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EZB: Sie will doch nur spielen ...

Nicht zuletzt das Argument, auf die durchschnittliche Inflationsrate zu blicken, erlaubt der EZB laut Einschätzung von Baadermarkets, die Leitzinsen bis 2024 – wenn nicht sogar länger – unangetastet zu lassen. Die Trennung zwischen Geld-, und Finanzpolitik verschwimmt somit weiter.

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Angeblich will die EZB nur spielen – bleibt zu hoffen, dass diese Einschätzung stimmt ...
© Igor Normann / stock.adobe.com

Laut der Einschätzung von Baadermarkets lautet das aktuelle Marktmotto gegenüber der EZB: "Keine Angst, die EZB beißt nicht, sie will nur spielen." Denn trotz Anhebung der Inflationsprognosen hält die EZB unbeirrt an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Das dahinter stehende Argument: Nach Auslaufen der Nachholeffekte infolge der Wirtschaftswiederöffnung gehe die Inflation ab 2022 wieder zurück. "Dieses Alibi erlaubt ihr weiterhin das reibungslose Management der Über- und Neuverschuldung und die zinsgünstige Finanzierung von Klimaschutz, Standortverbesserungen und europäischem Zusammenhalt. Damit ist auch klar: EZB und Aktienmärkte bleiben beste Freunde", wie es in der Einschätzung heißt, die wir in weiterer Folge gekürzt weitergeben:

"Zwar signalisiert die abflachende Dynamik der Industriestimmung, dass Konjunktur-Bäume nicht in den Himmel wachsen. Durch das Ende der Lockdowns in der Eurozone hellt sich dennoch die Stimmung der Dienstleister auf, die auf den höchsten Stand seit Juni 2018 steigt. Insgesamt hebt die EZB ihre Konjunkturprojektionen an: 2021 4,6 nach zuvor 4,0 Prozent; 2022 4,7 nach zuvor 4,1 Prozent; 2023 unverändert 2,1 Prozent.

Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund misst die EZB dem jüngsten Inflationsanstieg jedoch keine hervorgehobene Bedeutung bei. Schon gar nicht sieht sie die Gefahr einer nachhaltigen Inflationierung aufgrund einer sich selbst verstärkenden Spirale aus steigenden Löhnen und Verkaufspreisen. Nach dem die Basiseffekte abgearbeitet sind, geht sie von einem Rückgang der Inflation aus. Trotz Anhebung für 2021 (1,9 nach 1,5 Prozent) und 2022 (1,5 nach 1,2 Prozent) bleibt ihr Inflationsausblick insgesamt verhalten. 2023 geht sie unverändert von Preissteigerungen von 1,4 Prozent aus.

Zauberwort: Durchschnittlich
Entsprechend will die EZB ihre Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau belassen, bis sich eine Preissteigerung von durchschnittlich zwei Prozent einstellt. „Durchschnittlich“ heißt dabei, dass nach langem Unterschreiten auch ein vorübergehendes Überschießen oberhalb von ihrem Inflationsziel von zwei Prozent zu keiner Restriktion führt, sondern toleriert wird. Gemäß dieser Lesart sind Zinssteigerungen, wenn überhaupt, vor 2024 ausgeschlossen.

EZB - Stabilitätspolitisch rechts blinken, aber links abbiegen
Daneben will die EZB das sogenannte „front loading“ fortsetzen. Mit vorgezogenen Anleihenkäufen wirkt sie weiterhin unerwünschten Renditeanstiegen bei Staatsanleihen der Eurozone entgegen. Auch will die EZB ihr Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) mindestens bis März 2022 und in jedem Fall so lange durchführen, bis die Corona-Krise vollständig überstanden ist. Die Erhaltung der „vorteilhaften Finanzierungsbedingungen“ zur nachhaltigen Konjunkturerholung soll bloß nicht enden, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.

Damit ist die Diskussion über mögliche Drosselungen ihrer Anleihenaufkäufe vom Tisch. Die Liquiditätsschwemme findet kein Ende. Selbst wenn sie PEPP im März 2022 planmäßig auslaufen ließe, könnte sie ihre konventionellen Anleihenaufkäufe (PSPP) von aktuell 20 Mrd. pro Monat kompensierend erhöhen. Und um sich größtmögliche Flexibilität zu sichern, könnte sie sogar auf feste monatliche Beträge verzichten und diese bei notwendigen „Renditedrückungen“ nach Bedarf anpassen.

Angesichts dieser geldpolitischen Strategie vollzieht die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen den Auftrieb der Inflationserwartungen entgegen eines historisch engen Gleichlaufs nur schwach nach.

Mittlerweile zeigt die Stabilitätsreligion der EZB deutliche Säkularisierungszüge. Dabei scheint man auch die Annehmlichkeit zu genießen, dass Zinsen, die unterhalb der Preissteigerung liegen, Staatsschulden weginflationieren. Und wo es keine hohen Kreditzinsen gibt, kann es auch keine ordentlichen Anlagezinsen geben. Zinssparen ist -  insbesondere nach Inflation - geplante Vermögensvernichtung.

Zunehmend diffuse Abgrenzung
Insgesamt, mit der Aufrechterhaltung eines zinsgünstigen Liquiditätsangebots sind der klimaneutrale Umbau der Eurozone und neue Konjunktur- und Infrastrukturprogramme gesichert. Die früher noch stabilitätspolitisch gebotene Trennung von Geld- und Finanzpolitik ist einer zunehmenden Diffusion gewichen. Und wenn EZB-Präsidentin Lagarde ausdrücklich erklärt, dass eine frühzeitige Beendigung der fiskalpolitischen Impulse konjunkturell kontraproduktiv wäre, ist völlig klar, dass die EZB noch lange die Erfüllungsgehilfin der Euro-Regierungen bleibt. Sie entfernt sich weiter vom kritischen Stabilitätsgeist der Deutschen Bundesbank und nähert sich immer mehr dem willigen Fleisch der Fed an", wie es bei Baadermarkets heißt. (hw)

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