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EZB-Strategieüberprüfung richtig, Befragung der Öffentlichkeit nicht

Die EZB überprüft ihre Geldpolitik nach 17 Jahren erstmalig wieder grundsätzlich und will sie bis Ende 2020 abgeschlossen haben. In der Öffentlichkeit ein umstrittener Zeitplan. Unter den Investment Professionals in Deutschland stößt der Zeitplan auf breite Zustimmung. Dies ergab eine DVFA-Umfrage.

Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA
Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA
© DZ Bank

Bei einzelnen Fragen zur Ausrichtung der Geldpolitik gibt es aber unterschiedliche Auffassungen unter den Investment Professionals, die in der DVFA (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V.) Mitglied sind.

Inflationsziel ohne klares Meinungsbild
Insgesamt halten 89 Prozent der Befragten den Zeitplan für ausreichend (sehr gut, das ist genug Zeit) oder für gut, aber ambitioniert. Befragt nach dem Inflationsziel der Notenbank gehen die Meinungen auseinander. Die größte Gruppe (39 Prozent) sind der Meinung, das Inflationsziel sollte zwei Prozent betragen, verbunden mit einem Toleranzband. Immerhin noch 19 Prozent sind für die Beibehaltung des Inflationsziels von „unter, aber nahe bei zwei  Prozent“. 18 Prozent hielten es für richtig, dass die Ziel-Teuerung deutlich unter zwei Prozent gesetzt werden soll, um sich der Teuerung der vergangenen Jahre anzupassen. Immerhin noch 14 Prozent der Befragten sind der Auffassung, es solle symmetrisch bei zwei Prozent liegen, also nach längerer Zeit unter zwei Prozent auch eine gute Weile über diesem Wert liegen dürfen. Zehn Prozent halten keinen dieser Vorschläge für angemessen.

Einbeziehung von Klimaaspekten in Geldpolitik wird mehrheitlich als falsch angesehen
Befragt nach ihrer Meinung, wie sie die Überlegung einschätzen, die EZB solle eine Rolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen und etwa beim Anleihenkaufprogramm Klimaaspekte in die Geldpolitik miteinbeziehen, antworteten 58 Prozent sie hielten diese Überlegungen für falsch oder eher falsch. 42 Prozent dagegen halten diese für richtig oder eher richtig. Erwähnenswert, dass die größte Gruppe (37 Prozent) die eindeutige Meinung vertreten, die Überlegungen seien falsch.

Öffentlichkeit und Politik in Strategiedebatte eher nicht erwünscht
Eindeutiger antworteten die Investment Professionals in Deutschland auf die Frage, was sie von der Einbeziehung von selbst genutztem Wohnraum in die Inflationsmessung halten. 40 Prozent halten das für richtig, weitere 32 Prozent für eher richtig. Lediglich zehn Prozent halten das für falsch, 18 Prozent für eher falsch. Dagegen lehnt eine deutliche Mehrheit die Einbeziehung der Öffentlichkeit und der Politik in die Debatte um die künftige Strategie der EZB-Politik ab. 35 Prozent halten das für falsch, 29 für eher falsch, nur 14 Prozent würden dies klar befürworten. In den Kommentaren wird mehrfach auf die Unabhängigkeit der Notenbank verwiesen.

Kommunikation der EZB-Politik: nach außen hin Einigkeit, offene Diskussion nach innen
Sehr eindeutig äußerten sich die Investment Professionals auf die Frage, was sie vom Bemühen der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde um eine einheitlicher Kommunikation der EZB-Politik durch die nationalen Notenbank Gouverneure in der Öffentlichkeit halten, wenn im Gegenzug die interne Debattenkultur der EZB gestärkt würde. 39 Prozent halten diese Bemühungen für richtig, 40 Prozent für eher richtig, nur acht Prozent halten sie für falsch.

Thema geht den DVFA-Mitgliedern unter die Haut
„Das Thema geldpolitische Strategie bewegt unsere Mitglieder. Das zeigt die auffallend hohe Zahl der abgegebenen, engagierten aber sehr sachlichen und begründeten Kommentare, die in der Sache die Ergebnisse der Umfrage weitgehend spiegeln“, sagt Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA. „Die Umfrage belegt, dass eine Diskussion um das Inflationsziel der EZB zu führen ist und dass die Einbeziehung von selbst genutztem Wohnraum bei der Inflationsmessung klar befürwortet wird. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen aber vor allem: Die Überprüfung der Strategie der EZB ist an der Zeit.“ (kb)
 

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