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Fabrice Jacob zu China: "Stärkste Verbesserung seit zehn Jahren"

Ein Intimkenner Asiens und insbesondere Chinas zeigte sich in einer Präsentation vor professionellen Marktteilnehmern optimistisch für asiatische und chinesische Aktien und erklärte, warum die Gefahr einer platzenden Immobilienblase in China geringer ist, als vielfach angenommen.

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Fabrice Jacob, JK Capital Management: "Chinas Behörden beweisen seit Jahren eine beachtenswerte Effizienz bei der Lösung struktureller Probleme durch das Finden pragmatischer Lösungen." Wie die fundamentalen Daten Chinas sowie die Bewertungen derzeit sind, können Sie einer exklusiven Klickstrecke entnehmen.
© JK Capital Management

"Trotz der zuletzt niedrigeren Wachstumsraten in China ist Asien noch immer der wichtigste Wachstumsmotor der Weltwirtschaft", erklärte Fabrice Jacob, CEO und Gründungspartner von JK Capital Management aus Hongkong, vor professionellen Marktteilnehmern in Wien. An der Boutique ist neben Mastermind Jacob auch der französische Asset Manager "La Francaise" beteiligt, der sich um die Betreuung der Investoren kümmert. Jacob verantwortet unter anderem als Lead-Manager die zwei Aktienfonds La Francaise JKC Asia Equity, den La Francaise JKC China Equity sowie große Mandate für Danske Bank und Russel Investments.

Der sehr erfahrene Jacob (30 Jahre, davon 20 Jahre in asiatischen Aktien) wies am Beginn seines Vortrages darauf hin, dass - wider Erwarten vieler Marktteilnehmer - im soeben zu Ende gegangenen dritten Quartal sowohl der US-, als auch der chinesische Aktienmarkt von den "großen" Märkten zu den Top-Performern gehörten. Dafür verantwortlich waren unter anderen die Flows großer Kapitalsammelstellen, die im Falle Chinas nach einigen enttäuschenden Quartalen seit einigen Monaten auf eine bessere Zukunft spekulieren. Jacob wies anhand einer Grafik (siehe Grafik 1 in unserer Fotostrecke) darauf hin, dass seit Beginn 2016 immer weniger asiatische (Ex-Japan) Unternehmen die Gewinnerwartungen verfehlen. "Das ist die stärkste Verbesserung seit zehn Jahren", merkte Jacob an. Während für das 4. Quartal 2015 rund 60 Prozent der Unternehmen enttäuschten, lag dieser Wert für das zweite Quartal 2016 bei lediglich 43 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der letzten Jahre von etwa 50 Prozent.

Andererseits muss auch angemerkt werden, dass nunmehr aufgrund reduzierter Erwartungen der "Basiseffekt" zum Tragen kommt. Das führt auch dazu, dass seit März 2016 auch das Gewinnmomentum asiatischer Unternehmen wieder zulegt. Spekulanten respektive Investoren antizipierten diese Entwicklung bereits seit Februar 2016: Seitdem werden Gelder aus den OECD-Aktienmärkten abgezogen und zumindest teilweise in Richtung Schwellenländerbörsen gelenkt. "Märkte laufen typischerweise den Gewinn-Erwartungs-Revisionen voraus. Wenn ein Zyklus dreht, ist ein Vergleich von Kurs/Buchwert-Verhältnissen ein besserer Indikator für die Werthaltigkeit von Unternehmen als beispielweise das KGV", erklärte Jacob mit Verweis auf eine Übersicht der wichtigsten Bewertungskennziffern asiatischer Aktienindizes (siehe Fotostrecke Grafik 3).

Niedriges KGV bei chinesischen H-Aktien
"Chinesische Aktien sind nach dortigen Standards derzeit günstig bewertet", merkte Jacobs an. Das KGV der in Hongkong notierten chinesischen "H"-Aktien liegt derzeit bei 8,3 und ist damit im historischen Vergleich am unteren Ende der Bewertungsspanne. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise betrug dieser Wert ca. 31. Auch beim Kurs/Buchwert gelten derzeit H-Aktien mit 1,0 im Vergleich zu Vergangenheit (Top: ca. 5,0 im Jahr 2007) sowie zu US-Aktien als billig.

