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Europa sieht sich mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert

Die Wirtschaftsdaten haben das Ausmass des Schocks bestätigt, den die zur Eindämmung des Coronavirus verhängten Lockdowns verursacht haben. Eurostat meldete, dass das reale BIP der Eurozone im ersten Quartal um 3,8 Prozent gesunken ist, wobei Frankreich, Italien und Spanien besonders schwach waren.

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Robert Lind, Ökonom der Capital Group
© Capital Group

Die PMI-Indizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor brachen im April ein und konnten sich im Mai nur geringfügig erholen. "Die Produktionstätigkeit in der Eurozone ist heute so schwach wie nach der globalen Finanzkrise. Die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor ist auf historische Tiefstände gefallen; das bedeutet, dass das BIP im zweiten Quartal um zehn bis zwanzig Prozent fallen könnte". hält Robert Lind, Ökonom bei Capital Group, fest.
 
Massiver wirtschaftlicher Schock
Angesichts des teilweisen Wiederanlaufens der Wirtschaft in der Eurozone erwarten die meisten Prognostiker eine Erholung im zweiten Halbjahr 2020. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass das Aktivitätsniveau aus der Zeit vor dem Virus wieder vollständig erreicht wird, da Prognosen zeigen, dass das BIP in der Eurozone im Jahr 2020 um acht bis zehn Prozent schrumpfen wird, bevor es 2021 um vier bis sechs Prozent steigt.

Risiken eines Zusammenbruchs von den Finanzmärkten nicht berücksichtigt
Für Optimisten hat der gewaltige wirtschaftliche Schock durch den Lockdown aufgrund des Coronavirus die Grenzen der politischen Institutionen der Eurozone dargelegt und könnte die Politiker zwingen, Veränderungen vorzunehmen und eine finanzpolitische Union zur Unterstützung der Währungsunion zu errichten. Für Pessimisten könnte das Ausmass des wirtschaftlichen Schocks eine existenzielle Krise für die Eurozone und die EU im weiteren Sinne auslösen, die zur Fragmentierung und vielleicht sogar zum Zusammenbruch des gesamten Projekts führen könnte.

Die Europäische Kommission hat kürzlich einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro vorgeschlagen, um die Länder zu unterstützen, die am stärksten von der Pandemie betroffen waren. Die 27 Mitgliedsstaaten müssen sich nun auf die Einzelheiten des Fonds einigen, was einige Zeit in Anspruch nehmen könnte. Mit gewichtiger Unterstützung Deutschlands, das bereit ist, einen substanziellen finanziellen Beitrag zu leisten, könnte der Fonds jedoch einen wichtigen Schritt hin zu einer stärkeren Integration in der Eurozone und der EU im weiteren Sinne darstellen.

Höhere Risikoaufschläge für Aktien in Europa
Diese sind ein Hinweis darauf, dass die Anleger in Bezug auf die wirtschaftlichen Aussichten und die potenzielle Stabilität der Eurozone noch immer skeptisch sind. Ein nachlassendes Fragmentierungsrisiko könnte jedoch dazu beitragen, die Risikoaufschläge für Aktien an den wichtigsten europäischen Märkten zu verringern.

Interessante längerfristige Anlagemöglichkeiten in Europa auffindbar
Trotz dieses schwierigen Umfelds ist es möglich, unter den in Europa notierten Aktien einige interessante längerfristige Anlagemöglichkeiten zu finden. Europäische Aktien erscheinen im Vergleich zu anderen Märkten preiswert. Darüber hinaus sind diese Unternehmen nicht nur auf die Gesundheit der einheimischen europäischen Wirtschaft angewiesen, viele von ihnen haben globale Geschäfte und diversifizierte Einnahmequellen. Das zeigt die folgende Grafik.

Firmen mit erheblichem Anteil ihrer Geschäfte außerhalb Europas interessant
Viele europäische Unternehmen tätigen einen erheblichen Anteil ihrer Geschäfte außerhalb Europas, und die wichtigsten Triebkräfte für ihr Ertragswachstum sind möglicherweise stärker geografisch über den europäischen Binnenmarkt hinaus diversifiziert. So gibt es beispielsweise in den Bereichen Luxusgüter, Basiskonsumgüter, Alkohol und Getränke Hersteller und Einzelhändler, die das Potential haben, von der zunehmenden Schaffung von Wohlstand in einer Vielzahl asiatischer Länder zu profitieren. "Ihre marktbeherrschende Stellung und ihre Kompetenz beim Aufbau starker Marken verleihen diesen Unternehmen eine nahezu unübertroffene Preissetzungsmacht. Beispiele hierfür sind Kering, die Muttergesellschaft von Gucci, und LVMH, das sich durch organisches Wachstum und Übernahmen zu einem der größten Luxusgüterunternehmen der Welt entwickelt hat. Spirituosenunternehmen sind ein weiteres Beispiel für eine globale Einnahmequelle. Die europäischen Konglomerate Diageo und Pernod Ricard besitzen zusammen mehr als 200 Spirituosenmarken. Vor diesem Hintergrund kann ein langfristiger Ansatz in Bezug auf die Anlageentscheidungen, mit Vor-Ort-Research und Konzentration auf den Wert, einen bedeutenden Unterschied machen", sagt Robert Lind, Ökonom der Capital Group. (kb)

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