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Energieversorgungsschock: Abwarten oder Reagieren?

Zwei hochrangige Experten von Julius Bär analysieren die aktuelle Lage an der Energiefront und erstellen drei Szenarien, die institutionellen Investoren mehr Orientierung geben könnten.

© Edelweiss / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Die Energiemärkte stehen eher vor einem kurzen, aber heftigen Anstieg als vor einer anhaltenden Krise
  • Europa bleibt am stärksten betroffen, während die makroökonomischen Auswirkungen in Asien überschaubar bleiben dürften
  • Investoren sollten Überreaktionen vermeiden
  • Falls aber doch eine echte Ölkrise ausbrechen sollte, müssten Investoren reagieren

Hoffnung auf nur kurze Krise
Die Energiemärkte stehen eher vor einer kurzen und intensiven Phase als vor einem anhaltenden Schock. "Unser Basisszenario geht weiterhin davon aus, dass Brent-Rohöl im März in den Bereich von 80 bis 90 US-Dollar pro Barrel und europäisches Gas im Bereich von 40 bis 50 US-Dollar pro Megawattstunde gehandelt wird", schreiben Christian Gattiker, Head of Research, und Mathieu Racheter, Head of Equity Strategy Research, bei Julius Bär, in einer aktuellen Einschätzung.

Dies hänge davon ab, dass keine strukturellen Schäden an regionaler Infrastruktur entstehen und es nur zu vorübergehenden Störungen rund um die Straße von Hormus kommt. Unter diesen Bedingungen sollten die makroökonomischen Auswirkungen begrenzt bleiben.

Wer ist am stärksten betroffen?
"Europa ist unter unseren Kernregionen am stärksten exponiert, sieht sich aber eher einem leichten stagflationären Effekt als einem langwierigen Rezessionsrisiko gegenüber. Indien hat mit höheren Importkosten und Inflationsrisiken zu kämpfen, während China und Japan möglicherweise mit Margenproblemen konfrontiert sind", merken Gattiker und Racheter an.

Drei Szenarien
Die Portfolio-Positionierung lässt sich Gattiker und Racheter zufolge am besten anhand von drei Szenarien beschreiben.

Im Basisszenario, dem Gattiker und Racheter eine Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent zuweisen, könnten die Märkte eine kurze Phase der Risikoaversion erleben, bevor sie sich im zweiten Quartal stabilisieren. Es ist weiterhin angemessen, das Kernrisiko beizubehalten und es durch Energie, Gold und ausgewählte defensive Werte zu ergänzen.

In einem anhaltenden und chaotischeren Szenario, in dem der Ölpreis auf 90 bis 100 US-Dollar pro Barrel steigt und die Störungen über März hinaus andauern, sollten die Portfolios deutlicher in Richtung Defensive gehen, die Volatilität reduzieren, den Anteil von Energie als Absicherung erhöhen und sich auf Qualität konzentrieren.

Nur in einer echten Ölkrise, die Gattiker und Racheter als unwahrscheinliches Extremereignis betrachten, wäre eine wesentliche Reduzierung des Gesamtrisikos gerechtfertigt, mit höheren Barbeständen und einem Schwerpunkt darauf, das Risiko zu senken.

"Über den kurzfristigen Horizont hinaus stufen wir weiterhin ein neues Gleichgewicht auf den Energiemärkten als möglich ein. Wenn sich die Spannungen lockern und zusätzliche Lieferungen, einschließlich iranischer Barrel, in das System zurückkehren, dürften die Ölpreise wieder in Richtung der niedrigen 60-Dollar-Marke tendieren. Der mittelfristige Ausblick ist weiterhin eher eine Neugewichtung als eine Eskalation", erklären Gattiker und Racheter abschließend. (aa)

Indikative Marktextreme nach Szenario-Wahrscheinlichkeit:

  • Schnelles und intensives Szenario (>60 %) Öl: 80–90 USD | Gas: 40–50 USD | EUR/USD 1,15 | US-Staatsanleihen: 4,10 % | Bund: 2,80 % | Gold: 5.300 | S&P: 6.800 | Stoxx: 600 I Hang Seng: 25.000
  • Längeres, chaotisches Szenario (<30 %) Öl: 90–100 USD | Gas 60–70 USD | EUR/USD 1,12 | US-Staatsanleihen: 4,30 % | Bund: 3,30 % | Gold: 5.750 | S&P: 6.500 | Stoxx: 570 I Hang Seng: 22.000
  • Ölkrise-Szenario (<5 %) – Extremereignis: EUR/USD 1,10 | US-Staatsanleihen: 4,30 % | Bund: 3,30 % | Gold: 6000 | S&P: 6000 | Stoxx: 500 I Hang Seng: 17.000

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