Für Jacob sollten chinesische Aktien – auch auf Grund der oben genannten positiven Basiseffekte - in den kommenden zwölf Monaten steigen. Vorsicht sei ab 2018 angebracht, weil dann neue Köpfe in die obersten Führungsetagen der Partei und damit des Staates gewählt werden könnten. Allfällig neu nach oben kommende Parteifunktionäre könnten langfristige Reformen lancieren und damit zumindest kurzfristig für Unsicherheit unter den Investoren sorgen.

Schattenbankensystem strenger reguliert
"Die chinesische Regierung kümmert sich um die Lösung der diversen Probleme und widmet sich einem nach dem anderen", sagte Jacob. Betreffend das in den letzten Jahren ausufernde "Peer-to-Peer"-Lending (private Kreditvermittlung) wurden jüngst Gesetze erlassen, die Privaten lediglich eine Aufnahme von jeweils 200.000 Renminbi (ca. 26.700) Euro bei maximal fünf Plattformen erlauben. Bei Unternehmen liegt die Grenze bei einer Million Renminbi (ca. 133.400 Euro) pro Plattform. Diesen "Vermittler" ist ab August das Einlagengeschäft, die Gewährung von Garantien, die Emission von Asset-Backed-Securities oder der Vertrieb von Finanzindustrie untersagt.

Ausländer dürfen Schulden kaufen
Des Weiteren sorgte das kommunistische Regime dafür, dass die von Lokalregierungen lancierten Finanzvehikel ("Local Government Financial Vehikles, LGFV") einen Teil ihrer Schulden über den Rentenmarkt, zum Teil auch über Off-Shore-Transaktionen, refinanzieren konnten. Dadurch gewinnt einerseits der Dim-Sum-Bond-Markt an Volumen, andererseits exportieren die Chinesen allfällige Probleme respektive Schulden ins Ausland. "Das machen aber andere Länder auch", merkte Jacobs wohl mit Blick auf US-Treasuries oder andere Finanzprodukte – insbesondere jene, die vor der Finanzkrise emittiert wurden – an. Falls Investoren Interesse an LGFV-Bonds haben sollten: Die Endfälligkeits-Renditen (YTM) belaufen sich zwischen 3,7 und 3,9 Prozent bei in Renminbi denominierten Papieren. LGFV-Bonds in US-Dollar bringen zwischen 2,5 und 3,5 Prozent Rendite. "Chinas Behörden beweisen seit Jahren eine beachtenswerte Effizienz bei der Lösung struktureller Probleme durch das Finden pragmatischer Lösungen", lobte Jacobs.

Immobilienmarkt schwankt, kollabiert aber nicht
Das zeigt sich auch beim Immobilienmarkt. Dort setzen die Kommunisten auf eine Art "Mikromanagement" in den zahlreichen chinesischen Regionen und Städten und geben je nach Notwendigkeit Gas oder steigen auf die Bremse, um einerseits die zahlreichen chinesischen Immobilienmärkte gesamthaft betrachtet nicht zu überhitzen, andererseits diese auch nicht einstürzen zu lassen. "China hat zahlreiche Instrumente, um die Immobilienmärkte zu beherrschen", erklärte Jacob und erinnerte daran, dass es seit vielen Jahren Warnungen vor dem Platzen einer Immobilienblase in China gibt, die in Folge die Weltwirtschaft massiv belasten würde. Bislang sei aber trotz aller Unkenrufe nichts geschehen. Jacob verwies dabei auf die USA, in der es keine kommunistischen Lenkungsmaßnahmen gab und gibt, sodass eine Kombination von individueller Gier und willigen Kreditgebern zu einer Immobilienblase führte, die bekanntlich ab 2007 platzte. "In China war und ist dies anders, dort regiert der Staat mit eiserner Hand." (aa)

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