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Eröffnet der „perfekte Sturm“ Investoren eine einzigartige Chance?

Laut Ansicht von Richard Zellmann, Geschäftsführer von First Private Investment Management, verdanken Value-Investoren einem „perfekten Sturm“ eine hohe Spreizung bei den Bewertungen und damit zahlreiche Investmentchancen.

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Richard Zellmann, First Private: "Für langfristig orientierte Investoren ist heute mehr denn je die Zeit für Investments mit Value-Fokus.“
© First Private

Institutionelle Investoren sollten überlegen, ihren Value-Aktien-Fondsmanager mehr Gelder anzuvertrauen. Es winkt eine strategische Gelegenheit für überdurchschnittliche Renditen.

„Das zweite Quartal 2018 lieferte das Musterbeispiel eines „perfekten Sturms“ für quantitatives, rationales, faktorbasiertes Stock Picking“, schreibt Richard Zellmann, Geschäftsführer von First Private Investment Management, in einer aktuellen Analyse. Denn Marktfaktoren wie „Momentum“ und „Value“, die kombiniert üblicherweise eine gute Diversifikation bieten, entwickelten sich unisono negativ, wobei die Ausprägungen unterschiedlich waren.

Besonders auffällig war die erneute, aber überdurchschnittlich dynamische Underperformance des langfristig wichtigen Faktors „Value“, also der Sorte Aktien, die auf Basis diverser Bewertungskriterien als besonders günstig gelten können.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die aktuelle Bewegung sowohl in puncto Dynamik als auch Ausmaß historischen Seltenheitswert hat: Bei den Large Caps aus der Eurozone entwickelten sich Value-Aktien zwischen April und Juni um 8,6 Prozent schlechter als Growth-Titel. Bei deutschen Aktien betrug der Unterschied in nur drei Monaten sogar 9,2 Prozent. „Insgesamt handelte es sich bei dieser Entwicklung um ein globales Phänomen, das in Europa besonders spürbar war – und Value-Strategien unter Druck gesetzt hat“, erklärt Zellmann mit Verweis auf die nachfolgende Grafik.

Globale Aktienmärkte (relativ zum MSCI All Country World = ACW), 2.Quartal 2018

Geopolitische Themen belasten Value-Titel
Angesichts der Größe der Bewegung stellt sich laut Zellmann die Frage, welche Ursachen für sie verantwortlich sind und welche Investment-Implikationen sich daraus ergeben. Auch wenn es keine spezifische Marktphase gäbe in der Value-Aktien ausnahmslos eine sichere Wette sind, lässt sich nach Ansicht Zellmanns dennoch ableiten, dass zum Beispiel Phasen steigender Zins- und Inflationserwartungen sowie robuster Unternehmensgewinne – wie aktuell vor allem in den USA – typischerweise ein eigentlich gutes Umfeld für Value-Outperformances bieten. „Insofern war die jüngste Entwicklung, auch gemessen am makroökonomischen Rahmen, untypisch“, betont Zellmann.

Trump und Italiens Politiker kommen Value-Investoren teuer
Bei der Ursachenforschung für dieses sichtbare Auseinanderdriften seien geopolitische Themen schnell bei der Hand: Der eskalierte Handelskonflikt der USA mit Europa und China schwächt exportorientierte, oft zyklische Branchen, die häufig im Value-Segment zu finden sind. Lokale Krisen in einigen Emerging Markets und nicht zuletzt der politische Richtungswechsel in Italien gehen in eine ähnliche Richtung. „So korrespondiert der Anstieg der Risikoprämien auf italienische Staatspapiere, die unter anderem eine potenzielle Bedrohung für einige Banken darstellen, spürbar mit den Verlusten bei Value-Papieren. Unter dem Strich fielen im Mai und Juni also kurzfristig einige globale und lokale Themen zusammen, die zyklische und vermeintlich günstige Assets massiv – und aus unserer Sicht ungerechtfertigt stark – belastet haben“, erklärt Zellmann.

Seltene Opportunitäten für Value-Investments
Häufig sei es nach Ansicht Zellmann hilfreich, eine langfristig tragfähige Analyse anhand des breitesten, liquidesten Aktienmarktes vorzunehmen. Eine auf Basis von US-Aktien mehr als drei Jahrzehnte zurückreichende Betrachtung der Relation „Value vs. Growth“ zeigt teils kürzer, teils länger anhaltende Zyklen. Lassen Investoren die historisch einzigartige TMT-Hausse von 1999/2000 außen vor, seien Value-Aktien heute so günstig wie selten oder sogar nie zuvor – je nach Maßstab. Misst man die Relation anhand der Russell 1000 Value/Growth Indizes, liegen die jüngsten Werte jenseits der ersten unteren Standardabweichung, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

Auch in den USA hinkt Value Growth hinterher

Opportunitäten nutzen
„Aus unserer Sicht bedeuten die mittlerweile erreichten Bewertungen aufgrund hoher Spreizung nicht nur zahlreiche Opportunitäten bei der aktiven Aktienauswahl, sondern auch eine seltene, strategische Gelegenheit, mit value-orientierten Strategien überdurchschnittlich erfolgreich zu sein“, erklärt Zellmann.

Denn in der Vergangenheit zogen derartig markante Entwicklungen eine mittel- und langfristige Gegenbewegung (mean reversion) nach sich und stellten somit eine Kaufgelegenheit dar.

Dabei sei zu bedenken, dass Trendwendepunkte in Faktorrelationen immer recht schwer prognostizierbar beziehungsweise zu timen waren. Dies spricht einerseits dafür, den Faktor „Value“ zu jeder Zeit im Portfolio zu berücksichtigen, da eine Vernachlässigung schnell zum Problem werden kann. Andererseits sollte jede Strategie breiter aufgestellt sein, das heißt, ergänzend auf andere Faktoren, wie Momentum, Gewinnwachstum oder Bilanzqualität, setzen und auch in diesen Segmenten nach den weltweit besten Aktien suchen. „Für langfristig orientierte Investoren ist heute mehr denn je die Zeit für Investments mit Value-Fokus“, schließt Zellmann. (aa)

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