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Feri CIO Office wittert möglichen Politikfehler

Sanae Takaichi, die erste Premierministerin Japans, ist entschlossen, in ihrer Wirtschafts- und Fiskalpolitik ihrem Vorbild Shinzo Abe nachzueifern und die von ihm begründete „Abenomics“ wiederzubeleben. Dies könnte sich allerdings als Politikfehler herausstellen, meint man bei Feri.

Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der Feri Gruppe
Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der Feri Gruppe© Feri

"Der Wirtschafts- und Fiskalpolitik des Vorbilds von Japan erster Premierministerin Sanae Takaichi, Shinzo Abe, nachzueifern und die von ihm begründete „Abenomics“ wiederzubeleben, könnte sich als Politikfehler herausstellen, denn die Rahmenbedingungen sind heute ganz andere als im Jahr 2012, als der damalige Premier Abe seine wirtschaftspolitische Strategie vorlegte", meint Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der Feri Gruppe.

Der wichtigste Unterschied zum damaligen Umfeld liegt in der Inflation
Abe wollte mit einer massiven Nachfragebelebung und einer lockeren Geldpolitik vor allem die lange Phase deflatorischer Tendenzen in Japan beenden, was ihm nur zum Teil gelang. Zur Zeit von Takaichis Amtsantritt liegt die Inflation in Japan bei knapp drei Prozent. Es besteht Konsens, dass sie mittelfristig nicht unter zwei Prozent sinken wird und ein Rückfall in deflatorische Dynamiken vorerst nicht zu befürchten ist.

BoJ in schwierige Lage gebracht
Eine Politik, die in einer solchen Lage die Nachfrage weiter ankurbeln wolle, treibe potentiell die Inflation nach oben und bringe die japanische Notenbank in eine äußerst schwierige Lage, so Angermann weiter. Die Bank of Japan befinde sich seit einiger Zeit auf dem Weg, ihre über viele Jahre hinweg ultra-expansive Geldpolitik zu normalisieren. Ihr sehr vorsichtiges Vorgehen sei darauf ausgerichtet, Verwerfungen an den Kapitalmärkten sowohl mit Blick auf die Zinsen als auch auf den Wechselkurs des Yen zu vermeiden. Vor allem der erste Punkt sei kritisch, weil zur Normalisierung der Geldpolitik auch die Verringerung der Staatsanleihekäufe durch die Notenbank gehöre. Innerhalb eines Jahres hat die Bank of Japan das Ankaufvolumen bereits um etwa zehn Prozent gesenkt, erwirbt damit aber weiter Staatsanleihen für etwa 12 Billionen Yen je Quartal.

Enger Spielraum der Zentralbank
Trotzdem genügte diese leichte Reduzierung, um die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen auf ein Niveau von zuletzt etwa 1,8 Prozent nach oben zu treiben. Daraus ergeben sich angesichts der enormen Staatsverschuldung von 235 Prozent des BIP potentiell erhebliche zusätzliche Zinsaufwendungen des Staates. Angermann: "Man sieht daran, wie eng der Spielraum der japanischen Notenbank zur Normalisierung ihrer Geldpolitik ist und wie sehr sie darauf hoffen muss, dass die Inflation nicht außer Kontrolle gerät. Müsste die Bank of Japan ihren Leitzins schneller erhöhen als erwartet, wären negative gesamtwirtschaftliche Konsequenzen unvermeidlich. Täte sie es im Falle steigender Inflationsraten nicht, würden hingegen ein Vertrauensverlust und weitere steigende Zinsen drohen."

Takaichi muss ihre eigene Wirtschaftspolitik finden
Die enge Verzahnung von Fiskal- und Geldpolitik – ein Kennzeichen der „Abenomics“ – stellt grundsätzlich ein Problem für die formell garantierte Unabhängigkeit der Notenbank dar. Umso wichtiger ist es, dass beide Bereiche nicht miteinander in Konflikt geraten. Das kann nur heißen: Die Fiskalpolitik sollte nicht so expansiv ausgerichtet sein, wie es zu Zeiten der „Abenomics“ der Fall war. Takaichi werde jenseits ihres Vorbilds eine eigene Ausrichtung ihrer Wirtschaftspolitik finden müssen. Andernfalls drohe ihr ein „Liz Truss“-Moment, wenn die Märkte zum Ausverkauf übergehen sollten, ist Angermann überzeugt. (kb)

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