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EZB-Direktorin stellt Zukunft von Stablecoins infrage

Die EZB sieht in Stablecoins Chancen, aber auch erhebliche Risiken für Finanzstabilität und Geldpolitik. Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel plädiert daher für eine Stärkung des öffentlichen Geldes als Anker des Finanzsystems.

Isabel Schnabel, EZB: "Es bleibt abzuwarten, ob Stablecoins in einem solchen Umfeld ihren Platz im Finanzsystem finden können, so wie Geldmarktfonds dies vor 50 Jahren geschafft haben – oder ob andere Innovationen wie tokenisierte Einlagen die vielversprechendere Alternative sein werden."
Isabel Schnabel, EZB: "Es bleibt abzuwarten, ob Stablecoins in einem solchen Umfeld ihren Platz im Finanzsystem finden können, so wie Geldmarktfonds dies vor 50 Jahren geschafft haben – oder ob andere Innovationen wie tokenisierte Einlagen die vielversprechendere Alternative sein werden."© Matt McClain / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Öffentliches Geld soll der Anker des Systems bleiben
  • Stablecoins haben zwar Vorteile, bergen jedoch auch Risiken

Stablecoins bergen eine Reihe von Risiken für die Finanzstabilität und die Geldpolitik. Die beste Antwort der Europäischen Zentralbank (EZB) darauf sei es, sicherzustellen, dass öffentliches Geld der Anker des Systems bleibt. Das sagte Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel einem Bloomberg-Bericht zu folge.

Private geldbezogene Innovationen wie Stablecoins könnten zwar "erhebliche Vorteile" bieten. Gleichzeitig könnten diese Instrumente in Stressphasen das Risiko von Bank Runs im Finanzsystem erhöhen, die Übertragung geldpolitischer Zinsentscheidungen schwächen und die internationale Dominanz des US-Dollar weiter festigen, sagte sie am Montag (1.6.) in Seoul.

EZB setzt auf digitalen Euro
Deshalb müssten "Zentralbanken und Regulierungsbehörden bereit sein, Regulierung, geldpolitische Umsetzung und Zahlungsinfrastruktur flexibel anzupassen, um die Finanzstabilität zu sichern, die geldpolitische Kontrolle zu bewahren und die Rolle ihrer Währung im digitalen Zeitalter zu verankern", sagte die deutsche Notenbankerin auf einer Konferenz der Bank of Korea.

Die Strategie der EZB stütze sich auf den digitalen Euro als digitale Zentralbankwährung für Privatkunden sowie auf tokenisiertes Zentralbankgeld als digitale Zentralbankwährung für den Großhandel, erklärte Schnabel.

Unterdessen nimmt die Vorbereitung des digitalen Euro konkrete Formen an. Wie das "Handelsblatt" berichtet, haben die Deutsche Bank, die DZ Bank und die Helaba der EZB ihr Interesse an einer Teilnahme an der für das kommende Jahr geplanten Pilotphase signalisiert. Die Institute hatten sich in der Vergangenheit teils kritisch zu dem Projekt geäußert. Die Deutsche Bank erklärte, sie habe sich beworben, um dabei zu helfen, den digitalen Euro "gut in die europäische Zahlungslandschaft zu integrieren".

Dollar-Dominanz könnte zunehmen
Begünstigt durch den Vorstoß von US-Präsident Donald Trump, Kryptowährungen stärker im Mainstream zu verankern, haben Stablecoins, die überwiegend an den US-Dollar gekoppelt sind, im vergangenen Jahr stark an Popularität gewonnen. Einige internationale Regulierungs- und Aufsichtsbehörden warnten jedoch vor möglichen Gefahren für die Finanzstabilität.

Der Boom hat zudem Befürchtungen ausgelöst, dass sich solche Instrumente auch in Europa etablieren könnten. Dies könnte die Banken der Region und die geldpolitische Souveränität Europas gefährden. Gleichzeitig wurde die Frage aufgeworfen, ob Europa eine eigene Variante benötigt. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sprach sich im Februar für Euro-denominierte Stablecoins aus, während EZB-Präsidentin Christine Lagarde im vergangenen Monat einen deutlich kritischeren Ton anschlug.

Technologie wichtiger als das Instrument
Mit Verweis auf Lagardes Rede betonte Schnabel am Montag, dass "viele der Vorteile von Stablecoins aus der Technologie resultieren, auf der sie basieren, und nicht aus den Eigenschaften des Instruments selbst".

Zugleich äußerte sie Vorbehalte hinsichtlich des langfristigen Erfolgs: "Es bleibt abzuwarten, ob Stablecoins in einem solchen Umfeld ihren Platz im Finanzsystem finden können, so wie Geldmarktfonds dies vor 50 Jahren geschafft haben – oder ob andere Innovationen wie tokenisierte Einlagen die vielversprechendere Alternative sein werden."

Unterstützung für US-Geldpolitik?
Schnabel äußerte sich einen Tag, nachdem Fed-Direktor Christopher Waller erklärt hatte, die weltweite Verbreitung von Stablecoins könnte die Reichweite der US-Geldpolitik vergrößern. Zugleich stellte er den Nutzen digitaler Zentralbankwährungen infrage und bezeichnete diese als eine "dumme Sache". (mb/Bloomberg)

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