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Euroraum droht "stagflationärer Schock" und unvermeidbare Zinserhöhung

Die Warnungen vor den negativen Folgen der derzeitigen Energieversorgungsengpässe werden lauter und sollten institutionelle Investoren vorsichtig stimmen. So wird ein Zinsschritt nach oben im Euroraum mittlerweile als "unvermeidbar" erachtet.

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Eckpunkte:

  • EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnt vor den gravierenden Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die EU.
  • Nach Ansicht eines EZB-Rats sind Zinserhöhungen im Juni "unvermeidlich"

EU-Kommissar warnt: Iran-Krieg droht Europa in "stagflationären Schock" zu treiben
“Steigende Energiepreise betreffen alle Akteure in der europäischen Wirtschaft, sowohl Unternehmen als auch Haushalte – sie drängen die EU-Wirtschaft auf einen Pfad schwächeren Wachstums und höherer Inflation”, sagte Valdis Dombrovskis am Montag vor Reportern. “Europa steht vor einem stagflationären Schock.” Darüber berichtet Bloomberg News.

Neben ihm in Brüssel bemühte sich Eurogruppen-Chef Kyriakos Pierrakakis um eine optimistischere Darstellung der Lage. “Wir befinden uns in einer stagflationären Tendenz, das heißt, wir korrigieren unsere Wachstumsprognosen nach unten und die Inflationsprognosen nach oben”, sagte er. “Aber wir befinden uns derzeit nicht in einem vollständigen stagflationären Modus.”

Stagflation: Ein verstaubtes Wort?
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in der vergangenen Woche erklärt, der Begriff Stagflation gehöre in die 1970er Jahre und sollte nicht zur Beschreibung der aktuellen Lage im Euroraum verwendet werden.

Die Europäische Kommission wird in diesem Monat neue Wirtschaftsprognosen veröffentlichen. “Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen werden davon abhängen, wie sich der Konflikt entwickelt, insbesondere von seinen Folgen für Energieversorgung und Infrastruktur”, erklärte Dombrovskis. “Positiv ist, dass unsere Volkswirtschaften heute besser darauf vorbereitet sind, einen Energieschock zu verkraften als 2022.”

EU und EZB betonen weiterhin, dass staatliche Unterstützungsmaßnahmen für Haushalte und Unternehmen zeitlich befristet, zielgerichtet und maßgeschneidert sein müssen.

“Unser Handlungsspielraum ist heute bereits begrenzter – aufgrund höherer Defizite und Schuldenstände, eines höheren Zinsumfelds und des dringenden Bedarfs an zusätzlichen Verteidigungsausgaben”, sagte Dombrovskis. “Wir können es uns schlicht nicht leisten, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.” Die wirtschaftliche Lage hat Auswirkungen auf die Geldpolitik:

EZB-Rat: Zinserhöhung im Juni "so gut wie unvermeidlich"
Die Europäische Zentralbank wird ihre Zinsen laut Ratsmitglied Peter Kazimir bei ihrer nächsten Sitzung im Juni wegen des Iran-Kriegs höchstwahrscheinlich anheben müssen, wie Bloomberg des Weiteren berichtet.

Die Währungshüter hätten sich zwar nicht auf einen Kurs festgelegt, und es seien weitere Daten nötig, um die Folgen des Konflikts abzuschätzen. “Wir bleiben jedoch standhaft in unserem Ansatz”, sagte der slowakische Notenbanker.

“Auf dieser Grundlage ist eine Straffung der Geldpolitik im Juni so gut wie unvermeidlich”, schrieb Kazimir am Montag in einem Gastbeitrag. “Es wird immer wahrscheinlicher, dass wir uns auf eine längere Phase breit angelegter Preissteigerungen bei zugleich sichtbar schwächerem Wachstum im Euroraum einstellen müssen.”

Die EZB hatte am vergangenen Donnerstag die Kreditkosten unverändert gelassen, zugleich aber signalisiert, dass bei der Sitzung am 10. und 11. Juni eine Zinserhöhung erwogen wird. Bundesbankpräsident Joachim Nagel sagte jüngst, ein solcher Schritt werde nötig sein, falls sich der Ausblick bei Inflation und Wirtschaftswachstum nicht deutlich verbessere.

Einige seiner Kollegen schlossen sich diesen Äußerungen an, andere äußerten sich vorsichtiger, merkt Bloomberg an. “Offensichtlich sprechen wir über eine mögliche Zinserhöhung im Juni”, sagte Gediminas Simkus aus Litauen am Montag. “Aber ob die Entscheidung tatsächlich getroffen wird, hängt von der Lage und den Daten ab.”

Sollte der Konflikt im Nahen Osten beigelegt werden, “wäre das ein Faktor, der es uns erlauben würde, über eine andere Entscheidung nachzudenken”, fügte er hinzu.

Die meisten Ökonomen und Investoren erwarten im kommenden Monat eine Anhebung um einen Viertelpunkt. An den Märkten werden bis Jahresende zwei weitere Schritte eingepreist.

Zentralbank im Dilemma
Zwar könne die EZB wenig tun, um den direkten Inflationsschub durch den Energieschock auszugleichen. Höhere Öl- und Gaspreise würden sich aber “unweigerlich auch auf den Rest der Wirtschaft auswirken”, sagte Kazimir.

Die EZB begegne den aktuellen Herausforderungen aus einer “Position der Stabilität”, sagte er. “Die Erinnerung an die Jahre hoher Inflation ist frisch, aber ebenso unser Erfolg bei der Rückführung der Inflation auf das Zielniveau.”

Ermutigende Nachrichten gab es am Montag zu den Aussichten, dass die Teuerung wieder auf zwei Prozent zurückgeht. Eine von der EZB veröffentlichte Umfrage zeigte, dass professionelle Prognostiker wegen des Kriegs nur einen vorübergehenden Anstieg erwarten. Für dieses Jahr rechnen sie mit einer durchschnittlichen Inflation von 2,7% Prozent, für 2027 und 2028 mit einem Rückgang auf 2,1 beziehungsweise 2,0 Prozent. (aa)

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