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EZB-Direktor fordert mehr Unabhängigkeit

Laut Ansicht von EZB-Direktoriumsmitglied Frank Elderson muss Europa angesichts des Iran-Kriegs die Energiewende stärken und damit unabhängiger von fossilen Rohstoffen werden.

Frank Elderson, EZB
Frank Elderson, EZB© European Central Bank

Eckpunkte:

  • EZB-Direktor fordert in einem Gastbeitrag mehr Anstrengungen in der Energiewende
  • Erneuerbare Energien sollten mehr Bedeutung bekommen
  • Im Gegenzug entstehen jedoch Versorgungsrisiken, falls es längere "Dunkelflauten" geben sollte

Steigende Energiekosten infolge des Kriegs im Nahen Osten führen Europa erneut vor Augen, wie dringend die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert werden muss. Darauf weist EZB-Direktoriumsmitglied Frank Elderson laut Bloomberg in einem Gastbeitrag für die "Financial Times" hin.

Abhängigkeit
Die Energieabhängigkeit des Kontinents sei zu einer kritischen Schwachstelle geworden. Bereits Russlands Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 habe diese offengelegt. Die Reaktion der Öl- und Gaspreise auf den Iran-Krieg und die Vergeltungsschläge Teherans zeige nun, “wie wenig sich diese Abhängigkeit verändert hat”.

“Europa kann geopolitische Risiken nicht beseitigen, aber es kann seine Anfälligkeit dafür erheblich verringern”, schrieb Elderson. “Der wirksamste Weg dorthin ist, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren und den geordneten Übergang zu heimischer sauberer Energie zu beschleunigen.”

Sollte Europa seine Ziele im Bereich erneuerbarer Energien erreichen, würde sich zudem “die Verbindung zwischen inländischen Energiepreisen und volatilen globalen Energiemärkten deutlich abschwächen”.

Im Euroraum stieg die Inflation im vergangenen Monat so stark wie seit 2022 nicht mehr, nachdem der Krieg im Iran die Energiekosten deutlich nach oben getrieben hatte. Notenbanker, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde, signalisierten, sie seien bereit zu reagieren, falls die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten. An den Märkten wird in diesem Jahr mit mindestens zwei Zinserhöhungen gerechnet.

Stagflation droht
Wiederholte Energieschocks erschwerten es der Europäischen Zentralbank zunehmend, ihr Inflationsziel von zwei Prozent verlässlich zu erreichen, so Elderson. In einem schweren Szenario könnte die Inflation in der 21 Länder umfassenden Eurozone laut EZB-Schätzungen über sechs Prozent steigen, während die Wirtschaft in diesem Jahr in eine Rezession abrutscht.

Makroökonomische Stabilität und gesundheitliche Vorteile
Die Nutzung heimischer, sauberer und nachhaltiger Energie würde dagegen die makroökonomische Stabilität stärken, langfristige Kosten senken, das Wachstum fördern, gesundheitliche Vorteile bringen und Europas strategische Autonomie erhöhen, erklärte Elderson.

“Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob Europa sich die Energiewende leisten kann”, schrieb er. “Es geht darum, ob es sich leisten kann, sie nicht umzusetzen. Aus Sicht einer Zentralbank ist die Antwort klar.” (aa)

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