Folgen eines Inflationsanstiegs abfedern lassen", schreibt Matthew Jennings, Investmentdirektor im Global Dividend Team bei Fidelity International, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag.

Starker Zusammenhang zwischen Dividendenwachstum und ESG-Qualität
Faktoren wie die Wettbewerbsposition und die Lage auf den Endmärkten sind laut Fidelity für das Dividendenwachstum eines Unternehmens von zentraler Bedeutung. Wichtig seien aber auch ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Geschäftsmodell und ein zukunftsorientiertes Managementteam. Die Analysen im Rahmen der Nachhaltigkeitsratings von Fidelity weisen auf einen starken Zusammenhang zwischen Dividendenwachstum und ESG-Qualität hin. Solche Ratings auf einer Skala von A bis E hat Fidelity bislang rund 4.900 Unternehmen erteilt.

Unternehmen mit dem Nachhaltigkeitsrating A weisen im Durchschnitt das höchste Dividendenwachstum auf, das bei über fünf Prozent liegt. Bei Firmen mit Rating D oder E steigen die Dividenden durchschnittlich am geringsten. Allerdings verläuft der Trend nicht ganz linear. Denn wegen der geringeren Zahl von Unternehmen mit Rating E verzerren einzelne den Median stärker als in anderen Rating-Gruppen mit mehr Unternehmen, wie Fidelity erläutert.

Median-Fünf-Jahres-Dividenden-Wachstumsraten gemessen an Fidelitys Nachhaltigkeitsrating

Klarer Zusammenhang
Gleichwohl gibt es einen klaren Zusammenhang, der Jennings zufolge die Frage aufwirft, warum das so ist. Ein verantwortungsvoller Umgang mit ökologischen und sozialen Risiken (und Chancen) hat in der Regel geringere Kosten für die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen und für Rechtsstreitigkeiten sowie aufgrund von Markenerosion und gestrandeten Vermögenswerten zur Folge. Eine starke Unternehmensführung wiederum verringert die Risiken, die mit einer übermäßigen Verschuldung oder einer riskanten, wertvernichtenden Fusion oder Übernahme einhergehen. Das schützt den Gewinn, der als Dividende an die Aktionäre ausgezahlt werden kann.

Nachhaltigkeit des Sektors spielt ebenfalls eine Rolle
Bei Unternehmen aus Industriezweigen mit strukturellen Nachhaltigkeitsproblemen – ob nun gut gemanagt oder nicht – kann das Dividendenwachstum dagegen schwächer ausfallen. So kürzten beispielsweise die Ölriesen Shell und BP im vergangenen Jahr ihre Ausschüttungen deutlich, um die Umstellung auf kohlenstoffärmere Anlagen zu finanzieren. Andere Energieunternehmen könnten ihrem Beispiel folgen, denn die Forderungen nach mehr Investitionen zur Erzeugung von grünem Strom werden immer lauter.

Dagegen profitieren Versorger, die auf erneuerbare Energien setzen, von Rückenwind seitens des Gesetzgebers und der Anleger. Enel ist einer davon und hat schon sehr früh stark in regenerative Energien investiert. Gemessen an der Energieerzeugung ist es heute der größte Anbieter von grünem Strom weltweit. Bis 2023 hat Enel seinen Aktionären jedes Jahr eine Dividendenerhöhung um sieben Prozent versprochen. Unilevergehört einem ganz anderen Sektor an, verfügt aber ebenfalls über ein hohes Nachhaltigkeitsrating von Fidelity. Schon seit 20 Jahren stockt es seine Dividende pro Jahr um rund sechsProzent auf.

ESG-Spitzenreiter können attraktive Dividendenrenditen bieten
Bei Aktien mit hohem Nachhaltigkeitsrating könnte man angesichts der überragenden Aussichten für ihr Dividendenwachstum erwarten, dass sie mit deutlich niedrigeren Dividendenrenditen gehandelt werden. "Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein – was ertragsorientierte Anleger freuen dürfte. Vielmehr ist der Unterschied bei der Dividendenrendite zwischen den Aktien mit dem höchsten und dem niedrigsten ESG-Rating gering und angesichts des großen Anlageuniversums wie dem der globalen Aktien sicherlich beherrschbar. Einige mit der besten ESG-Bilanz bieten sogar Dividendenrenditen, die denen von Aktien mit niedrigerem Nachhaltigkeitsrating entsprechen oder sie sogar übertreffen. Enel beispielsweise lockt aktuell mit einer Dividendenrendite von ca. 4,5 Prozent und Unilever mit rund 3,5 Prozent", schreibt Jennings.

Median-Dividenden-Rendite sortiert nach Fidelitys Nachhaltigkeitsrating

Ausschüttungspolitik hängt von mehreren Faktoren ab
Einer der Faktoren, die die Dividendenrendite beeinflussen, ist die Ausschüttungsquote des Unternehmens. Sie lässt Rückschlüsse auf seine Kapitalallokationspolitik zu. Welche Ausschüttungsquote angemessen ist, hängt von unternehmensspezifischen Faktoren ab. Hierzu gehört zum Beispiel der Bedarf an Reinvestitionen, um die Wettbewerbsposition zu behaupten und sicherzustellen, dass die Verschuldung nicht aus dem Ruder läuft.

"Wir sind jedoch der Meinung, dass angemessene Dividendenausschüttungen, bei denen langfristige Faktoren berücksichtigt werden, ein Zeichen für gute Unternehmensführung sind. Sie tragen dazu bei, dass die Interessen von Aktionären und Firmenentscheidern übereinstimmen und sich Letztere nicht auf Kosten Ersterer bedienen", betont Jennings.

Eine weitere Einflussgröße ist die Unternehmensbewertung. Sie kann von vielen sich wechselseitig bedingenden Faktoren beeinflusst werden, darunter die Wachstumserwartungen, die Kapitalkosten und die Stimmung der Anleger. ESG-Anleger sind in der Regel zurückhaltend gegenüber Aktien mit hohen Dividendenrenditen. Denn diese sind häufig auf niedrige Bewertungen wegen nicht nachhaltiger Geschäftsmodelle zurückzuführen. Die hohen Ausschüttungsquoten solcher Unternehmen sind auf Dauer kaum zu halten.

Ein gutes Beispiel seit Jennings zufolge die Tabakbranche mit ihren hohen Dividendenrenditen. Bedenken über gesundheitliche Auswirkungen des Rauchens und die Folgen von Gesetzesänderungen schüren Zweifel, ob ihre Dividenden sicher sind und weiter wachsen können.

Qualität hat ihre Meriten
Qualitätsunternehmen mit starker ESG-Bilanz dürften dagegen in der Lage sein, beständigere Dividenden zu bieten. Zudem zeigen Fidelity Analysen, dass sie auf lange Sicht über mehr Potenzial für Dividendenwachstum verfügen.

Diese Erkenntnis passt zu den Analyseergebnissen der Fidelity-Experten vom vergangenen Jahr. Demnach haben die ESG-Spitzenreiter während des coronabedingten Markteinbruchs und der nachfolgenden Erholung besser als die ESG-Nachzügler abgeschnitten (Institutional Money berichtete).

"Unsere Nachhaltigkeitsratings können helfen, Unternehmen mit starken ESG-Merkmalen zu identifizieren. Ertragsorientierte Portfolios auf sie auszurichten, kann dazu beitragen, die Kaufkraft des angelegten Vermögens zu erhalten. Das könnte sich als nützlich erweisen, sollte die höhere Inflation in der Phase der Wiederöffnung der Volkswirtschaften anhalten", erklärt Jennings abschließend. (aa)

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