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Fakten statt ideologische Diskussionen über Zukunft der Altersvorsorge

„Deutschland braucht nicht nur für den Klimaschutz ein langfristiges, generationengerechtes und sozial ausgewogenes Konzept, sondern auch eine nachhaltige Reform des Altersvorsorgesystems, die auf diesen Pfeilern ruht“, sagt der stv. Vorstandsvorsitzende des DAV, Dr. Maximilian Happacher.

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Dr. Maximilian Happacher, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV)
© ERGO

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Dr. Maximilian Happacher, führt weiter aus: „Übertriebener Alarmismus hilft niemandem, aber die notwendigen Veränderungen unseres Alterssicherungssystems dürfen auch nicht von einer Regierungskommission in die nächste delegiert werden“.

Unabhängige und ideologiefreie Debatte führen
So muss nach Überzeugung der deutschen Aktuare eine unabhängige und ideologiefreie Debatte darüber geführt werden, wie das bislang drei Säulen umfassende Rentenkonzept in Anbetracht des demografischen Wandels und der voraussichtlich noch auf Jahre anhaltenden Tiefzinssituation weiterentwickelt werden kann. Dabei müsse über die Nachjustierung aller Stellschrauben der gesetzlichen Rentenversicherung gesprochen werden, ohne einerseits den sozialen Frieden hierzulande zu gefährden und andererseits die Sozialabgaben deutlich über 40 Prozent und die Steuerzuschüsse extrem steigen zu lassen. „Um die gesetzliche Rente zukunftsfest zu machen, werden alle Beteiligten Zugeständnisse machen müssen“, prognostiziert Dr. Happacher. Dazu gehöre auch eine sachliche Diskussion darüber, welche Auswirkungen die weiter steigende Lebenserwartung auf das Renteneintrittsalter habe.

Politischen Handlungsbedarf in der kapitalgedeckten Altersvorsorge
Nach der gescheiterten Riester-Reform haben viele Anbieter angekündigt, sich aus diesem Marktsegment und der Beitragszusage mit Mindestleistung in der betrieblichen Altersversorgung ganz oder teilweise zurückzuziehen. „Dieser Leerraum muss gefüllt werden, um die erwartbaren Rentenlücken der nächsten Generationen zu schließen. Und die Pläne einer Deutschland-, Generationen- oder Aktienrente sind in ihrer bisherigen Form aus aktuarieller Sicht noch nicht die Lösung“, konstatiert Dr. Happacher. Denn all diese Konzepte würden ausschließlich die Ansparphase in den Blick nehmen, die hoch komplexe und vor allem jahrzehntewährende Auszahlungsphase aber außer Acht lassen. „Ein 2020 geborenes Mädchen hat laut der aktuellen Kohortensterbetafel des Statistischen Bundesamts eine Lebenserwartung von gut 93 Jahren, ein Junge von gut 90 Jahren. Damit ergibt sich eine Rentenbezugsdauer von 25 und mehr Jahren, in denen die künftigen Rentnerinnen und Rentner würdevoll leben möchten“, beschreibt Happacher die Situation. Dies sei nur über eine Rente möglich, die ab Beginn der Ansparphase bis zum Lebensende eine Mindestzahlung sicherstellt, egal wie lange die Lebenszeit im konkreten Einzelfall ist. Dieses wichtige Element sei bisher in den politischen Konzepten nicht vorgesehen. „Im Interesse der Menschen muss hier nachgebessert werden“, so Happacher weiter.

Geforderte Bürger: Aktienanimositäten abbauen
Zugleich seien aber auch die Bürger gefordert, sich noch stärker auf die veränderten Kapitalmarktwirklichkeiten einzulassen. „Die alte Sparwelt wird es vielleicht nie wieder geben. Nur durch Investitionen in Substanzwerte wie Aktien oder Immobilien können künftig Renditen oberhalb der Inflation erzielt werden“, führt Happacher aus. Diese Aussage bleibe auch vor dem Hintergrund der heftigen Kapitalmarktschwankungen des vergangenen Jahres richtig. Insofern sei es positiv, dass die Aktienbesitzquote hierzulande zuletzt gestiegen sei. „Wir müssen konsequent daran arbeiten, dass die Vorbehalte gegen Aktien weiter abgebaut werden, und gleichzeitig verhindern, dass der Einzelne die damit verbundenen Verlust- beziehungsweise Schwankungsrisiken alleine tragen muss. Das lässt sich am besten durch eine langfristig ausgerichtete, kollektive Kapitalanlage erreichen, wie sie Lebensversicherer und Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung organisieren“, erläutert Happacher abschließend. (kb)

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