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Europas Altersvorsorgeeinrichtungen bremsen Venture Capital-Ambitionen

Fragen Sie Investoren innerhalb und außerhalb Europas, was den Venture Capital-Markt des Kontinents bremst, und die meisten, wenn nicht alle, würden die mangelnde Beteiligung von Pensionsfonds an Venture-Finanzierungen nennen.

Kinga Stanislawska. Gründerin von European Women in VC und General Partner von Experior VC
Kinga Stanislawska. Gründerin von European Women in VC und General Partner von Experior VC© European Women in VC

Im Gegensatz zu anderen Märkten wie beispielsweise den USA hat sich der europäische Venture Capital-(VC)-Markt nicht erholt. Die Transaktionsaktivität dürfte in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2016 sinken, während der Gesamttransaktionswert den des Vorjahres selbst mit einem Schub durch Künstliche Intelligenz (KI) wahrscheinlich nicht übertreffen wird. Trotz jüngster Anzeichen einer Verbesserung bleibt das Umfeld für die Mittelbeschaffung eines der schwierigsten dieses Jahrzehnts, weiß Leah Hodgson von Pitchbook.

Finanzkräftige Institutionelle in Europa üben sich in Zurückhaltung bei VC
Geopolitische Probleme, vor allem zollbedingt, und das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den EU-Ländern haben in diesem Jahr die Nachfrage nach VC gedämpft. Der anhaltende Rückgang der Aktivitäten unterstreicht jedoch ein tieferes Problem, mit dem Europa schon seit einiger Zeit zu kämpfen hat: eine Finanzierungslücke, die auf einen Mangel an finanzkräftigen institutionellen Investoren zurückzuführen ist.

Wanted: LPs in VC in Europa
„In Europa herrscht ein chronischer Mangel an Limited Partners (LPs), wie man sie in den USA sieht“, sagte Kinga Stanislawska, Gründerin von European Women in VC und General Partner von Experior VC. „Ein bis zwei Prozent der Pensionsgelder für Risikokapital zu verwenden, wäre für Europa und die Pensionsfonds selbst transformativ.“

Promille-Investments
Obwohl Pensionsfonds in ganz Europa ein Vermögen von über drei Billionen Euro verwalten, werden laut einem neuen Bericht von European Women in VC, Pensions for Purpose und Venture Connections, nur rund 0,12 Prozent in Risikokapital und Wachstum investiert. Bei ihren US-amerikanischen Pendants liegt die Allokation für Private Equity, einschließlich Risikokapital, bei rund zehn Prozent.

Geduldiges Langfrist-Kapital
Stanislawska beschreibt eine engere Beziehung zwischen beiden als eine Win-Win-Situation. Die alternde Bevölkerung belastet die europäischen Pensionsfonds. Da weniger Arbeitnehmer Beiträge leisten, müssen sie die Renditen erhöhen, um eine wachsende Zahl von Rentnern zu unterstützen. Traditionelle Anlagen wie Staatsanleihen können nicht die nötigen Renditen erzielen, um diese Lücke zu schließen. Für VC liegt der Vorteil in Milliardenhöhe an langfristigem, geduldigem Kapital.

Risikobereitschaft
Es gibt viele Gründe, warum Pensionsfonds zögern, in VC zu investieren. Laut Karen Shackleton, Vorsitzende und Gründerin der Branchengruppe Pensions for Purpose, ist das Haupthindernis jedoch der Mangel an Ressourcen, schreibt Hodgson. „Wenn man bedenkt, wie Pensionsfonds ihre Governance-Ressourcen einsetzen, fließt der Großteil davon in ihre größten Allokationen“, sagte Shackleton. „Das Problem mit VC ist, dass es einen so kleinen Teil ihres Portfolios ausmacht, wenn überhaupt, dass ihnen weder das Budget noch die Zeit dafür zur Verfügung steht.“

Zu wenig Ressourcen, die VC gewidmet werden
Unzureichende Ressourcen hindern Pensionsfonds daran, eine ordnungsgemäße Due Diligence durchzuführen oder VC-Investitionen zu überwachen, was zu einem Mangel an Verständnis für die Anlageklasse führt. Laut Shackleton führt dieser Mangel an Fachwissen zu der Wahrnehmung, dass VC riskanter ist, als die Daten vermuten lassen, was konservativere Fonds abschreckt. VC wird oft als Teil von Private Equity betrachtet. Dadurch werden die Ressourcen noch knapper, da dasselbe Team – oder manchmal auch nur eine Person – Chancen in zwei Anlageklassen bewerten muss, die sehr unterschiedliche Erfolgs- und Misserfolgskriterien aufweisen.

Durch Pooling könnten mehr Ressourcen bereitgestellt werden
Durch den Aufbau größerer Fonds lassen sich Spannungen und Hürden am Markt ausgleichen. Größere Pools können mehr Ressourcen bereitstellen und mehr Zeit für die Analyse von VC aufwenden. Ein Mangel an erfahrenen Fachkräften erschwert zudem Netzwerke und Beziehungen. Dies kann den Zugang zu erstklassigen Fonds und Startups mit besseren Risiko-Rendite-Profilen beeinträchtigen.

Illiquidität, mangelnde Transparenz und die leidige Kostenfrage
Für viele Pensionsfonds ist die Investition in VC mit erheblichem Aufwand und höherem Risiko verbunden. Die Illiquidität, die mangelnde Transparenz und die inkonsistente Performance der Fonds können VC zu einer bitteren Pille machen, insbesondere wenn man zusätzlich eine Verwaltungsgebühr von zwei Prozent und einen Carry von 20 Prozent hinzurechnet.

Nicht alle Pensionsfonds sind schreckhaft
Laut dem Bericht hat das Wahrnehmungsproblem von VC nicht alle Pensionsfonds abgeschreckt; Länder wie Island und Schweden sind in diesem Bereich sehr aktiv. Doch ein Großteil dieses Kapitals bleibt nicht vor Ort. „Wir haben festgestellt, dass Pensionsfonds einen bestimmten Teil ihrer Assets in ihren lokalen Markt investieren, den Rest jedoch in die USA“, sagte Stanislawska. „Man geht davon aus, dass die USA bessere Renditen erzielen, was oft schlichtweg falsch ist. Niemand denkt an das grenzüberschreitende Europa.“

Der Weg über Dachfonds
Kulturelle Denkweisen und Annahmen lassen sich zwar nur schwer ändern, doch Dachfonds sind eine praktische Möglichkeit, einige der größten Investitionshindernisse für Pensionsfonds zu überwinden. „Dachfonds bieten Zugang zu leistungsstarken VC-Fonds, die sonst unerreichbar wären, und bieten zudem eine integrierte Diversifikation, die das hohe Risiko dieser Anlageklasse mindert“, wurde Debbie Wosskow, Co-Vorsitzende der britischen Invest in Women Taskforce, im jüngsten Bericht „European Women in VC“ zitiert. „Im VC-Bereich, wo die Renditen konzentriert sind und die Auswahl wichtiger ist als die Kosten, kann ein gut konstruierter FoF eine stärkere Nettoperformance bei geringerer Volatilität liefern." (kb)


Anm.d.Red.: Kinga Stanislawska, Gründerin von European Women in VC, wird aller Voraussicht nach Interviewpartner von Institutional Money in der Ausgabe 4/2025 sein. Das Magazin können Sie kostenlos über diesen LINK bestellen.

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