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EZB: Geheimwaffe gegen Stress am Rentenmarkt bleibt Top Secret

Die Europäische Zentralbank ist informierten Kreisen zufolge entschlossen, ihre Pläne zur Bekämpfung von Stress an den Anleihemärkten nicht vorab preiszugeben. Das soll auch verhindern, dass Deutschland respektive Karlsruhe dagegen Einspruch erhebt und diese "Geheimwaffe" stumpf macht.

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Die Geheimwaffe der EZB wird wahrscheinlich darin bestehen, bei ausgewählten Staaten respektive deren Emissionen über Offenmarktgeschäfte mit voller Wucht die Spekulanten am falschen Fuß zu erwischen.
© Jiri Vondrous / stock.adobe.com

Immer mehr EZB-Ratsmitglieder aus allen Lagern sind überzeugt davon, dass es wenig Vorteile brächte, ein spezifisches Kriseninstrument vorzeitig zu präsentieren, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Bloomberg. Sie befürchten, dass dies Marktteilnehmer dazu einladen würde, die Notenbank auf die Probe zu stellen, heißt es. Auch eine Anfechtung vor dem Bundesverfassungsgericht wird befürchtet, wenn zu viele Details vorab bekannt werden.

Lieber würden die Währungshüter abwarten, bis eine konkrete Bedrohung eintritt. In diesem Fall wäre der Wille zum Handeln groß. Ein EZB-Sprecher lehnte Bloomberg zufolge eine Stellungnahme ab.

Italiens zehnjährige Staatsanleiherendite im Steigflug

Zu Wochenanfang war die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen erstmals seit 2014 über die Marke von vier Prozent geklettert, bevor sie am Dienstagmorgen wieder etwas unter vier Prozent fiel. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen ist derzeit so groß ist wie seit Mai 2020 nicht.

Hohe Inflation zwingt Anleihenkurse in die Knie
Einen Ausverkauf gab es bereits am Donnerstag, als die EZB Pläne zur Rücknahme ihrer Konjunkturstützung vorstellte, ohne Informationen über ein mögliches neues Instrument zur Bewältigung der Marktspannungen zu geben. Am Freitag zeigten Daten aus den USA die stärkste Inflation seit vier Jahrzehnten, was einen globalen Bondmarkteinbruch nach sich zog.

Die Marktbewegungen in der Eurozone deuten darauf hin, dass die Anleger, die sich an massive Anleihe-Interventionen der Zentralbank gewöhnt haben, nicht ganz überzeugt sind, dass die EZB die Zinsen anheben und gleichzeitig die Anleiherenditen der am höchsten verschuldeten Mitglieder der Region in Schach halten kann.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde versuchte letzte Woche, die Skepsis der Anleger zu entkräften, indem sie argumentierte, dass die Institution in der Vergangenheit schnell auf Turbulenzen reagiert habe und bereit sei, bei Bedarf neue Instrumente zu schaffen. Für den Moment versprechen die Währungshüter, die Erlöse aus fällig werdenden Anleihen aus ihrem Pandemie-Portfolio zu verwenden, um Spannungsherde zu bekämpfen.

Auffangmaßnahmen
Das Zögern der Währungshüter, ihre Karten auf den Tisch zu legen, ist der Höhepunkt einer langen Debatte über taktische Überlegungen zu den Auffangmaßnahmen, während die EZB zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren die Zinsen anhebt.

Im April wurde erstmals bekannt, dass die EZB damit begonnen hat, Optionen für ein Kriseninstrument zu prüfen, das im Falle eines drastischen Anstiegs der Anleiherenditen in den schwächeren Volkswirtschaften der Eurozone eingesetzt werden könnte. Die Ratsmitglieder hatten bereits im letzten Jahr über ein solches Instrument diskutiert.

Deutscher Verfassungsgerichtshof wird ausgehebelt, deutsche Haftung wird größer
Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung ist, dass die Veröffentlichung eines Plans zu einer rechtlichen Anfechtung führen könnte, insbesondere in Deutschland, wo das Verfassungsgericht in der Vergangenheit die Verhältnismäßigkeit der quantitativen Lockerung in Frage gestellt hat. Es wäre einfacher, diesen Test zu bestehen, wenn das Instrument eine Reaktion auf eine bestimmte Situation ist.

Hinzu kommt ein geringer aktueller Leidensdruck. Das Risiko einer unmittelbaren Gefährdung der Schuldentragfähigkeit der Staaten ist derzeit gering, da viele Euro-Mitglieder die Jahre der Niedrigzinsen genutzt haben, um die durchschnittliche Laufzeit der ausstehenden Anleihen zu erhöhen, was sie von kurzfristigen Renditeschwankungen abschirmt, hält Bloomberg abschließend fest. (aa)

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