FEMO statt FOMO: Stratege Ed Yardeni setzt auf neue Börsenformel
Ed Yardeni hält wenig von Warnungen vor einer Aktienblase in den USA. Der Marktstratege sieht den Börsenaufschwung vor allem durch starke Gewinnentwicklungen getragen – und traut dem S&P 500 bis zum Ende des Jahrzehnts noch deutlich mehr zu.
Eckpunkte:
- Anleger sollten auf "FEMO" – ("Fabulous Earnings Momentum") vertrauen statt auf "FOMO" ("Fear of Missing Out")
- Märkte im Melt-Up-Modus, derzeit sind die "Roaring 2020s", Korrektur auf Sicht unwahrscheinlich
Der erfahrene Marktstratege Ed Yardeni von Yardeni Research hat Sorgen über eine Blasenbildung an den US-Aktienmärkten zurückgewiesen. Die Rally werde von einem "fabelhaften Gewinnmomentum" und nicht von Spekulation getrieben, argumentierte er.
"Der große Unterschied sind die Gewinne", sagte Yardeni am Mittwoch (27.5.) bei "Bloomberg Television Surveillance" (Video im Anschluss). Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 von 20 bis 22 erscheine angemessen, sofern die Wirtschaft in den kommenden Jahren eine Rezession vermeide.
Yardeni prägte den Begriff "FEMO" – "Fabulous Earnings Momentum" –, um die aktuelle Rally von "FOMO" ("Fear of Missing Out") abzugrenzen. Letzteres basiere seiner Ansicht nach eher auf Hoffnung und Hype als auf Fundamentaldaten.
"Melt-up"-Stimmung am Markt
Der Präsident und Chef-Anlagestratege des nach ihm benannten Research-Hauses räumte ein, dass sich der Markt wie ein "Melt-up" anfühle, nachdem einige Halbleiteraktien stark gestiegen seien. Er erwartet, dass der S&P 500 bis Ende des Jahrzehnts die Marke von 10.000 Punkten erreicht – ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Dieses Szenario bezeichnet er als die "Roaring 2020s". Yardeni erklärte zudem, er habe in diesem Jahr bislang nur einen bedeutenderen Ausverkauf gesehen – im März. Vor Jahresende rechne er nicht mit einer weiteren größeren Korrektur.
Seine FEMO-These stützt auch sein Kursziel für den S&P 500 von 8.250 Punkten für 2026. Damit liegt er unter den von "Bloomberg" erfassten Analysten an der Spitze. Zugleich wurde das Lager der Optimisten größer, nachdem Strategen von Goldman Sachs Group ihr Jahresendziel für den Index von 7.600 auf 8.000 Punkte angehoben hatten.
Produktivität soll Inflationsdruck dämpfen
Zur Inflation in den USA sagte Yardeni, der aktuelle Anstieg hänge mit höheren Rohölpreisen zusammen, weise aber nicht die Lohn-Preis-Spirale auf wie noch 2022. Er erwartet, dass sich das Produktivitätswachstum von derzeit im Dreijahresschnitt etwas mehr als zwei Prozent auf drei bis vier Prozent beschleunigt. Das würde den Lohndruck ausgleichen und die Inflation bei den Lohnstückkosten nahe null halten. Die jährliche Inflation der Lohnstückkosten liege derzeit bei 1,2 Prozent, sagte er.
Die Ölmärkte hätten sich trotz der Blockade der Straße von Hormus bei rund 100 US-Dollar je Barrel stabilisiert, sagte Yardeni. Dazu beigetragen hätten höhere Rohölexporte aus den USA und Venezuela. Zudem wirke Chinas Wirtschaft schwächer als allgemein angenommen. (mb/Bloomberg)


