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EZB-Schritt im September: Wenn aus Konsens ein Signalmix wird

Sieben Wochen vor der nächsten EZB-Sitzung halten sich die meisten Ratsmitglieder mit klaren Markt-Signalen zurück. Hinter der öffentlichen Diskretion zeichnen sich wahrscheinlich unterschiedliche Positionen ab. Marktteilnehmer waren gehen eher von einem Zinsschritt im September aus.

EZB-Präsidentin Chrstine Lagarde hat für die nächste Sitzung einiges zu bedenken. Der fixe September-Schritt ist inzwischen vor alle eines: Nicht fix.
EZB-Präsidentin Chrstine Lagarde hat für die nächste Sitzung einiges zu bedenken. Der fixe September-Schritt ist inzwischen vor alle eines: Nicht fix.© Alex Krause / Bloomberg

ECKPUNKTE:

  • Die EZB beließ den Einlagensatz einstimmig bei 2,25 Prozent.
  • Für September vermeiden die meisten Ratsmitglieder eine klare Festlegung.
  • Marktteilnehmer rechnen unter anderem mit Anhebungen im September und Dezember.

Nach dem einstimmigen Beschluss, die Zinsen unverändert zu lassen, treten im EZB-Rat unterschiedliche Einschätzungen über das weitere Vorgehen hervor. Wie Bloomberg berichtet, hatten einige Mitglieder bereits eine sofortige Anhebung erwogen, bevor sich der Rat geschlossen für eine Zinspause entschied.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel und Frankreichs Notenbankchef Emmanuel Moulin vermieden anschließend klare Signale für die nächste Sitzung. Nagel verwies auf die hohe Unsicherheit sowie neue Daten und Projektionen, die bis dahin vorliegen werden. Moulin sieht vor allem das Risiko, dass steigende Ölpreise auf Dienstleistungen und Transportkosten durchschlagen. Entscheidend seien Ausmaß und Dauer des Preisschocks. Nach der jüngsten Ausweitung des Nahostkonflikts war der Ölpreis erstmals seit zwei Monaten wieder über 100 Dollar gestiegen.


Die wiederkehrende Angst vor der Inflation spricht für einen Zinsschritt im September; Quelle: Bloomberg


Wie Institutional Money gestern berichtete, hielten diverse Asset Manager in ihren ersten Reaktionen einen weiteren Zinsschritt im September für wahrscheinlich. Aviva Investors wertete allerdings die darüber hinausgehenden Markterwartungen als zu ambitioniert. Die nun folgenden Wortmeldungen aus dem EZB-Rat zeigen, dass auch unter den Währungshütern über den weiteren Pfad keineswegs Einigkeit herrscht.

Österreichischer Notenbank-Chef: Alles offen
Österreichs Nationalbankchef Martin Kocher bezeichnete die September-Sitzung als offene Entscheidung zwischen Anhebung und Beibehaltung. Ähnlich zurückhaltend äußerten sich Vertreter aus Estland, Irland, Kroatien und Finnland. Der litauische Notenbankchef Gediminas Simkus positionierte sich dagegen klarer: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen steigen, ist deutlich höher als die, dass sie nicht steigen.“

Auch die jüngsten Konjunkturdaten liefern kein eindeutiges Bild. Die Aktivität im privaten Sektor der Eurozone erreichte ein Fünfmonatshoch, während die kurzfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher laut einer EZB-Umfrage deutlich zurückgingen. Bis September dürften zwei weitere Inflationswerte, neue Projektionen und zusätzliche Unternehmensumfragen vorliegen.

Allerding gilt auch weiterhin, dass an den Märkten die Erwartung einer Straffung überwiegt. Händler rechnen mit einem Schritt im September und einer weiteren Anhebung im Dezember. Die Wahrscheinlichkeit eines zusätzlichen Zinsschritts bis Mitte 2027 wird mit 80 Prozent bewertet. Der Einlagensatz würde damit auf drei Prozent steigen. (bloomberg/hw)

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