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EZB-Direktorin will Zinserhöhung: "Abwarten ist keine Option mehr"

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hält eine Zinserhöhung im Juni auch dann für notwendig, wenn der Nahostkonflikt rasch beendet würde. Der Energieschock wirke bereits zu stark auf Inflation und Wachstum.

Isabel Schnabel, EZB: "Aus heutiger Sicht denke ich, dass eine Zinserhöhung im Juni notwendig sein wird."
Isabel Schnabel, EZB: "Aus heutiger Sicht denke ich, dass eine Zinserhöhung im Juni notwendig sein wird."© Ben Kilb / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Isabell Schnabel wird ihrem Ruf als geldpolitischer Falke gerecht
  • Angesichts steigender Inflationsraten sei ein Zinsschritt nach oben im Juni opportun

Die Europäische Zentralbank sollte die Zinsen im kommenden Monat anheben, selbst wenn es zu einer schnellen Lösung des Konflikts im Nahen Osten kommt. Das sagte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel der Nachrichtenagentur "Reuters" zufolge.

"Angesichts des Ausmaßes und der Dauerhaftigkeit des aktuellen Schocks ist ein Abwarten aus meiner Sicht keine Option mehr", wurde sie zitiert. "Aus heutiger Sicht denke ich, dass eine Zinserhöhung im Juni notwendig sein wird."

Energieschock belastet Inflation und Lieferketten
In dem am Dienstag (26.5.) veröffentlichten Interview sagte Schnabel, dass "selbst dann, wenn der Krieg heute enden würde, bereits erheblicher Schaden an der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten entstanden ist".

"Deshalb glaube ich, dass selbst dann eine geldpolitische Reaktion notwendig wäre", sagte sie. Zugleich betonte sie laut "Reuters", dass sich die EZB über Juni hinaus nicht festlegen sollte.

An den Märkten wird weithin erwartet, dass die EZB die Kreditkosten am 11. Juni um 25 Basispunkte anheben wird, nachdem die stark gestiegenen Energiepreise die Inflation in der Region nach oben treiben. Einige Währungshüter haben jedoch vor einer zu restriktiven Geldpolitik gewarnt, da der Krieg die Konjunktur belastet.

Neue Szenarien im Fokus
Für die Sitzung werden zudem neue Projektionen erwartet. Die EZB-Mitarbeiter sollen drei Szenarien aktualisieren – ein Basisszenario sowie ein negatives und ein schweres Szenario. Diese Prognosen dürften eine zentrale Rolle bei den nächsten Entscheidungen der EZB spielen.

Der Energieschock bedeute, dass man "hinsichtlich der Dauerhaftigkeit inzwischen sogar über das negative Szenario hinausgegangen ist, das von einer raschen Normalisierung der Ölpreise ausgegangen war", sagte Schnabel.

Hinweise auf Zweitrundeneffekte
Im Gegensatz zu einigen eher zurückhaltenden Kollegen verwies Schnabel auf erste Hinweise auf sogenannte Zweitrundeneffekte. "Wir sehen zunehmende Anzeichen dafür, dass sich der Schock auf andere Bereiche des Warenkorbs ausweitet", sagte sie. Zudem warnte sie: "Angesichts der hohen Dauerhaftigkeit des Schocks glaube ich, dass die negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum ebenfalls stärker ausfallen werden."

"Wir haben einen deutlichen Rückgang der Vertrauensindikatoren gesehen, insbesondere bei den Verbrauchern", sagte Schnabel. "All das bedeutet Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation." (mb/Bloomberg)

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