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EU-Taxonomie unterminiert ESG-Bemühung in Covered Bonds-Subsektor

Laut einer Studie der Helaba Volkswirtschaft/Research-Abteilung sollten nachhaltige Covered Bonds auch 2021 auf ein günstiges Investment-Klima treffen. Im Sub-Sektor Immobilien könnten sich die ambitionierten Vorgaben der aktuellen EU-Taxonomie aber als kontraproduktiv herausstellen.

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Zu anspruchsvoll?
Ein Rechtsakt im Entwurf der EU Kommission vom 20. November im Rahmen der EU-Taxonomie definiert laut Helaba "grüne Immobilien anhand von sehr anspruchsvollen Kriterien. Insgesamt scheint die Erfüllung der geplanten Vorgaben in vielerlei Hinsicht wenig realistisch – auch nicht mittelfristig: So unterscheidet der Vorschlag nicht zwischen wohnwirtschaftlichen und gewerblichen Immobilien und sieht unter anderem vor, dass bei Neubauten, der Primärenergiebedarf 20 Prozent unterhalb dessen liegt, was der nationale Gesetzgeber für ein Niedrigenergiehaus (Nearly Zero Energy Bulding, NZEB) definiert hat und dass beim Erwerb von Bestandsimmobilien nur Gebäude mit einem Energieausweis der Effizienzkasse A als grüne Gebäude gelten."

Erschwerend kommt laut Helaba hinzu, dass die Gebäude keine besonders schädlichen Nebenwirkungen auf andere definierte ökologische Ziele haben dürften (sogenannte „Do not significant harm-Kriterien“). Als Beispiel wird von Helaba der Schutz von Wasserressourcen und beispielhaft die Anforderung an Armaturen zu nennen. Zudem läge die aufwändige Nachprüfpflicht beim finanzierenden Kreditinstitut, solange es keine nationalen gesetzlichen Vorgaben für solche Anforderungen gibt.

Falsch abgebogen?
Bei der Festlegung der Bedingungen hatten sich Emittenten in der Vergangenheit mangels EU-Vorgaben von Hinweisen und Einschätzungen der Climate Bond Initiative und anderen EU Institutionen leiten lassen. Aufgrund des derzeitigen Energieeffizienz-Niveaus der Gebäude in den meisten Ländern fallen unter die zulässigen Gebäudearten jedoch nicht nur Objekte mit Energieeffizienzklasse A, sondern auch mit Klasse B und C.
Die genannten Taxonomie-Kriterien würden Emittenten zum jetzigen Zeitpunkt daher vor enorme Herausforderungen stellen.

Kontraproduktiv
Eine entsprechende Verschärfung des Standards könnte laut Helaba zu einer Reduzierung der für grüne Anleihen qualifizierten Immobilienkredite um etwa 90 Prozent bedeuten. Der Bestand an Gebäuden mit Energieeffizienzklasse A ist in vielen Ländern noch sehr klein. Ein kurzfristiges Modernisieren und Aufwerten ist aufgrund bereits genannter Gründe kaum denkbar. Hinzu kommt, dass es in Deutschland gar keine Effizienzklassen für gewerbliche Immobilen gibt und damit die Konformität gewerblicher grüner Immobilien mit der neuen Vorgabe derzeit nicht belegt werden kann. Verglichen mit der Bandbreite der Energieeffizienzklassen von A bis H und häufigen Durchschnittswerten von D und E (fast 54 Prozent des Häuserbestands in Frankreich wird den Energieeffizienzklassen E bis G zugeordnet4 ) stellt diese Auswahl laut Helaba bereits "eine recht sinnvolle Klassifizierung der Gebäude dar."

Anm.: Bei schlechter Lesbarkeit der Grafik bitte in das Lupenelement rechts oben klicken
© helaba

Am Covered Bond-Markt herrschte laut einem aktuellen Bericht von Helaba "auch 2020 ein günstiges Klima für die Emission nachhaltiger Anleihen. Daran konnte auch die Corona-Krise nichts ändern." Seit der ersten Emission im Jahr 2014 platzierten demnach mittlerweile 30 Banken nachhaltige Covered Bonds. Dabei teilen sich die deutschen Pfandbriefbanken mit den norwegischen Emittenten mit derzeit jeweils fünf Emittenten den ersten Platz vor Frankreich auf Platz zwei. Insgesamt ist der Anteil von ESG-tauglichen Covered Bonds am gesamten Umlauf jedoch noch sehr gering. 

ESG-Bedeutung mit Bedeutungsgewinn
In diesem Zusammenhang hat das Segment der Social Covered Bonds hat durch die Covid-19-Krise an Bedeutung gewonnen. Von den zwölf Nachhaltigkeits-Emissionen im Jahresverlauf waren drei Covered Bonds mit sozialer Ausrichtung. Banken kommt bei der Finanzierung energieeffizienterer Gebäude bereits aktuell eine große Rolle zu. Das weitere Potenzial ist enorm. Der Anteil der Covered Bond-Emissionen mit nachhaltiger Ausrichtung wird gemäß unseren Erwartungen weiter steigen, vorausgesetzt, die künftigen EU-Kriterien für grüne Immobilien sind nicht nur zukunftsweisend und anspruchsvoll, sondern auch umsetzbar.

Grüne Immos unter Druck
Doch fraglich ist, ob es im wichtigen Wohnimmobilienbestand genug Anreize für eine breit angelegte energetische Sanierung gibt. Die Nachfrage nach entsprechenden Finanzierungen dürfte daher nur langsam zunehmen.  Das Finanzierungspotenzial grüner Immobilien könnte auch durch die vorgeschlagenen Kriterien im Rahmen der EU-Taxonomie eingeschränkt werden. Demnach sollen sich vor 2021 errichtete Immobilien nur dann qualifizieren, wenn sie in die höchste Energieeffizienzklasse „A“ fallen.

Wie sich das gegenwärtige Wachstum gestalten und wieso die EU-Taxonomie genau dieses Wachstum gefährdet haben wir im Rahmen einer Bildgalerie mit einschlägigem Datenmaterial zusammengefasst – bitte entweder oben ins Bild oder hier klicken. (hw)

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