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Feri-Chef-Volkswirt: Für eine generelle Entwarnung ist es zu früh

Der Chef-Volkswirt der Feri-Gruppe analysiert die aktuelle und zukünftig erwartete Inflationsentwicklung und prognostiziert darauf aufbauend die weitere Konjunkturentwicklung diesseits und jenseits des großen Teiches.

Axel D. Angermann, Feri: "Kurzfristig dürfte an den Märkten die Erleichterung über gesunkene Energiepreise und den daraus resultierenden dämpfenden Effekt auf die Inflation überwiegen. Für eine generelle Entwarnung ist es aber zu früh." 
Axel D. Angermann, Feri: "Kurzfristig dürfte an den Märkten die Erleichterung über gesunkene Energiepreise und den daraus resultierenden dämpfenden Effekt auf die Inflation überwiegen. Für eine generelle Entwarnung ist es aber zu früh." © Feri

Eckpunkte:

  • Niedrigere Energiepreise dämpfen kurzfristig die Inflationsraten sowohl im Euroraum als auch in den USA
  • Euroraum: Rückgang der Inflation auf 2 Prozent im Frühjahr 2027 wahrscheinlich
  • USA: Robuste Konjunktur und anhaltender KI-Boom verhindern nachhaltiges Absinken der Inflation auf den 2-Prozent-Zielwert
  • Inflation bleibt relevantes Thema – im Fokus steht die Entwicklung der US-Wirtschaft

Im Euroraum ist die Inflationsrate im Juni auf 2,8 Prozent zurückgegangen, nachdem sie im Mai noch bei 3,2 Prozent gelegen hatte. Das ist natürlich erfreulich. Auch für die USA ist laut Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der Feri-Gruppe, zu erwarten, dass die Inflation gesunken ist: "Wir rechnen mit 3,7 Prozent im Juni nach 4,2 Prozent im Vormonat. Die Marktteilnehmer haben erleichtert reagiert und ihre Erwartungen hinsichtlich möglicher Zinserhöhungen der Notenbanken zu Recht zurückgeschraubt."

Unterschiedliche Entwicklungen bei der Inflation
Die schlechte Nachricht ist Angermann zufolge aber, dass die Inflation mindestens bis zum Jahresende auf einem Niveau deutlich über dem Zwei-Prozent-Zielwert der Notenbanken verharren wird.

Im Euroraum sind die Aussichten gut, dass die Inflation in der ersten Hälfte des Jahres 2027 – nach dem Herausfallen des Energiepreisschocks aus der Statistik – wieder in der Nähe der Zwei-Prozent-Marke liegen könnte.

Die Perspektiven für die US-Wirtschaft sind Angermann zufolge hingegen kritischer zu sehen. Dies hat laut dem Feri-Chefvolkswirt zwei Gründe:

  1. Der erste Grund ist die unterschiedliche Konjunkturdynamik. Die US-Wirtschaft ist weiterhin robust, im laufenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um etwa 2,0 Prozent wachsen. Im Euroraum ist dagegen ein kräftiger und sich selbst tragender Aufschwung nach wie vor nicht in Sicht. Die Wirtschaftsleistung wird hier dieses Jahr lediglich um etwa 0,3 Prozent steigen und auch im kommenden Jahr voraussichtlich weniger als 1,0 Prozent wachsen.

    In einem solchen Umfeld fällt es Unternehmen schwer, höhere Energiepreise oder Inputkosten an ihre Kunden weiterzugeben. "Der Spielraum auf Arbeitnehmerseite für die Durchsetzung höherer Löhne ist ebenfalls begrenzt. Das Risiko von Zweitrundeneffekten, die die Inflation auf einem hohen Niveau halten, ist also gering", erklärt Angermann.
  2. Der zweite Grund für die anhaltende Inflationsproblematik in den USA liegt laut Angermann in der wichtigsten Triebkraft des kräftigen Wachstums: Der KI-Boom trägt selbst zu Preissteigerungen bei. "Insbesondere die drastisch teurer gewordenen High-End-KI-Speicherchips sind ein signifikanter inflationstreibender Faktor. Das hat die Ankündigung von Preiserhöhungen seitens Apple jüngst gezeigt", merkt Angermann an.

Risiken für die US-Konjunktur: Zinserhöhungen oder Ende des KI-Booms
Entweder setzt sich die aktuelle Entwicklung fort – mit der Folge, dass die Inflation nicht ohne weiteres in Richtung der angestrebten Zwei-Prozent-Marke sinkt. Die US-Notenbank Federal Reserve müsste dann ernsthaft Zinserhöhungen ins Auge fassen, trotz der daraus resultierenden negativen Wirkungen auf die Finanzierungsbedingungen und damit auf die allgemeine Konjunktur.

Oder aber der KI-Boom endet beziehungsweise mündet in eine temporäre Ernüchterungsphase, in der die sehr hohen Erwartungen ein Stück weit nach unten korrigiert werden. Die damit verbundenen Kurskorrekturen für Technologiewerte hätten wegen der negativen Vermögenspreiseffekte eine deutlich dämpfende Wirkung auf den privaten Konsum und damit auf die Konjunktur insgesamt.

Zu früh für eine Entwarnung
"Kurzfristig dürfte an den Märkten die Erleichterung über gesunkene Energiepreise und den daraus resultierenden dämpfenden Effekt auf die Inflation überwiegen. Für eine generelle Entwarnung ist es aber zu früh: Die Problematik über dem Zielwert liegender Inflationsraten dürfte weiterhin relevant bleiben. Unser Hauptaugenmerk liegt in diesem Zusammenhang klar auf der Entwicklung in den USA", erklärt Angermann abschließend. (aa)

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