Energiewende und KI treiben Infrastructure Debt
Die noch junge Asset-Klasse hat sich aus der Nische gearbeitet und wird aus Sicht von Damien Gardes, Co-Head of Infrastructure Debt bei Schroders Capital, aktuell durch die Energie- und Digitalwende getrieben.

Eckpunkte:
- Infrastructure Debt hat sich etabliert
- Rückzug der Banken und geänderte Definition von Infrastruktur
- Privatmarkt ermöglicht attraktive Kreditrisikoprämien
Infrastructure Debt hat sich in den vergangenen Jahren von einer Nischenstrategie zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt. Was einst vor allem Banken und Versicherern vorbehalten war, stehe heute einem breiteren Investorenkreis offen – mit einem differenzierten Risiko-Rendite-Profil, das von klassischen Senior-Strukturen bis hin zu Junior- und Nachrangstrategien mit höherem Renditepotenzial reiche, schreibt Damien Gardes, Co-Head of Infrastructure Debt bei Schroders Capital, in einem aktuellen Kommentar.
Zunächst sei der Rückzug der Banken infolge regulatorischer Reformen nach der Finanzkrise als Grund für das Marktwachstum zu nennen. Banken waren gezwungen, Risikoaktiva in ihren Bilanzen zu reduzieren. Zweitens habe sich die Definition von Infrastruktur erweitert und umfasse nun ein breiteres Spektrum an Vermögenswerten, das von den Trends der Energie- und Digitalwende geprägt werde und sich nicht mehr auf reine Projektfinanzierungen beschränke. „Als Folge dieser Entwicklungen hat sich der Markt entlang der Kapitalstruktur verschoben, mit zunehmenden Allokationen in Junior- und Nachrangstrategien, die Investoren ein anderes Risiko-Rendite-Profil bieten“, so Gardes.
Differenziertes Risiko-Rendite-Profil
Heute umfasse die Asset-Klasse zunehmend auch anspruchsvolle Sub-Investment-Grade-Produkte mit höherem Renditepotenzial. Das aktuelle Marktumfeld sei durch erhöhte Basiszinsen, aber historisch niedrige Credit Spreads an den Anleihemärkten gekennzeichnet. „Infrastructure Debt ermöglicht es Investoren, eine attraktive Kreditrisikoprämie zu erzielen und dabei relativ immun gegenüber den jüngsten Marktturbulenzen zu bleiben – etwa durch Zölle oder den jüngsten Energiepreisschock“, sagt Gardes. „Kurz: Infrastructure Debt hat eine größere Stabilität und attraktivere Margen als der breitere Fixed-Income-Markt bewiesen und profitiert gleichzeitig vom höheren Zinsniveau.“
„Die überzeugendsten Chancen im Bereich nachrangiger Strukturen sind derzeit mit den großen strukturellen Trends der Energie- und Digitalwende verknüpft“, sagt der Experte von Schroders Capital. Hinzu komme die Erweiterung der Speicherlösungen, die erforderlich sind, um Netze an die mit erneuerbaren Anlagen einhergehende Intermittenz anzupassen. Energieeffizienz ist ebenfalls ein wichtiges Thema“, so Gardes.
Ehrgeizige Ausbaupläne
Diese Bereiche zusammengenommen würden enorme Kapitalmengen erfordern, um ehrgeizige Ausbaupläne umzusetzen, schätzt Gardes. „Neben Eigenkapital und Senior Debt entsteht dadurch eine erhebliche Nachfrage nach Zwischenformen in der Finanzierung, die effiziente Kapitalstrukturen in Form von Junior- und nachrangigen Infrastrukturfinanzierungen unterstützen.“
Gleichermaßen gebe es massive Investitionsbedürfnisse im Bereich der digitalen Infrastruktur. „Die Beschleunigung von KI treibt insbesondere die weitere Expansion des Rechenzentrumssegments sowie den laufenden Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetzen voran“, erwartet Gardes.
Zwei Megatrends befügeln Deal Flow
Die Megatrends Energiewende und Digitalwende befeuerten daher den Deal Flow für Infrastructure-Debt-Anbieter im Allgemeinen und für den Sub-Investment-Grade-Markt im Besonderen.
Sponsoren suchten nach effizienten Lösungen in der Bau- und Expansionsphase, wo die Finanzierungsbedürfnisse sowohl umfangreich als auch komplex seien. Gardes: „Strukturen, die sowohl Projektfinanzierungs- als auch Unternehmenselemente umfassen, sind erforderlich, um diese Kombination aus Asset-Backed- und Expansionstätigkeit zu bedienen.“ (de)



