Experte: "ETF-Markt spaltet sich in zwei Lager"
Im Sektor der börsengehandelten Investmentfonds wird es für die Mitte zunehmend eng. Wirtschaftlich sinnvoll betreiben lasse sich ein ETF-Angebot absehbar nur noch auf zwei Arten. Davon jedenfalls ist der britische ETF-Experte Michael O'Riordan überzeugt.

Eckpunkte:
- Die Mitte im ETF-Markt wird sterben
- Entweder günstig oder wirklich von der Masse abheben
- Wie höhere Gebühren noch verteidigt werden können
Vor einer Art Weggabelung sieht Michael O'Riordan die künftige Entwicklung am ETF-Markt. "Auf der einen Seite wird das Engagement in Kernanlagen immer günstiger, da Vanguard die Gebühren für 15 währungsgesicherte UCITS-ETF-Anteilsklassen gesenkt hat und damit den alten Wettlauf nach unten bei standardisierten Beta-Produkten fortsetzt", erklärt der Gründer des in London ansässigen Beratungshauses Blackwater ETF, in einer aktuellen Aussendung. Am anderen Ende würden Emittenten Produkte forcieren, bei denen höhere Gebühren noch verteidigt werden könnten.
Als Beispiel für Letzteres nennt er die Strategie eines Anbieters wie Goldman Sachs, der seinen ersten Bitcoin-ETF mit einem Optionsertragsanteil beantragt hat. Bereits live sei mit dem IMGP Sirios Absolute Return Fund ETF Europas erster Performance-Fee-ETF. Und BlackRock habe gerade einen starken Gewinnanstieg gemeldet, der durch starke ETF-Zuflüsse und einen Sprung bei den Performance-Gebühren begünstigt worden sei.
Eine neue Wirtschaftlichkeit
Entscheidend sei angesichts dessen nicht einfach, dass das Angebot immer weiter wachse. "Es geht darum, dass sich die Wirtschaftlichkeit von ETFs zunehmend polarisiert", so O'Riordan. Plain-Vanilla-Beta würden zwar derzeit noch Kapital anziehen, doch die Wachstumsdiskussion drehe sich zunehmend um aktive, strukturierte, optionsbasierte und spezialisierte Engagements.
Dasselbe Muster habe sich vor ein paar Tagen erneut gezeigt, als Schroders angekündigt habe, sein Angebot an aktiven europäischen ETFs mehr als zu verdoppeln. Während Pictet, Generali und BNP Paribas eigene neue Ambitionen im Bereich aktiver ETFs signalisiert hätten.
Entweder supergünstig oder irgendwie besonders
"Die eigentliche Erkenntnis ist, dass es immer schwieriger wird, die breite Mitte zu verteidigen", so der Experte weiter. Wer zu unspektakulär mit seinem Angebot sei, um einen Aufschlag zu erzielen, und zu gewöhnlich, um Skaleneffekte zu erzielen, sitze gewissermaßen in der Falle. "Die Konsequenz für Emittenten ist brutal, aber einfach", so O'Riordan, und bringt es auf den Punkt: "Entweder sehr günstig sein oder sich wirklich von der Masse abheben." Dazwischen bleibe immer weniger Spielraum. (hh)