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Finanzmarkt-Ausblick 2020

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Wie geht es 2020 weiter mit der Weltwirtschaft und was bedeutet der Führungswechsel an der EZB-Spitze für die europäische Geldpolitik? PIMCO-Chefökonom Joachim Fels erläutert im Video den Konjunkturausblick und die Schlussfolgerungen für die Asset-Allokation.

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Ernst Konrad, Eyb und Wallwitz, warnt vor weiterer Verkaufswelle

Der Eyb und Wallwitz-Geschäftsführer und Lead Portfoliomanager zeigte in einem Vortrag vor Profianlegern die Perspektiven für die Asset Allocation im weiteren Jahresverlauf auf und warnte vor einer zweiten Verkaufswelle am Aktienmarkt.

Dr. Ernst Konrad, Fondsmanager bei Eyb und Wallwitz
Dr. Ernst Konrad, Eyb und Wallwitz, gab in Wien vor Profianlegern einen Marktausblick.
Die besten Grafiken und Tabellen finden Sie nachfolgend in einer Bildergalerie.
© Anton Altendorfer

„Wir müssen uns bei der Performance nicht verstecken“, leitete Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer und leitender Portfoliomanager bei der kleinen, aber feinen Münchener Vermögensverwaltungsboutique Eyb und Wallwitz seine Präsentation mit dem Titel „Was wissen wir und was nicht? Perspektiven für die Asset Allocation im weiteren Jahresverlauf“, die er in Wien vor professionellen Marktteilnehmern hielt. In der Tat konnte die 2004 gegründete, ursprünglich auf institutionelle Investoren ausgerichtete, unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Assets under Management von ca. 1,6 Milliarden Euro bei der Performance ihrer diversen Vermögensverwaltungsfonds der „Phaidros“-Reihe im Peer Group-Vergleich überzeugen. „Eine Platzierung im obersten Quintil ist nicht selbstverständlich“ erklärte Konrad mit Verweis auf die gelieferte Performance von Fonds wie den „Phaidros Funds Balanced“ und den „Phaidros Funds Conservative“. Aber auch der zum Jahreswechsel 2018/19 aufgelegte „Phaidros Funds Schumpeter Aktien“ konnte sich bis dato im Vergleich zu seinen Peers überdurchschnittlich gut behaupten. „Da hatten wir auch etwas Glück“, zeigte sich Konrad bescheiden.

Niedrigere Gebühren, neue Professionals
Der Eyb & Wallwitz-Stratege kündigte bei dieser Gelegenheit auch an, bei den Phaidros-Teilfonds die Verwaltungsgebühren um 0,06 Prozent sowie auch die Preise für fondsinterne Wertpapiertransaktionen zu senken. „Somit senken wir die Fondsgebühren bereits zum vierten Mal seit 2010“, betont Konrad. Als Grund nannte er die inzwischen höheren Fondsvolumina – immerhin gab es eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres -, die Eyb und Wallwitz bessere Konditionen ermöglichten und die fairerweise an die eigenen Kunden weitergegeben würden. Zusätzlich zur Auflage von neuen Anteilsklassen ließ Konrad wissen, zwei neuer Senior-Fondsmanager ab Oktober 2019 und Januar 2020 verpflichtet zu haben.

Rezession wahrscheinlicher
Am Beginn seiner volkswirtschaftlichen Analyse ging Konrad auf die Zinsstrukturkurven ein. Immer mehr Anleihen mit negativen Renditen sowie eine – zumindest bis vor kurzem - inverse Zinskurve in den USA ließen die Rezessionswahrscheinlichkeit in God‘s own Country zuletzt auf etwas mehr als 30 Prozent steigen (siehe Grafik oben).

