Erste Reaktionen auf EZB: Zinserwartungen möglicherweise überzogen
BlackRock und Goldman Sachs AM halten eine Zinserhöhung im September für wahrscheinlich. Aviva Investors verweist auf dieselbe Markterwartung, bezweifelt jedoch, dass die darüber hinaus eingepreiste Straffung vollständig umgesetzt wird.

ECKPUNKTE:
- Die EZB belässt den Leitzins wie erwartet bei 2,25 Prozent.
- BlackRock und Goldman Sachs AM rechnen im September eher mit einer weiteren Zinserhöhung.
- Aviva Investors hält die über den nächsten Schritt hinausgehenden Markterwartungen für zunehmend ambitioniert.
- Hohe Energiepreise und mögliche Zweitrundeneffekte bleiben das zentrale Element.
Die Europäische Zentralbank hat den Einlagensatz wie erwartet bei 2,25 Prozent belassen. In ersten Reaktionen richtet sich der Blick bereits auf September: BlackRock und Goldman Sachs Asset Management halten dann eine weitere Zinserhöhung für wahrscheinlich. Auch an den Märkten ist ein Schritt um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent weitgehend eingepreist.
Nach September: Die Zweifel
Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, rechnet im September eher mit einer Anhebung. Bis dahin erhält die EZB zwei weitere Inflationsberichte und aktualisierte Wirtschaftsprojektionen. Ausschlaggebend bleibt, ob höhere Energiekosten auf Löhne und die breitere Preisbildung übergreifen. Bislang gebe es dafür nur begrenzte Anzeichen.
Auch Simon Dangoor, stellvertretender Chief Investment Officer Fixed Income und Leiter Fixed Income Macro Investing bei Goldman Sachs AM, bezeichnet eine Zinserhöhung im September als klares Basisszenario. Die EZB messe den Aufwärtsrisiken für die Inflation nach der erneuten Eskalation im Nahen Osten und möglichen Zweitrundeneffekten zunehmend Gewicht bei. Sollten die Energiepreise hoch bleiben, bestehe im weiteren Jahresverlauf Spielraum für einen zusätzlichen Zinsschritt.
Zu viel eingepreist
Edward Hutchings, Head of Rates bei Aviva Investors, verweist ebenfalls auf die Erwartung eines September-Schritts. Zugleich hält er den darüber hinaus eingepreisten Zinspfad für zunehmend anspruchsvoll. Insgesamt seien am Markt rund 65 Basispunkte zusätzlicher Straffung berücksichtigt.
„Da bereits eine Zinserhöhung erfolgt ist und mehr als zwei weitere Zinsschritte eingepreist sind, stellt sich die Frage, ob der Markt mit seinen Erwartungen inzwischen zu weit gegangen ist. Es sieht zunehmend danach aus“, sagt Hutchings. Daraus ergebe sich bei europäischen Anleihen wachsendes Wertpotenzial, auch wenn kurzfristig Vorsicht angebracht bleibe.
BlackRock kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Die Märkte preisten für mehrere Jahre restriktive Leitzinsen ein, was das Haus für überzogen hält. Entsprechend bleibt BlackRock in kurz- und mittelfristigen europäischen Staatsanleihen übergewichtet. (hw)




