Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Europäische Hochzinsanleihen: Besteht noch Potenzial?

Ob High Yield Bonds vom Alten Kontinent noch Kurspotenzial haben und wie es mit drohenden Defaults aussieht, erörtet Marc Leemans, Fixed Income Portfoliomanager bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), in einer aktuellen Markteinschätzung.

Marc Leemans, Fixed Income Portfoliomanager bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM)
Marc Leemans, Degroof Petercam Asset Management (DPAM)
© Degroof Petercam Asset Management (DPAM)

Für Investoren gibt es sowohl gute, als auch schlechte Nachrichten vom europäischen Hochzinsanleihenmarkt. Die Gute lautet: Zahlungsausfälle von europäischen Anleihenemittenten mit einem Non-Investment-Grade-Rating (High Yield) sind im zweiten Pandemie-Halbjahr 2020 deutlich niedriger ausgefallen als erwartet.

Noch im Sommer hatte die Ratingagentur Moody’s ein pessimistisches Szenario von 15 Prozent gegenüber einem optimistischen Szenario von vier Prozent in Aussicht gestellt. Tatsächlich betrug die Ausfallquote Ende 2020 im Schnitt 3,3 Prozent.

Geldflut hilft auch schwachen Bonitäten
Marc Leemans, Fixed Income Portfoliomanager bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), sieht dies vor allem begründet in Schuldenmoratorien, vorübergehenden Personalkostensenkungen, zusätzlichen Liquiditätskrediten und schließlich der monetären und fiskalischen Unterstützung der Notenbanken und Regierungen.

Betrachtet man zusätzlich die Erholungsrate (Recory Rate), die mit 45 Prozent per Oktober 2020 ungewöhnlich hoch war, verbuchte das europäische High Yield-Segment unter dem Strich eine Verlustrate von lediglich 1,5 Prozent.

Ein genauerer Blick auf die Struktur der Ausfälle im europäischen High Yield-Segment zeigt zudem, dass in Summe nur wenige Sektoren betroffen waren. Vor allem der Reise- und Freizeitbereich stand im Zentrum des Sturms (z.B. Swissport, Europcar, Hertz), wie auch der Einzelhandel (z.B. Takko, Hema, Dia).

Leemans erwartet auch weiterhin keinen signifikanten Anstieg der Zahlungsausfälle. Denn die am stärksten betroffenen Player wurden erfolgreich restrukturiert und verfügen nun über deutlich nachhaltigere Kapitalstrukturen. Außerdem gehören zwei Drittel der europäischen High Yield-Emittenten ohnehin zu Branchen, die nicht oder kaum von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind.

Die Aufhebung von Abschreibungsregelungen, Schuldenmoratorien etc. im Zuge einer allmählichen Rückkehr zur Normalität wird sich eher auf kleinere und mittlere Unternehmen auswirken. Aber viele von ihnen haben dennoch einen guten Zugang zu Kapital, und wiederum andere, die zu groß sind, um zu scheitern, werden wahrscheinlich auch weiterhin Unterstützungen erhalten.

Die leicht steigende Netto-Verschuldung vieler Unternehmen sieht Leemans unkritisch, da diese gerade im Zuge der Lockdowns teils hohe Cashbestände angesammelt haben. Zudem verbessern sich die Ratings nach und nach in der gesamten Breite des europäischen High Yield-Universums.

Negativ: Aufwärtspotenzial ist begrenzt
Bereits seit März 2020 sind die Risikoprämien des europäischen Hochzinssegments mit einigen Schwankungen zurückgegangen, und dies hat entsprechendes Wertpotenzial im High Yield-Markt erzeugt. Diese Tendenz sollte sich zunächst weiter fortsetzen. „Bei den aktuellen Spreadniveaus treten wir in eine bewertungsmäßig neutralere Phase ein. Wir sehen ein Umfeld, in dem der Carry der Hauptfaktor der Wertentwicklung ist und die Verengung der Spreads als Performancetreiber in den Hintergrund tritt. Grundsätzlich bildet aber die Jagd nach Rendite auch in Zukunft einen starken Boden für sich wieder etwas ausdehnende Spreads. Die Risikoprämien reichen weiterhin aus, um normale Volatilitäts- und Liquiditätsrisiken abzudecken. In einem eher konservativen Szenario einer Ausfallquote von 3,4 Prozent und einer Erholungsrate von 35 Prozent haben wir eine Risikoprämie von etwa 200 Basispunkten ermittelt, die sich leicht unterhalb des historischen Mittels bewegt“, fasst Leemans seine aktuellen Blick auf das Segment der europäischen Hochzinsanleihen zusammen. (aa)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren