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Erneuter "Hard Fork": Bitcoin steht vor entscheidender Weggabelung

Die Kryptowährung Bitcoin hat derzeit das existenzgefährdende Problem, Zahlungstransaktionen nicht schnell genug verarbeiten zu können. Diese „Scaling“-Probleme sollen im November zumindest teilweise gelöst werden. Aber genau das sorgt wieder einmal für Unruhe in der Community.

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© Maxim_Kazmin / Fotolia

Mati Greenspan, Senior Market Analyst bei der Social-Trading-Plattform eToro, analysiert in einer aktuellen Einschätzung, welche Hürde Bitcoin derzeit überwinden muss, um längerfristig als alternatives Zahlungsmittel akzeptiert zu werden. Laut Greenspan steht Bitcoin steht dieser Tage vor ernsthaften Scaling-Problemen: „Wenn es mit den größten Zahlungsabwicklern der Welt konkurrieren möchte, muss das Netzwerk wesentlich mehr Transaktionen pro Sekunde abwickeln können“ So verarbeite der Kreditkartenanbieter Visa laut Greenspan zurzeit durchschnittlich 24.000 Transaktionen pro Sekunde. Die Blockchain hinter Bitcoin hingegen würde an ihre Grenzen stoßen, wenn sie auf Dauer ein Volumen von mehr als sieben Transaktionen pro Sekunde verarbeiten würde. „Im Moment befinden wir uns noch unter diesem Level. Weil aber der Einsatz und die Nutzung von Bitcoin schnell zunehmen, muss dringend eine Lösung gefunden werden“, erklärt Greenspan.

Size matters: Blockgröße soll erhöht werden
„Die Debatte darüber, wie sich die Netzwerk-Geschwindigkeit verbessern lässt, heizt sich auf“, schreibt Greenspan. Nach dem auf dem Tisch liegenden Vorschlag würde die Größe jedes Blocks in der Blockchain von einem Megabyte auf zwei Megabytes verdoppelt. Der dafür notwendige Prozess nennt sich „Hard Fork“: Im Wesentlichen würde eine neue Bitcoin geschaffen, zu der die Nutzer daraufhin wechseln müssten. Der Hard Fork, also die Spaltung der Währung, wird für den Zeitraum um den 18. November 2017 erwartet.

Gegenwärtig befürworte die Mehrheit der Miner, die für gut 94 Prozent des gesamten Mining-Volumens verantwortlich sind, diese Lösung. Nichtsdestotrotz sei auch ein Teil der Community dagegen. Da die Diskussion um die Zukunft von Bitcoin extrem politisch und basisdemokratisch ist, gibt jede Seite ihr Bestes, ihre Vorstellungen dem Rest des Netzwerks schmackhaft zu machen.

Wie heißt Bitcoin zukünftig?
Die wichtigste Frage ist laut Greenspan, wie die ‚neue‘ Bitcoin genannt werden soll. Die Befürworter von SegWit2x, das eine Erhöhung auf zwei Megabytes vorsieht, würden sie am liebsten ebenfalls ‚Bitcoin‘ nennen. Das aber könnte für Probleme sorgen, besonders weil nicht jeder der gleichen Meinung ist. „Wenn wir zwei Währungen mit dem gleichen Namen bekämen, würde dies für große Verwirrung und Chaos sorgen, weil sich niemand wirklich sicher wäre, was er wohin senden würde und wer welche Kryptowährung akzeptiert“, warnt Greenspan.

Bitfinex, eine Börse für Kryptowährungen, hat angekündigt, dass es die alte Bitcoin ‚BTC‘ und die neue Bitcoin ‚B2X‘ nennen möchte. Auch Xapo, ein Wallet- und Debitkarten-Anbieter aus Hongkong hat sich festgelegt: Er will die mit einer Mehrheit versehene Chain ‚Bitcoin‘ oder ‚BTC‘ nennen. Den Namen der Chain in der Minderheit macht er von der Größe ihrer Blocks abhängig. Bei Blocks mit einem Megabyte soll sie ‚BC1‘, bei Blocks mit zwei Megabytes ‚BC2‘ heißen.

Bitcoin weiter auf dem Vormarsch
Der Bitcoin-Kurs scheint hiervon unberührt zu bleiben und nähert sich einem neuen Allzeit-Hoch von 5.000 US-Dollar pro Coin (Stand: 11.10.2017). Entweder ist sich die Alternative-Investment-Community der schlummernden Gefahren nicht bewusst oder sie interessieren sie einfach nicht. „Bereits am 1. August waren wir mit einer ähnlichen Fragestellung konfrontiert. Damals ging es darum, ob SegWit implementiert werden soll. Auch wenn es seinerzeit viel Aufregung gegeben hatte, blieb das Gros der Nutzer hiervon weitestgehend unberührt. Seitdem hat sich der Preis pro Bitcoin nahezu verdoppelt“, erinnert Greenspan, um folgende Prognose abzugeben: „Meine persönliche Vermutung ist, dass sich die Community wieder zusammenraufen und die für sie beste Lösung finden wird. Trotz all der Aufregung und Sorge um den Hard Fork scheint es, als könnte der Prozess dieses Mal schmerzfreier ablaufen.“ (aa)

 

 

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