Laut Eyb und Wallwitz steige die Rezessionswahrscheinlichkeit mit Dauer der Inversion an: Diese liege bei 33 Prozent nach zwölf Monaten, 56 Prozent nach 18 Monaten und 67 Prozent nach 24 Monaten. Nach Einschätzung Konrads stelle sich derzeit nicht die Frage „ob“, sondern „wann“ und „wie schwer“ die nächste US-Rezession ausfallen werde. Dabei verwies er auf die sich eintrübenden Frühindikatoren wie die ISM-Indizes für die Produktion und Dienstleistungen sowie weitere, fallende Geschäftsklima-Indizes (siehe die dritte Grafik in der Bildergalerie oben). „Die Anleihemärkte gaben schon länger ein Rezessionssignal, nun folgen weitere Signale.“

Ob die drohende Rezession schwer oder nur leicht verlaufe, hänge vom Ausgang des Handelskriegs ab und wie Kapitalmarktteilnehmer und Wirtschaftsakteure neue Informationen dazu interpretieren und in ihren Investmententscheidungen umsetzen. Trotz des aktuellen Teufelskreises (siehe Grafik oben) bestehend aus Zoll-Einführungen bzw. -Erhöhungen seitens der USA und darauf folgenden Reaktionen der Gegenseite (China, Euroland) glaubt Konrad, dass es sowohl an den Märkten als auch in der Realwirtschaft „nicht zur Katastrophe kommen wird“. Dafür seien die Banken aufgrund der Lehren aus der letzten Krise wesentlich stabiler aufgestellt. Wohl aber müssten Börsianer mit höheren Volatilitäten rechnen und auf die positiven Effekte der seit kurzem wieder kapitalmarktfreundlicheren Zentralbanken in den USA und Euroland hoffen.

Zentralbanken reagieren
„Die Fed lässt die Aktienmärkte nicht verkommen, es wird höchstens ungemütlich“, erklärte Konrad, vor dem Hintergrund der wieder gesenkten US-Leitzinsen. Sorgen bereitet ihm die Lage in Euroland. Denn hierzulande hätte die EZB ihr Pulver bereits verschossen, Zinssenkungen hätten fast keine Wirkung mehr und würden darüber hinaus die eigenen Banken schädigen. Helfen könnte die EZB dem Finanzsektor zusätzlich zu den angekündigten Maßnahmen auch durch den (derzeit noch nicht möglichen) Kauf von Anleihen, aber auch Aktien, von Banken. Diesbezügliche Interessenskonflikte, weil die EZB die Finanzhäuser auch beaufsichtigt, seien akzeptabel, schließlich kaufe die Bank of Japan und die Schweizer Notenbank ebenfalls Bankaktien.

Fiskalpolitik gefordert
Zur Wirtschaftsankurbelung sollten die Staaten laut Einschätzung Konrads höhere Schulden aufnehmen. Leider sei in der Eurozone, insbesondere in Deutschland, der entsprechende Wille gering, trotz einer gerade in Deutschland inzwischen bemitleidenswerten Infrastruktur. Konrad verwies auf Südkorea, das zur Wirtschaftsstimulierung ihre Staatsausgaben um ca. acht Prozent erhöhte (Konrad: „Dort ist der Wille da“), während in Deutschland selbst eine Erhöhung um ein Prozent zu heftigen Diskussionen führt. Diese Zurückhaltung Deutschlands hat aber den Vorteil, das in Krisenzeiten aus Budgetsicht noch reagiert werden könne: „Wir sind nicht wehrlos“, betonte Konrad die wirtschaftlichen Stärken Deutschlands. „Wir können jederzeit Schulden machen“.

Als „Wild Card“ sieht Konrad China. Diese kurbeln zwar ihre Wirtschaft an, aber nicht mehr so stark wie während der Finanzkrise und in den Jahren 2014/15. Die Hoffnung liegt dieses Mal in China bei der Senkung des Mindestreservesatzes, den die Banken bei ihrer Zentralbank halten müssen und die daraus resultierende Kreditausweitung chinesischer Geschäftsbanken.

