Logo von Institutional Money
| Märkte

Fairer Yuan-Kurs könnte Deutschland Milliarden bringen

Eine Aufwertung des chinesischen Yuan auf ein aus Sicht des Instituts der deutschen Wirtschaft faires Niveau würde die deutsche Wirtschaftsleistung bis 2028 um kumuliert rund 43 Milliarden Euro erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Auswärtigen Amt geförderte Studie.

Jürgen Matthes, IW: "Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift."
Jürgen Matthes, IW: "Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift."© IW

Eckpunkte:

  • Deutsches und europäisches BIP lägen 2028 um bis zu 0,3 Prozent höher
  • IW schlägt Ausgleichszölle auf Importe aus China vor
  • IW unterstellt in seiner Simulation eine Yuan-Aufwertung um 40 Prozent

Die seit Jahren kontrovers diskutierte Währungspolitik Chinas kostet Deutschland nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Wachstum. In einer Studie kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass eine faire Bewertung des Yuan die deutsche Wirtschaftsleistung zwischen 2026 und 2028 um insgesamt rund 43 Milliarden Euro erhöhen würde.

Grundlage der Untersuchung ist eine Simulation mit dem Global Economic Model von Oxford Economics. Dabei wurde unterstellt, dass der Yuan gegenüber anderen Währungen um 40 Prozent aufwertet – ein Niveau, das laut den Autoren einer fairen Bewertung entsprechen könnte.

"Die von China künstlich niedrig gehaltene Währung kostet Deutschland Wachstum", heißt es in der Studie. Durch die Unterbewertung würden chinesische Exporte verbilligt, während Importe aus Europa vergleichsweise teurer würden.

Nach Angaben des IW hat sich das deutsche Handelsbilanzdefizit gegenüber China mittlerweile auf rund 90 Milliarden Euro erhöht. Gleichzeitig seien deutsche Exporte nach China rückläufig, während chinesische Einfuhren deutlich zugenommen hätten.

Auch China könnte langfristig profitieren
Kurzfristig würde eine deutliche Yuan-Aufwertung die chinesische Wirtschaft zwar belasten, da Exporte an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Langfristig könnte sie jedoch dazu beitragen, die Wirtschaft stärker auf den Binnenkonsum auszurichten.

"Weil Ausfuhren unattraktiver werden, verbleiben mehr Waren auf dem heimischen Markt, was die Preise senkt", erläutern die Studienautoren. Zusätzliche Impulse für die Inlandsnachfrage könnten Zinssenkungen und steuerliche Entlastungen liefern.

Der IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes sieht politischen Handlungsbedarf in Europa: "Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift." China gewinne durch die Unterbewertung des Yuan Marktanteile, die es unter fairen Wettbewerbsbedingungen nicht erzielen würde.

Noch deutlicher wird Matthes bei möglichen Gegenmaßnahmen: "Europa sollte mit Ausgleichszöllen für gleiche Bedingungen sorgen."

Die Studie wurde vom Auswärtigen Amt gefördert und basiert auf Modellrechnungen, nicht auf einer Prognose tatsächlicher Wechselkursentwicklungen. Dennoch liefert sie neue Argumente für die Debatte über globale Handelsungleichgewichte und die Rolle Chinas im Welthandel. (dv)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion