EZB-Zinssitzung: Das sagen ausgewählte Experten dazu
Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen am Donnerstag nicht weiter gesenkt. Wie ordnen Experten die Entscheidungen und Ausführungen der Währungshüter ein? Wir haben die wichtigsten Stimmen für Sie zusammengestellt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen erstmals seit mehr als einem Jahr nicht verändert – angesichts einer Inflation beim Zielwert von zwei Prozent und anhaltender Unsicherheit über die US-Zollpolitik, die den Konjunkturausblick für den Euroraum erschwert.
Wie von Volkswirten im Vorfeld weithin erwartet worden war, hat die EZB den Einlagensatz am Donnerstag (24.7.) bei zwei Prozent belassen und nicht weiter gesenkt. Eine klare Aussage über das künftige Vorgehen machten die Währungshüter nicht.
"Umfeld außergewöhnlich unsicher"
"Der binnenwirtschaftliche Preisdruck hat weiter nachgelassen, und die Löhne steigen langsamer", konstatierte die EZB. "In einem schwierigen globalen Umfeld hat sich die Wirtschaft bislang insgesamt widerstandsfähig gezeigt, was zum Teil auf die Zinssenkungen des EZB-Rats in der Vergangenheit zurückzuführen ist. Zugleich ist das Umfeld nach wie vor außergewöhnlich unsicher, vor allem aufgrund von Handelskonflikten."
Die APP- und die PEPP-Bestände verringerten sich in einem "maßvollen und vorhersehbaren Tempo", hieß es angesichts des Umstands, dass das Eurosystem die Tilgungsbeträge von Wertpapieren bei Fälligkeit nicht wieder anlegt.
Lagarde sieht EZB "gut aufgestellt"
EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, die Notenbank sei gut aufgestellt, um andere Herausforderungen neben dem Handel zu bewältigen, darunter die Stärke des Euro und einen bevorstehenden Anstieg der öffentlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung.
Bei der Pressekonferenz bekräftigte Lagarde, dass die Risiken für die Euroraum-Konjunktur weiterhin nach unten tendierten. "Höhere tatsächliche und erwartete Zölle, der stärkere Euro und anhaltende geopolitische Unsicherheiten lassen Unternehmen bei Investitionen zögern", sagte sie. "Eine rasche Lösung der Handels- und geopolitischen Spannungen könnte die Stimmung verbessern und die Konjunktur ankurbeln."
Trump-Frist läuft ab – Diplomaten zuversichtlich
Am 1. August läuft die Frist ab, die US-Präsident Donald Trump der Europäischen Union (EU) für den Abschluss eines Handelsabkommens gesetzt hat. Während Brüssel Gegenmaßnahmen vorbereitet hat, die mit potenziell hohen wirtschaftlichen Kosten verbunden wären, sind Diplomaten, die über die Verhandlungen informiert sind, zuversichtlich, dass Fortschritte in Richtung eines Abkommens mit einem Zollsatz von 15 Prozent erzielt werden. (Bloomberg/ohm)
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