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Europäische Bankentitel werden vielfach gemieden. Zu Unrecht?

Die Entwicklungen im Value-Investitionsumfeld sehen derzeit erfreulich aus. Während in den letzten Jahren irrational und emotional getriebene Märkte zu erheblichen Fehlbewertungen geführt haben, steht eine mögliche Trendwende bevor.

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Goran Vasiljevic, CIO und Sprecher der Geschäftsführung bei Lingohr & Partner Asset Management
© FONDS professionell

"Es war bis Ende August 2019 klar zu erkennen, dass die teuren Unternehmen des Marktes auch die höchste Rendite erzielt haben – was aus unserer Sicht kein nachhaltiger und fundamental nachvollziehbarer Zustand ist. Trotz positiver Entwicklungen haben Value-Aktien strukturellen Gegenwind erfahren: Auf allen Ebenen sind fundamental ungerechtfertigte, historisch extreme Bewertungsdispersionen zu finden", analysiert Goran Vasiljevic, CIO und Sprecher der Geschäftsführung bei Lingohr & Partner Asset Management.

Was für die Renaissance von Value spricht
Neben der fundamentalen Stärke von Value-Aktien sprechen auch Entspannungen in der Geopolitik – unter anderem die nachlassenden Sorgen um einen ungeordneten Brexit sowie erste Annäherungen im Handelsstreit zwischen den USA und China – für ein aktives Value-Investing. Weltweit und insbesondere in den USA verkauften Anleger in den letzten Monaten zunehmend Wachstums-, Defensiv- und Qualitätsaktien. Gleichzeitig schichteten sie ihre Investments zugunsten zyklischer Sektoren wie Grundstoffe, Hardware oder Finanzen um. Eine Rotation des Marktes zugunsten von besonders günstig bewerteten Value-Titeln dürfte sich in den Winter hinein fortsetzen und sollte anschließend in einer nachhaltigen Rallye münden.

Bankeninvestments bieten außergewöhnlich attraktive Chance
"Gerade bei europäischen Banken sehen wir aussichtsreiche Chancen", sagt Goran Vasiljevic. "Es gibt wohl kaum einen Sektor, der von Investoren so kritisch und abneigend gesehen wird, wie der europäische Bankensektor." Betrachtet man die historische Bewertung in den letzten 30 Jahren (Dezember 1989 bis Juli 2019), so ergeben sich folgende Erkenntnisse:

- Europäische Banken waren tendenziell noch nie so günstig: In 99 Prozent der Betrachtungszeiträume handelten die Banken in Relation zum übrigen Aktienuniversum auf einer niedrigeren Ertrags- und Dividendenrendite.
- De-Rating der Banken hat stattgefunden – weit über das hinaus, was den Rückgang in der Rentabilität rechtfertigen würde: Infolge der Finanz- und Eurokrise und der daraus resultierenden Nullzinpolitik ist die Rentabilität der Banken bis 2012 deutlich eingebrochen. Seit dem Tief nach der Eurokrise im Jahre 2012 konnten die Banken allerdings die Eigenkapitalrendite von 4 Prozent kontinuierlich auf heute wieder 12 Prozent steigern. Somit sind sie auch profitabler als andere Sektoren.
- Insgesamt sind Banken aktuell deutlich werthaltiger als zu den Hochzeiten der Finanz- und Eurokrise: Damals befürchtete man einen Zusammenbruch des gesamten Bankensystems (Lehman Krise) oder den der Eurozone (2010/11). Goran Vasiljevic dazu: "Davon sind wir weit entfernt. Die Wirtschaft wächst nach wie vor, die Arbeitslosenquote befindet sich auf historisch niedrigem Niveau und die Kreditvergabe zieht seit 2014 kontinuierlich wieder an. Die Banken haben sich angepasst. Investoren müssen diesen Schritt aber noch nachvollziehen."

Lingohr investiert breit gestreut in die größten Banken Europas 
Insbesondere stark kapitalisierte nationale Champions weisen viel Wert auf. Zwei Drittel der Bankholdings haben eine Marktkapitalisierung von jeweils über 20 Milliarden Euro. Im Portfolio befinden sich Banken unter anderem aus Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz. Unterrepräsentiert ist lediglich Deutschland.

Fazit: Der Zeitpunkt für den Value-Einstieg ist gekommen
Als disziplinierter Value Manager wird sich Lingohr weiterhin nicht vom Marktlärm und kurzfristigen Modeerscheinungen beirren lassen. Man sucht attraktive Anlagemöglichkeiten und identifiziert somit auch Unternehmen, die bereit und in der Lage sind, operative Restrukturierungen zu implementieren, um Rentabilität und Cash Flows zu steigern. Vasiljevic: "Zwar ist Value derzeit gefühlt so unbeliebt wie nie zuvor, doch gerade diese Einstellung führt zu einer enormen Anzahl an Unternehmen, die von Investoren gemieden und unterschätzt werden. Aus Investitionsperspektive war der Einkauf von unterbewerteten Unternehmen noch nie so einfach wie heute und wir sind mehr denn je fest davon überzeugt, dass die künftigen Renditen von der harten Realität der Cashflows anstelle von Geschichten getrieben werden. Es gab unseres Erachtens noch nie einen besseren Zeitpunkt, Value-Investor zu bleiben oder zu werden." (kb)

 

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