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Feri: Investoren uneins über Turbulenzen im Halbleitersektor

Für Verunsicherung unter den professionellen Anlegern sorgen derzeit die Turbulenzen im globalen Halbleitersektor: Der anhaltende KI-Boom hat erhebliche Kapazitätsengpässe ausgelöst. Doch wie diese zu interpretieren sind, darüber sind Investoren geteilter Meinung.

Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation der Feri AG, zufolge beschränken sich Kapazitätsengpässe im Halbleitersektor längst nicht mehr nur auf Hochleistungschips.
Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation der Feri AG, zufolge beschränken sich Kapazitätsengpässe im Halbleitersektor längst nicht mehr nur auf Hochleistungschips.© FERI

Eckpunkte:

  • Turbulenzen im Halbleitersektor sorgen für Verunsicherung bei Investoren
  • Skeptiker gehen von Überangebot aus, Optimisten sehen Anfang des KI-Booms
  • Kapazitätsengpässe bleiben bis Mitte 2027
  • Hohes Zinsniveau belastet Aktienmärkte

Für Verunsicherung unter den professionellen Anlegern sorgen derzeit die Turbulenzen im globalen Halbleitersektor: Der anhaltende KI-Boom hat erhebliche Kapazitätsengpässe ausgelöst. Dies schreibt Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation der Feri AG, im aktuellen Feri Markets Update. Diese Kapazitätsengpässe beschränkten sich längst nicht mehr nur auf Hochleistungschips, sondern erfassten zunehmend weitere Bereiche der Halbleiterindustrie. Entsprechend seien Umsätze, Gewinne und Gewinnmargen vieler Unternehmen in den vergangenen Quartalen kräftig gestiegen und haben die Aktienkurse deutlich nach oben getrieben. Trotz dieser fundamentalen Unterstützung agierten Anleger zuletzt zunehmend vorsichtig und trennten sich von Halbleiterwerten. Hintergrund sei weniger die aktuelle Ertragslage als vielmehr die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit des Booms.

Unter Profi-Investoren dominieren zwei Sichtweisen
Unter Investoren prallen derzeit zwei gegensätzliche Sichtweisen aufeinander, beobachtet Baitinger. Die Skeptiker verwiesen darauf, dass die Halbleiterindustrie insgesamt stark zyklisch ist und zum klassischen Schweinezyklus neigt. Hohe Gewinnmargen führten zu einem massiven Kapazitätsausbau der etablierten Hersteller und erhöhten zugleich die Attraktivität für neue Akteure, in den Markt einzutreten. Mit zeitlicher Verzögerung entstehe daraus ein Überangebot. Das setze Preise, Gewinnmargen und letztlich auch die Unternehmensgewinne unter Druck.

Optimisten glauben an strukturellen Nachfrageschub
Die Optimisten, darunter viele Unternehmen aus der Branche selbst, argumentieren hingegen, dass der KI-Boom einen strukturellen Nachfrageschub ausgelöst hat und sich die Branche erst am Anfang eines langfristigen Investitionszyklus befindet. Selbst bei einem kräftigen Kapazitätsausbau der Chiphersteller dürfte die Nachfrage das Angebot über Jahre hinweg übersteigen. In diesem Szenario blieben die Gewinnmargen nicht nur bei Hochleistungschips, sondern auch in weiten Teilen der übrigen Halbleiterindustrie auf einem hohen Niveau.

Erhöhte Risiken
Welche Sichtweise sich letztlich durchsetzt, dürfte sich nicht im laufenden Jahr entscheiden. Nach Einschätzung von Feri werden die Kapazitätsengpässe mindestens bis Mitte 2027 anhalten. Professionelle Anleger sollten günstige Bewertungen dennoch nicht isoliert betrachten. Auch wenn die Gewinnentwicklung derzeit außergewöhnlich robust ist, bleibe der Sektor aufgrund der Unsicherheit über die langfristige Angebots- und Nachfragedynamik mit erhöhten Risiken behaftet.

Ölpreisanstieg sorgt für Inflationssorgen
Auch geht Eduard Baitinger von Feri auf den Konflikt zwischen den USA und Iran ein.
Die außergewöhnlich kurze Halbwertszeit des Rahmenabkommens beider Staaten habe dann doch viele Marktteilnehmer überrascht – entsprechend zogen die Ölpreise spürbar an, und mit ihnen die Sorgen vor einem erneuten Anstieg der Inflation.

KI-Boom sorgt auch auf der Anleihenseite für höhere Kosten
Ein weiterer Belastungsfaktor für die Aktienmärkte, insbesondere für die Bewertungen, bleibt das hohe Zinsniveau: Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen verharren in den meisten Industrieländern nahe ihrer Mehrjahreshochs, vor allem die Realzinsen sind gestiegen. Ein Erklärungsansatz ist der enorme Kapitalbedarf des KI-Booms, der den Wettbewerb um verfügbares Kapital erhöht und damit einen Crowding-out-Effekt auslöst. Dadurch steigen die Finanzierungskosten für andere Kreditnehmer – Unternehmen ebenso wie Staaten –, was den Aufwärtsdruck auf die Zinsen erhöht. Da dieser Trend voraussichtlich anhalten werde, sei kurzfristig kaum mit einer spürbaren Entspannung bei den Zinsen und damit auch nicht mit nennenswerten Bewertungsausweitungen zu rechnen.

Starke Berichtssaison
Trotz der skizzierten Belastungsfaktoren sind größere Kurskorrekturen bislang ausgeblieben – und das aus gutem Grund, so Baitinger: Die aktuelle Berichtssaison sei stark gestartet und bestätige die robuste Gewinndynamik der Unternehmen. Die hohen Gewinnerwartungen dürften mindestens erfüllt, eher aber erneut übertroffen werden, glaubt er. Solange diese fundamentale Stärke anhalte, blieben größere Rückschläge an den Aktienmärkten eher unwahrscheinlich, so Baitinger. (de)

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