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Fed setzt großen Zinsschritt und weckt Erinnerungen an Paul Volcker

Jerome Powell und seine Kollegen erhöhen den Leitzins in einem Tempo, das die Finanzwelt bisher nur von Paul Volcker aus den frühen 1980er Jahren kannte. Auch wenn das für die US-Wirtschaft schmerzhaft ist, findet der entschlossene Kampf gegen die Inflation viele Befürworter.

Jerome Powell, US-Notenbank
US-Notenbankchef Jerome Powell
© Andrew Harrer / Bloomberg

Die US-Notenbank Fed hat die Leitzinsen auf ihrer Juli-Sitzung um weitere 75 Basispunkte angehoben. "Damit kann der aktuelle Stand der US-Geldpolitik als neutral angesehen werden", erläutert Christian Scherrmann, US-Volkswirt der DWS. "Das derzeitige Zinsniveau von 2,25 bis 2,50 Prozent ist nach allgemeiner Einschätzung weder förderlich noch hinderlich für die Wirtschaft."

Aus den Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell und seinen Kollegen lesen manche Marktbeobachter heraus, dass den Notenbankern durchaus bewusst ist, was die Zinserhöhungen für die Wirtschaftsdynamik bedeuten. Diese Hoffnung auf eine künftig gemäßigtere Geldpolitik sorgte für steigende Kurse an den Börsen. "Trotz dieser Änderung in der Presseerklärung wird die US-Notenbank höchstwahrscheinlich weiterhin mehr Gewicht auf die immer noch viel zu hohe Inflation legen", betont Scherrmann. Die Tür für weitere Zinsschritte um 75 Basispunkte bleibe offen, falls die eingehenden Daten dies rechtfertigten, so der Ökonom. "Die US-Notenbank verabschiedet sich in den Sommer, ohne einen klaren Hinweis darauf zu geben, was sie im September zu tun gedenkt. Zu Recht, würden wir sagen."

Die Hoffnung auf eine "sanfte Landung" nimmt ab
"Trotz der weitgehenden Stagnation der US-Wirtschaft im ersten Halbjahr ist die Zinserhöhung notwendig, um die Inflation, die in den USA an Breite gewonnen hat und weit mehr als Energie und Lebensmittel umfasst, nicht zu einem noch größeren Problem werden zu lassen", meint HQ-Trust-Chefökonom Michael Heise. Die Chancen einer "sanften Landung" der US-Wirtschaft seien zwar geringer geworden. "Angesichts der hohen angesparten Kaufkraft der privaten Haushalte und eines geräumten Arbeitsmarktes mit zahlreichen offenen Stellen ist eine scharfe Rezession allerdings nicht sehr wahrscheinlich", beruhigt Heise.

Die Fed sollte sich Heise zufolge daher nicht davon abhalten lassen, das Zinsniveau entsprechend den Erwartungen im Offenmarktausschuss in den kommenden sechs Monaten auf rund 3,50 Prozent anzuheben. Andere Ökonomen schließen sich dem an. So rechnet beispielsweise John Vail, Chefstratege bei Nikko Asset Management, für den September mit einer weiteren Zinserhöhung um 50 Basispunkte.

"Ermutigende" Zinserhöhungen
"Die Anhebungen von 150 Basispunkten in den letzten beiden Sitzungen sind die größten geballten Zinserhöhungen seit der Volcker-Ära in den frühen 1980er Jahren", betont Jason England, Rentenfondsmanager bei Janus Henderson. Dies sei ein weiteres Zeichen dafür, wie entschlossen die Fed sei, die Inflation auf zwei Prozent zu senken.

"Für uns als Anleger sind die starken Zinserhöhungen ermutigend, weil sie zeigen, dass die Fed erkannt hat, dass die Inflation hartnäckig ist und eine ernsthafte Bedrohung für Verbraucher, Unternehmen und die Wirtschaft darstellt", meint Victor Zhang, Chefanlagestratege von American Century Investments. "Auch wenn wir der Meinung sind, dass die Zentralbank einen Fehler begangen hat, indem sie zu lange gewartet hat, zeigt uns ihre Aggressivität jetzt, dass sie die Inflation unter Kontrolle bringen will." (bm)

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