Sind die Aktienmärkte zu sorglos?
Diese von Konrad in den Raum gestellte Frage sei seiner Einschätzung nach mit „ja und nein“ zu beantworten. Auf der einen Seite hätten die Bewertungen – obwohl zukünftig mit stagnierenden oder leicht fallenden Unternehmensgewinnen zu rechnen ist - noch nicht jene tiefen Niveaus erreicht, die üblicherweise in Rezessionszeiten zu beobachten waren (siehe die Bewertungstabelle oben in der Bildergalerie). Auf der anderen Seite seien Marktteilnehmer auf bevorstehende, schwierige Zeiten eingestellt, hätten riskantere Positionen veräußert oder zumindest reduziert.

Entsprechend schlecht ist auch die Investorenstimmung. So seien deutsche Investoren derzeit pessimistischer gestimmt als 2008 und 2011 (siehe Grafik oben). „In Deutschland herrscht unter Investoren Weltuntergangsstimmung“, erklärte Konrad und merkte an, dass deutsche Investoren derzeit wie so oft „die Hosen voll hätten“. Das sei aber aus antizyklischer Sicht ein gutes Zeichen. Denn dieser hohe Pessimismus stütze den Aktienmarkt – zumindest ein wenig. Denn Aktienanlegern stehe weiteres Ungemach bevor

Zweite Verkaufswelle droht
Wenn man die Lehren aus der Vergangenheit richtig ziehe, sprechen inverse Zinskurven für Kursverluste in zwei Wellen. Nach der ersten, ein bis drei Monate dauernden  Phase „Angst vor der Rezession“ mit einer entsprechenden Verkaufswelle befänden sich die Aktienmärkte derzeit in der zweiten Phase (Konrad bezeichnete dies mit: „Kommt die Rezession, kommt sie nicht?“), die in der Vergangenheit zwischen sechs und zwölf Monate dauerte und die von Kursanstiegen bei Aktien begleitet wird.

Vor allem in der dritten Phase, die ca. zwölf Monate andauert, wird es für Bullen ungemütlich. In dieser Ausverkaufsphase seien die Kursverluste deutlich größer als in der ersten Phase und auch bei Hochzinsanleihen erfolge aufgrund zunehmender Unternehmenspleiten eine Spreadausweitung von weit mehr als 200 Basispunkten (Siehe die Tabelle in der Bildergalerie). „Die dritte Phase wird kommen, es ist nur nicht ausgemacht, wann und wie stark sie kommt. Daher wird es an den Märkten noch einmal ungemütlich“, prognostizierte Konrad.

Hoffnung macht, dass Rezessionsrisiken in den Kursen vieler Aktien bereits eingepreist seien, sodass nur eine Korrektur, aber kein „totale Sell-Off“ droht.

Vorsicht bei der Aktienauswahl
Anleger sollten angesichts genannter Risiken keinesfalls in die derzeit günstig aussehenden Value-Aktien investieren. Weil „Value“ ist derzeit „anders“ als in der Vergangenheit. Weil dieser Stil umfasst in vielen Fällen die unter den Niedrigzinsen dahinsiechenden Banken, die zusätzlich unter der von Fintechs ausgelösten Disruption leiden. Zu Value zählen auch „Hard Core“-Zykliker (Automobilhersteller, Maschinenbau, Zulieferer), von denen Investoren derzeit - noch- die Finger lassen sollten. Empfehlenswerter seien die Aktienstile „Quality“, „Minimum Volatility“ und „Growth“, die auch in mauen Konjunkturzeiten reüssieren sollten.

Beimischen zur Stabilisierung von Portefeuilles sollten Investoren in Zeiten niedrigster bzw. negativer Zinsen „Fixed Assets“, unter denen Konrad derzeit Gold und REITs versteht.

Vor diesem Hintergrund achten Eyb und Wallwitz bei ihren Mischfonds etwas mehr auf die „Defensive“ und haben aus diesem Grund auch die Liquiditätsquoten etwas erhöht. Auf der Anleihenseite wird stärker auf höhere Bonitäten geachtet. (aa)

 

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