EZB unter Druck: Die Inflation kehrt zurück
Die Inflationserwartungen in der Eurozone ziehen deutlich an und entfernen sich vom EZB-Ziel. Gleichzeitig steigen Zinsfantasien, während sich Konjunkturaussichten und Kreditbedingungen spürbar eintrüben.

Eckpunkte:
- Das Inflationsgespenst schickt sich an zurückzukehren
- Das signalisieren höhere Inflationszahlen und -Erwartungen
Die Inflationserwartungen der Verbraucher im Euroraum sind im März auf breiter Front gestiegen – ein besorgniserregendes Signal für die Europäische Zentralbank (EZB), die die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Wirtschaft bewertet.
Laut der monatlichen EZB-Verbraucherumfrage, die am Dienstag (28.4.) veröffentlicht wurde, erwarten die Befragten, dass die Preise in den kommenden zwölf Monaten um vier Prozent steigen werden – nach 2,5 Prozent im Februar. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.
Die Erwartungen für die nächsten drei Jahre erhöhten sich von 2,5 Prozent auf 3,0 Prozent und liegen damit nur knapp unter dem Höchststand von 3,1 Prozent, der im Oktober 2022 auf dem Höhepunkt der letzten Inflationswelle erreicht worden war.
Langfristige Erwartungen entfernen sich vom Ziel
Für den Zeitraum von fünf Jahren stiegen die Inflationserwartungen leicht von 2,3 Prozent auf 2,4 Prozent. Damit entfernen sie sich weiter vom mittelfristigen Inflationsziel der EZB von zwei Prozent.

Die EZB beobachtet insbesondere, ob die hohen Energiekosten dazu führen, dass Arbeitnehmer höhere Löhne fordern und Unternehmen ihre Preise anheben. Solche Zweitrundeneffekte – über Energiepreise hinaus – könnten Zinserhöhungen auslösen. Allerdings wird für die nächste geldpolitische Entscheidung am Donnerstag (30.4.) noch keine Änderung erwartet.
Anleihemärkte reagieren mit Kursverlusten
Europäische Anleihen gerieten nach Veröffentlichung der Daten unter Druck. Geldmärkte erhöhten ihre Erwartungen für Zinserhöhungen im laufenden Jahr.
Händler preisen derzeit zwei Zinsschritte um jeweils 0,25 Prozentpunkte ein, beginnend im Juni, sowie eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine dritte Anhebung. Die Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen, die die Geldpolitik besonders eng widerspiegelt, stieg um sieben Basispunkte auf 2,64 Prozent – den höchsten Stand seit dem 13. April.
Konfliktdauer bleibt entscheidend
Wie sich die Lage weiter entwickelt, hängt maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab. Friedensgespräche haben bislang keine nachhaltige Lösung hervorgebracht.
"Je länger der Konflikt dauert und je größer die Schäden sind, desto schwerwiegender sind die negativen Auswirkungen", erklärte EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir dazu vergangene Woche. "Während vor wenigen Monaten noch über eine mögliche Zinssenkung gesprochen wurde, diskutieren wir heute die Möglichkeit, dass eine leichte Erhöhung notwendig sein könnte."
Konjunkturaussichten verschlechtern sich
Die Umfrage zeigt zudem eine Eintrübung der wirtschaftlichen Erwartungen der Verbraucher. Für die kommenden zwölf Monate rechnen sie nun mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 2,1 Prozent – nach minus 0,9 Prozent im Februar.
Gleichzeitig stiegen die Erwartungen für die Arbeitslosenquote im kommenden Jahr von 10,8 Prozent auf 11,3 Prozent.
Banken verschärfen Kreditstandards
Als weiteres Signal für wirtschaftlichen Gegenwind verschärften Banken im Euroraum zu Beginn des Jahres 2026 ihre Kreditstandards für Unternehmen so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. "Wahrgenommene Risiken für den Wirtschaftsausblick und eine geringere Risikobereitschaft der Banken waren die Hauptfaktoren", heißt es in der vierteljährlichen EZB-Umfrage zur Kreditvergabe.
Als Gründe nannten die Institute unter anderem "geopolitische und energiebezogene Entwicklungen", die einen bereits bestehenden Trend zur Verschärfung verstärkt hätten. (mb/Bloomberg)



