Eyb & Wallwitz: Bankensektor fundamental solide
Das höhere Zinsniveau macht Banken mittelfristig attraktiv, so John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz. Banken seien fundamental solide aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr.
Eckpunkte:
- Erhöhte M&A, bzw. IPO-Aktivitäten nutzen Investment-Banken
- Banken mit Kreditvergabe-Fokus interessant, insbesondere in Japan
- In Europa eher Peripherie: Spanien und Italien
- Bankenanleihen: fundamental so solide wie Jahre nicht
In der laufenden Berichtssaison haben Banken weltweit positiv überrascht und zum Teil Rekordergebnisse präsentiert, berichtet Eyb & Wallwitz. „Aus Investorensicht ist es sinnvoll, die Gewinnentwicklung im Bankensektor differenziert zu betrachten. Eine Bank mit großem Investmentbanking-Arm profitiert im aktuellen Umfeld deutlich von hoher Kapitalmarktvolatilität im Handelsgeschäft sowie vom spezifischen Finanzierungsbedarf und der erhöhten M&A-/IPO-Aktivität. Banken mit ausgeprägtem Kreditvergabe-Fokus profitieren dagegen von einem hohen Zinsniveau sowie einer steilen Zinskurve. Aktuell würden wir letzteren den Vorzug geben“, schreibt John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz. „Allerdings sind Anlagen in Bankaktien und -Anleihen nur dann sinnvoll, wenn das ökonomische Umfeld stabil bleibt. Japanische Banken sind aufgrund ihrer Größe und der lokalen Marktdynamik interessant. In Europa sind Banken aus der Peripherie oder mit über mehrere Geschäftsbereiche diversifizierter Aufstellung einen Blick wert, ebenso die großen US-Banken“, so Petersen.
Spanische und italienische Banken im Vorteil
Die entscheidende Frage in Europa sei jedoch die Einlagenseite auf Ebene der einzelnen Bank – sprich, wie stark sich die Verzinsung der Einlagen relativ zum Kreditbuch anpasst, so Petersen. „Französische Banken sind hier durch regulierte, staatlich gesetzte Sparzinsen benachteiligt, während spanische und italienische Banken profitieren, da weniger Relativ-Wettbewerb um Einlagen besteht und sie diese nicht so schnell an die EZB-Leitzinsen anpassen müssen. Viele Banken können ihr Zinseinkommen zudem über gesundes Kreditwachstum gut steuern.
Viel Wettbewerb in Amerika
In den USA sei die Einlagendynamik stärker vom Wettbewerb geprägt, der trotz kräftigen Kreditwachstums auf die Zinsmargen drücke. Es lohne sich hier, über eine bedeutende Größe zu verfügen, um nicht zu stark von lokalem Wettbewerb abhängig zu sein.
Regulatorische Entlastung
Insgesamt dürfte die Regulatorik aus Sicht von Petersen zusätzlich unterstützend wirken: „Sowohl in den USA als auch in Europa zeichnet sich eine Entlastung bei den Leverage-Ratio-Anforderungen und Kapitalpuffern ab, die den Banken zusätzliche Bilanzkapazität verschafft.“ In den USA erleichtere die rekalibrierte Leverage Ratio zudem das Halten von Staatsanleihen und die Intermediation im Treasury-Markt, was in höheren Erträgen münden könne.
Senior-Bonds mit Renditeaufschlag
Mit Blick von der Anleiheseite blieben Banken weiterhin interessant, da sie fundamental so solide aufgestellt seien wie seit Jahren nicht mehr. Die Profitabilität habe sich stark verbessert, die Kapitalisierungsmetriken seien solide, und Asset-Qualität sowie Risikovorsorgetendenzen seien nicht besorgniserregend. „Dabei bieten Senior-Bankanleihen weiterhin einen interessanten Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen oder ähnlich gerateten Unternehmensanleihen bei moderaten Laufzeiten. Nachranganleihen bzw. AT1-Papiere können angesichts der soliden Bilanzen ebenfalls interessant sein; allerdings sind die Renditeniveaus hier relativ zu den historischen Niveaus bereits sehr niedrig, was sie insbesondere im Falle von Kapitalmarktverwerfungen anfällig macht.“ (de)